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Gaza-Krieg : Israel: Ziele fast erreicht

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Palästinenser auf den Trümmern eines Hauses in Rafah Bild: REUTERS

Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben fast alle Hamas-Tunnel gesprengt und die Ziele der Operation „Schutzlinie“ bald erreicht. Die Einwohner von Beit Lahija im nördlichen Gazastreifen dürfen in ihre Häuser zurückkehren.

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          Nach dreieinhalb Wochen könnten sich die Kämpfe zwischen Israel und der Hamas abschwächen. Ein israelischer Militärsprecher sagte am Samstag, das Militär habe die Ziele der Operation „Schutzlinie“ fast erreicht. Das gelte insbesondere für die Zerstörung Dutzender Schmugglertunnel, die die Hamas unter dem Grenzzaun zu Israel gegraben hatte. Die Zerstörung des weit verzweigten Tunnelsystems, das Hamas-Kämpfer als Waffenlager und für Vorstöße nach Israel nutzen, war erklärtes Ziel der israelischen Offensive.

          Das israelische Militär sicherte palästinensischen Flüchtlingen aus Beit Lahija im Norden des Gazastreifens zu, dass sie am Samstag in ihre Wohnungen zurückkehren könnten. Den Einwohnern wurde aber geraten, sich vor Sprengkörpern in acht zu nehmen, die die Hamas über das Gebiet verteilt habe. In Beit Lahija leben etwa 70.000 Menschen. Viele waren vor den Kämpfen in den südlichen Gazastreifen geflohen.

          Erinnerungsbild in den Trümmern Bilderstrecke

          Unterdessen verlautete am Samstag aus Regierungskreisen in Jerusalem, Israel werde keine Vertreter nach Kairo entsenden. Dort wurden Unterhändler verschiedener Palästinenser-Organisationen wie der PLO, der Hamas und des Islamischen Dschihad erwartet. „Mit der Hamas über einen Waffenstillstand zu reden, hat keinen Sinn“, sagte ein hoher israelischer Regierungsbeamter der Zeitung „Haaretz“. Möglicherweise beendet Israel nach den Worten des Regierungsmitarbeiters den Militäreinsatz sogar, ohne überhaupt eine Waffenruhe zu vereinbaren.

          Die ägyptische Regierung gibt die geplanten Verhandlungen über eine Beendigung der Kämpfe im Gazastreifen dennoch nicht verloren. Präsident Abdel Fattah al Sisi sagte am Samstag in der ägyptischen Hauptstadt, der Plan seiner Regierung sei eine echte Chance, eine Lösung für den Konflikt zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas zu finden: „Verlorene Zeit macht die Situation immer komplizierter.“

          Der britische Vize-Premierminister Nick Clegg forderte die israelische Regierung zu direkten Gesprächen mit der radikal-islamischen Hamas auf. Nur so könne der gegenwärtige Konflikt beendet werden, schrieb der Vorsitzende der britischen Liberalen am Samstag im „Guardian“. Er wich damit deutlich von der offiziellen Position der von den Konservativen geführten Regierungskoalition ab. Premierminister David Cameron hatte sich stets auf Appelle zur Waffenruhe beschränkt und sich jeder Kritik an Israel enthalten.

          Dagegen schrieb nun Clegg: „Es ist für die israelische Regierung an der Zeit, mit der politischen Führung von Hamas in Gaza zu reden.“ Er wisse, dass sein Aufruf kontrovers sei und verstehe die „Existenzangst“ des israelischen Volkes, so Clegg. Tatsache sei aber, dass alle bisherigen Militäraktionen im Gazastreifen die Raketenangriffe auf Israel nicht verhindert hätten. Ein dauerhafter Frieden könne nicht durch „Schießen oder Besetzen“ erreicht werden.

          Eine maßgeblich von Ägypten vermittelte, für drei Tage geplante Waffenruhe war am Freitag keine zwei Stunden nach ihrem Beginn gescheitert. Israel machte dafür Hamas-Kämpfer verantwortlich, die israelische Soldaten aus einem Tunnelsystem heraus angegriffen hätten. Dabei habe ein Selbstmordattentäter zwei Soldaten getötet. Ein dritter Soldat, der 23 Jahre alte Leutnant Hadar Goldin, wurde nach Israels Darstellung mutmaßlich von Hamas-Kämpfern verschleppt. Ob Goldin noch lebt, blieb zunächst unklar. Die israelische Armee suchte am Samstag mit einem massiven Militäreinsatz nach dem Vermissten.

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