https://www.faz.net/-gpf-p8f2

Geiselnahme : Erstmals Diplomat im Irak entführt

  • Aktualisiert am

Die Entführer und ihr Opfer Bild: dpa/dpaweb

Ein ägyptisches Botschaftsmitglied ist von Extremisten als Geisel genommen worden. Diese begründeten ihre Aktion damit, daß die ägyptische Regierung Hilfe für die Sicherheitskräfte im Irak angeboten habe.

          1 Min.

          Ägypten bemüht sich nach Meldungen der Kairoer Nachrichtenagentur Mena intensiv um eine Freilassung des im Irak entführten ägyptischen Diplomaten Mohammed Mamdu Kotb.

          Das Botschaftsmitglied war am Freitag von einer irakischen Extremistengruppe als Geisel genommen worden. Sie begründete ihre Aktion damit, daß die ägyptische Regierung Hilfe für die Sicherheitskräfte im Irak angeboten habe. Damit ist erstmals im Irak ein ausländischer Diplomat verschleppt worden. Die ägyptische Botschaft in Bagdad stehe in engem Kontakt mit den irakischen Behörden, um eine Freilassung Kotbs zu erwirken, berichtete Mena am Samstag vormittag.

          Er werde „gut behandelt“

          Der arabische Nachrichtensender Al Dschazira zeigte ein Video der Extremisten, auf dem Kotb zu sehen ist. In der Videobotschaft gab der Entführte an, von seinen Entführern „gut behandelt“ zu werden. Zugleich versicherte er, daß die ägyptische Botschaft nicht mit den amerikanischen Truppen im Irak zusammenarbeite. Ihre Aufgabe sei es vielmehr, den „Irakern beim Wiederaufbau ihres Landes zu helfen“.

          Der Regierung in Kairo schloß eine Truppenentsendung in den Irak aus. Die Entsendung ägyptischer Soldaten komme „in keiner Weise in Frage“, erklärte der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit. Der entführte Diplomat habe „für den Aufbau von brüderlichen Beziehungen zwischen dem irakischen und ägyptischen Volk gearbeitet“.

          Der irakische Regierungschef Ijad Allawi hatte arabische Nachbarstaaten aufgerufen, Truppen in den Irak zu schicken, um die Mitarbeiter der UN zu beschützen, wenn sie wieder zurückgekehrt sein werden. Ägypten hatte daraufhin bereits eine Entsendung von Soldaten abgelehnt, sich aber bereit erklärt, irakische Sicherheitskräfte auszubilden.

          Ultimatum verlängert

          Die Entführer von sieben bei einem kuwaitischen Unternehmen angestellten Ausländern stellten unterdessen ein neues Ultimatum von 48 Stunden. Die Extremisten fordern unter anderem die Freilassung von irakischen Häftlingen aus kuwaitischen und amerikanischen Gefängnissen. Anderenfalls drohen die Extremisten damit, ihre Geiseln - drei Inder, drei Kenianer und ein Ägypter - zu enthaupten.

          Unterdessen ist auch der Chef eines staatlichen Unternehmens für Wiederaufbau entführt worden. Raad Adnan sei am Samstag in Bagdad auf dem Weg zur Arbeit verschleppt worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Adnan leitet demnach das Unternehmen El Mansur Contracting Co. Bei der Geiselnahme sei sonst niemand zu Schaden gekommen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.