https://www.faz.net/-gpf-to83

Gaza-Streifen : Heftige Gefechte trotz Waffenruhe

  • Aktualisiert am

Fatah-Anhänger: bereit zum Kampf Bild: AP

Nur ein paar Stunden nach der Verkündung eines Waffenstillstands haben sich Anhänger der beiden verfeindeten Palästinenserorganisationen Fatah und Hamas am Montag morgen Straßenschlachten in Gaza-Stadt geliefert.

          2 Min.

          Die rivalisierenden Palästinenserorganisationen Fatah und Hamas haben sich auf eine Waffenruhe geeinigt. In Gaza habe sich die Lage am Montag morgen aber noch nicht beruhigt, berichtete der Nachrichtensender CNN. In Fernsehberichten sind nach wie vor heftige Schußwechsel zu sehen. Der britische Fernsehsender BBC sprach von Gefechten in der Nähe der Büros von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

          Am Sonntag abend hatten beide Gruppierungen ein Ende der Feindseligkeiten verabredet. Palästinenserführer verkündeten die Waffenruhe nach Mitternacht auf einer Pressekonferenz. Vertreter beider Fraktionen waren nicht anwesend. Ibrahim Abu Nadscha sagte, es werde „keine Gnade“ für diejenigen geben, die die Waffenruhe brechen würden. Er kündigte die Bildung eines Komitees zur Untersuchung der Kämpfe an, bei denen drei Menschen getötet worden waren.

          Entführte sollen freigelassen werden

          Ein Sprecher der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), zeigte sich überzeugt, daß beide Seiten sich an die Abmachung halten würden. Er nannte technische Gründe für die Abwesenheit von Vertretern der Fatah und der Hamas bei der Pressekonferenz.

          Vermummte Kämpfer der Hamas stürmten ein Ausbildungslager der Präsidentengarde
          Vermummte Kämpfer der Hamas stürmten ein Ausbildungslager der Präsidentengarde : Bild: AFP

          Hamas-Sprecher Ismail Radwan sagte, Fatah und Hamas hätten sich darauf geeinigt, die Gespräche über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit wieder aufzunehmen, ihre Kämpfer von den Straßen zurückzuziehen, Entführte freizulassen und die Belagerung der Ministerien aufzuheben. Die Waffenruhe war von den kleineren radikalen Gruppen Islamischer Dschihad, der Demokratischen Front für die Befreiung Palästinas und der Volksfront für die Befreiung Palästinas ausgehandelt worden.

          Hamas spricht von „Putsch“

          Auslöser der heftigen Unruhen war die Ankündigung von Abbas, als Ausweg aus dem Machtkampf zwischen Fatah und Hamas vorgezogene Neuwahlen auszurufen. Die Hamas sprach von einem „Putsch“ und kündigte an, die Wahlen nicht zuzulassen. Ministerpräsident Ismail Hanija warf Abbas Verfassungsbruch vor. Das Verhalten von Abbas sei „provokant“, sagte er am Sonntag bei einem Treffen mit seinen Ministern in Gaza. „Die palästinensische Regierung ist dazu bestimmt, Recht und Ordnung durchzusetzen und für den Schutz und die Sicherheit den Menschen zu sorgen“, sagte Hanija.

          Abbas hatte am Samstag bei seiner Rede vor Fatah-Funktionären und religiösen Würdenträgern in Ramallah gesagt, er wolle das Volk über den weiteren Weg entscheiden lassen. Die Bemühungen um eine Einheitsregierung waren zuvor gescheitert. Zugleich betonte er, daß die Bildung einer Einheitsregierung mit Beteiligung der Hamas und seiner Fatah eine Option bleibe. Chefunterhändler Sajeb Erekat, ein führender Berater von Abbas, sagte, daß Neuwahlen aus juristischen und technischen Gründen erst für Mitte kommenden Jahres angesetzt werden könnten.

          Studentin erschossen

          In seiner Rede hatte Abbas die Hamas für die Zuspitzung des Konflikts und die internationalen Sanktionen gegen ihre Regierung verantwortlich gemacht. Die Regierung Hanijas wird weitgehend vom Ausland boykottiert, weil sich die Hamas weigert, der Gewalt abzuschwören und Israel anzuerkennen.

          Am Sonntag morgen hatten vermummte Kämpfer der Hamas in Gaza ein Ausbildungslager der Präsidentengarde gestürmt und einen Mann getötet sowie vier weitere verletzt. Stunden später feuerten Heckenschützen auf einen Konvoi des zur Hamas gehörenden Außenministers Mahmud al-Sahar. Am Sonntag abend wurde ein zur Fatah gehörendes Mitglied der palästinensischen Sicherheitskräfte verschleppt und getötet. Außerdem starb bei einer Schießerei zwischen Fatah- und Hamas-Anhängern in Gaza eine unbeteiligte Studentin. Zudem wurde der Amtssitz von Abbas in Gaza mehrfach mit Granaten beschossen. Im Norden des Gazastreifens gingen mehrere zehntausend Anhänger von Abbas auf die Straßen. Auch dort kam es zu Zusammenstößen mit der Hamas.

          Weitere Themen

          Neuer Zündstoff für den Konflikt

          Tote im Westjordanland : Neuer Zündstoff für den Konflikt

          In technischen Fragen bewegt sich die neue israelische Regierung auf die Palästinensische Autonomiebehörde zu, doch im besetzten Westjordanland verschärft sich die Sicherheitslage. Bei Razzien wurden mehrere Palästinenser getötet.

          Neues Ermittlungsverfahren gegen Nawalny Video-Seite öffnen

          Russland : Neues Ermittlungsverfahren gegen Nawalny

          Russland verschärft das Vorgehen gegen den aktuell inhaftierten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny. Ihm wird vorgeworfen, Anführer einer extremistischen Organisation zu sein.

          Topmeldungen

          Hatte einmal mehr keinen leichten Tag: Armin Laschet

          Laschet und die Union : Machtprobe

          Ein turbulenter Tag für die Union: CSU-Chef Söder spricht Scholz die besten Chancen aufs Kanzleramt zu – und Laschet verhindert eine Kampfkandidatur in der Fraktion.
          Torschütze des Abends: Donyell Malen

          1:0 gegen Lissabon : Schwerfälliger BVB gewinnt

          Ohne Haaland kein Spektakel: Gegen Sporting Lissabon reicht es für Borussia Dortmund aber dennoch zum Sieg, weil 30-Millionen-Neuzugang Malen erstmals im BVB-Trikot trifft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.