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Gefechte : Dutzende Tote bei Kämpfen in Donezk

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Prorussische Separatisten am Dienstag an einer Straßensperre in der ostukrainischen Stadt Donezk Bild: REUTERS

In Donezk hat die ukrainische Armee wieder die Kontrolle über den zuvor schwer umkämpften Flughafen - bei ihrem Vorstoß kommen auch Zivilisten um. Die seit Montag vermissten OSZE-Beobachter sind offenbar von prorussischen Separatisten verschleppt worden.

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          Nach heftigen Kämpfen in der ostukrainischen Industriemetropole Donezk haben die Streitkräfte der Regierung anscheinend den von prorussischen Kämpfern besetzten Flughafen zurückgewonnen. Nach Angaben des Bürgermeisters von Donezk wurden bei den Kämpfen in der Nacht zum Dienstag vierzig Menschen getötet, unter ihnen zwei Zivilisten.

          Der „Ministerpräsident“ der separatistischen „Volksrepublik Donezk“, Alexander Borodaj, sprach von 100 getöteten Freischärlern und „friedlichen Bürgern“. Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow sagte, die Regierungstruppen hätten den Flughafen wieder „unter totaler Kontrolle“. Nach Angaben russischer Medien haben sich die Kämpfer der Separatisten in das Stadtinnere zurückgezogen. Auf der Straße zwischen Flughafen und Zentrum haben sie am Dienstag neue Barrikaden errichtet.

          Vier vermisste OSZE-Beobachter, die in der Krisenregion unterwegs waren, befinden sich offenbar in der Hand prorussischer Separatisten. Das teilte der dänische Handels- und Entwicklungsminister Mogens Jensen nach Agenturberichten mit. Zu der Gruppe gehören ein Däne, ein Este, ein Schwede und ein Türke. Die OSZE-Beobachtungsmission in der Ukraine hatte zuvor mitgeteilt, sie habe seit Montagabend die Verbindung zu einem ihrer Teams in Donezk verloren.

          Kiew: Moskau finanziert Kämpfer

          Das ukrainische Außenministerium beschuldigte Moskau am Dienstag, den Zustrom Bewaffneter über die russisch-ukrainische Grenze zu organisieren und zu finanzieren. Die russischen Behörden wiesen den Vorwurf zurück, dass in jüngster Zeit Autos mit Kämpfern die Grenze passiert hätten. Nach ukrainischen Angaben hat es in der Nacht zum Dienstag jedoch an einem Grenzübergang im Gebiet Luhansk ein Gefecht gegeben. Dabei seien fünf Eindringlinge getötet und Lastwagen mit Waffen beschlagnahmt worden.

          Der russische Präsident Wladimir Putin verlangte in einem Telefonat mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi, die „Strafaktion“ in der Ostukraine müsse sofort beendet werden. Der stellvertretende ukrainische Ministerpräsident Vitali Jarema sagte dagegen, die „antiterroristische Operation“ werde fortgesetzt, bis die Kämpfer ausgeschaltet seien.

          EU drängt Moskau zu Zusammenarbeit mit Poroschenko

          Die Staats- und Regierungschefs der EU rufen Russland zur Zusammenarbeit mit dem neuen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko auf. „Wir erwarten, dass die Russische Föderation mit dem neu gewählten und legitimen Präsidenten kooperiert“, hieß es in einem Entwurf für eine Erklärung des EU-Gipfels am Dienstag in Brüssel. Die Regierung in Moskau müsse zudem den Abzug ihrer Truppen von der Grenze zur Ukraine fortsetzen und „ihren Einfluss auf bewaffnete Separatisten nutzen, um die Situation in der Ostukraine zu deeskalieren“.

          Dem Erklärungsentwurf zufolge fordern die EU-Staaten zudem von Russland, „in einen ehrlichen und offenen Dialog“ zur Lösung des Ukraine-Konflikts einzutreten. Die Staats- und Regierungschefs mahnen zu einer Lösung des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine.

          Die EU-Staats- und Regierungschefs berieten auf ihrem Gipfeltreffen in Brüssel über die Lage in der Ukraine nach der dortigen Präsidentschaftswahl am Wochenende und den Konflikt mit Russland. Die EU sieht in der Abstimmung einen wichtigen Schritt hin zur Stabilisierung der Situation. EU-Politiker hatten Russland mit Wirtschaftssanktionen gedroht, falls die Regierung in Moskau den Wahlverlauf stören sollte.

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