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Gefahren bei Schönheitsoperationen : „Es geht nicht um seltene Einzelfälle“

  • -Aktualisiert am

Corpus Delicti: Silikonkissen in schlechtem Licht Bild: REUTERS

Der Skandal um die Brustimplantate aus Frankreich hat ungeahnte Ausmaße. Nun wird auch in Deutschland darüber gestritten, ob die Behörden richtig gehandelt haben.

          Sie wollen sich gefallen - und den Männern. Immer jüngere Frauen legen sich auf den Operationstisch, im Internet wimmelt es von Angeboten - Brustvergrößerungen gehören unter den Schönheitsoperationen zu den beliebtesten Eingriffen. Zu Weihnachten gab es sogar Busen-Gutscheine. Aber die gute Figur hat ihren Preis. Spätestens seit dem Skandal um die gefährlichen Silikonkissen aus Frankreich ist klar: Der Preis kann sehr hoch sein.

          Es gab schon viele Medizinprodukte, die ein mögliches Gesundheitsrisiko darstellten, auch wenn es nicht um Betrug ging wie jetzt. Herzschrittmacher mussten ausgetauscht werden, künstliche Hüften erwiesen sich als nicht sehr haltbar, auch bei Brustimplantaten hieß es bereits: Lasst sie euch rausnehmen. Da war Silikon gerade nicht so en vogue, sondern Sojaöl, das bei einer Zersetzung im Körper aber gefährlich werden konnte. Die Rückrufaktion begann im März 1999, vier Jahre nachdem das Sojapolster auf den Markt gekommen war. Damals aber übernahm der Hersteller die Kosten für die Folgeoperationen, er setzte eine Frist dafür. „Nur“ zweitausend Frauen waren betroffen.

          Entfernungsempfehlungen in nur vier Staaten

          Jetzt geht es weltweit um etwa 400.000 Frauen. Und die haben Angst. Auch in Deutschland. Aber wie viele Frauen sind es bei uns? Keiner weiß es genau, auch wenn Ärzte die Unterlagen über die Operationen zwanzig Jahre lang aufheben müssen. Es gibt keine Stelle, die diese Informationen sammelt. Die Bundesländer sind jedoch gerade dabei, herauszufinden, wie viele deutsche Frauen ein Implantat der französischen Firma PIP tragen, die Industriesilikongel in die Kissen tat und dem TÜV Rheinland etwas anderes vorgaukelte. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte weiß im Moment von etwa 1000 Frauen in Deutschland und geht davon aus, dass es insgesamt unter 10.000 sind. Die Fachgesellschaften forschten noch, sagt der Präsident des Bundesinstituts, Walter Schwerdtfeger: „Klar ist jedenfalls, dass es sich nicht um seltene Einzelfälle handelt.“

          Seit die Ausmaße des Betrugs bekannt sind, wird darüber gestritten, ob die Behörden richtig gehandelt haben, frühe Hinweise auf die auffällige Risshäufigkeit der Implantate ignorierten oder nicht kannten. In Deutschland sind die PIP-Kissen seit April 2010 verboten. Knapp ein Jahrzehnt waren die Einlagen da schon auf dem Markt. Zu jenem Zeitpunkt zog Deutschland mit Frankreich gleich und empfahl Ärzten, die Patientinnen zu informieren. Frauen riet es, sich mit ihrem Arzt in Verbindung zu setzen. Diesen Appell erneuerte die Behörde, allerdings in einem dringlicheren Ton, am 23. Dezember 2011. Einen Tag zuvor waren die Franzosen weiter gegangen, hatten den Frauen empfohlen, sich in jedem Fall das Kissen mit dem falschen Silikon entfernen zu lassen. Das Bundesinstitut entschloss sich am 6. Januar dazu und muss sich seitdem fragen lassen: wieso erst dann? Es verteidigt sich mit dem Hinweis auf eine völlig neue Situation. Vom 2. Januar an hätten sich Berichte von Ärzten und Fachkliniken gemehrt, dass auch aus intakten Kissen Silikon austreten könne. Bis dahin sei man lediglich davon ausgegangen, dass sie reißen könnten, und habe deswegen dazu geraten, mit dem Arzt eine persönliche Risikoabwägung zu besprechen. Verwiesen wird auch darauf, dass bis jetzt von den 27 EU-Staaten nur vier - Frankreich, die Tschechische Republik, die Niederlande und Deutschland - eine generelle Entfernungsempfehlung gegeben haben. Will heißen: Die anderen Länder sind noch nicht einmal so weit.

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