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Gedenken an Charlie Hebdo : „Märtyrer der Pressefreiheit“

Place de la République in Paris: die Menschen trauern Bild: dpa

Tausende Franzosen versammeln sich, entsetzt über das Attentat auf „Charlie Hebdo“. Unsere Korrespondentin ist auf der Pariser Place de la République live dabei gewesen.

          2 Min.

          Paris, Place de la République. Sie haben Kerzen entzündet und halten Kugelschreiber und anderes Schreibgerät in die Höhe. Einige verteilen schwarze Trauerkarten, auf denen steht: „Je suis Charlie“. „Ich bin Charlie“ heißt das und soll bedeuten, dass sie sich fühlen, als seien sie selbst ein Mitglied der Redaktion von „Charlie Hebdo“ gewesen. Auf dem Platz der Republik in Paris versammelten sich am Mittwochabend nach Polizeiangaben mindestens 15.000 Menschen. Den Hauptstadtbewohnern ist es ein Anliegen, ihre Solidarität mit den Redaktionsmitgliedern der satirischen Wochenzeitung zu bekunden. Zehn von ihnen sind am Mittwochmittag ermordet worden, darunter der Redaktionsleiter Charb und die Zeichner Cabu, Wolinksi und Tignous.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          „Die Kugelschreiber sollen zeigen: Die freie Meinungsäußerung, die Freiheit der Presse ist uns teuer“, sagt Jean, ein Journalist, der zusammen mit seinen Kollegen von der Tageszeitung „Le Figaro“ gekommen ist. Die wichtigsten Journalisten-Gewerkschaften haben dazu aufgerufen, sich auf dem traditionsreichen Platz einzufinden. Viele der Journalisten halten ihre Pressekarten in die Höhe.

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          „Charlie Hebdo wird leben“

          „Es reicht mit den Vorwürfen gegen die Presse. Wir müssen zusammenstehen“, sagt eine Journalistin. Sie war schon im Frühjahr 2002 auf den Platz der Republik gezogen, um nach dem Wahlerfolg von Jean-Marie Le Pen im ersten Wahlgang der Präsidentenwahl hier die Werte von Demokratie und Republik zu verteidigen. Am Mittwochabend stehen die Leute nicht ganz so dicht gedrängt, aber wieder eint sie der Wunsch, mit ihrer Anwesenheit die Republik zu verteidigen.

          Etwa 5000 sind es, die spontan gekommen sind. Anne wohnt in der Nähe, sie sagt, das Verbrechen könne nicht hingenommen werden: „Ich habe Charlie Hebdo nie gelesen, aber die Pressefreiheit ist mir wichtig.“ Auch sie hält einen Stift in die Höhe.

          Auch Politiker haben sich in die Menge gemischt, Cécile Duflot von den Grünen sagt, es sei einfach wichtig, dass die Nation in diesem Moment zusammenstehe. Sie zählt zu den schärfsten Kritikerinnen von Präsident Hollande, aber auf dem Place de la République führt sie nur die Vokabel von der „Einheit“ im Mund.

          Die Gegner der Pressefreiheit dürften nicht triumphieren, indem sie Frankreich spalteten, sagt sie. Der frühere Minister Jean-Louis Borloo nennt die ermordeten Journalisten und Zeichner „Märtyrer der Pressefreiheit“. Auch in Toulouse, in Lyon und in Nantes, in allen Landesteilen ziehen zigtausende Franzosen auf die Straße. Die Direktoren der staatlichen Fernseh- und Radiosender kündigen an, dass sie die verbleibende Redaktion von „Charlie Hebdo“ finanziell unterstützen werden. „Charlie Hebdo wird leben“, sagen sie.



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