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Gaza-Krieg : Ein Rückzug ohne Verpflichtungen

Israelische Soldaten an der Grenze zu Gaza Bild: AFP

Mindestens zehn Menschen sind beim Beschuss einer UN-Schule in Rafah ums Leben gekommen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon kritisierte den Vorfall als grobe Verletzung des Völkerrechts. Die Hoffnung auf ein schnelles Ende des Krieges hat sich vorerst zerschlagen.

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          Trotz des beginnenden Rückzugs der israelischen Armee sind im Süden des Gazastreifens am Sonntag die Kämpfe weitergegangen. In Rafah wurde eine UN-Schule getroffen, in die sich 3000 Palästinenser geflüchtet hatten. Dabei seien mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit, nach dessen Angaben es am Sonntag bis zum Abend mehr als 50 Tote gab. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon kritisierte den neuerlichen Beschuss einer UN-Einrichtung als weitere grobe Verletzung des humanitären Völkerrechts und sprach von einer „moralischen Schandtat“. „Die israelische Armee ist mehrfach über den Standort der Schule informiert worden“, so Ban. Das amerikanische Außenministerium bezeichnete den Beschuss als „schandhaften“ Vorfall.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die israelische Armee bestätigte, auf ein Ziel nahe der Schule geschossen zu haben. Im Visier seien drei Mitglieder des Islamischen Dschihads gewesen, die auf einem Motorrad unterwegs gewesen seien. Unklar blieb aber weiter, wer die Schule beschossen hatte. Der Süden Israels und der Großraum von Tel Aviv wurden abermals aus Gaza mit Raketen angegriffen.

          Erste Flüchtlinge auf dem Heimweg

          Am Samstagnachmittag hatten sich die ersten Flüchtlinge auf den Heimweg gemacht. Die israelische Armee erlaubte den Einwohnern von Beit Lahija im Norden des Gazastreifens, in ihre Häuser zurückzukehren, von denen oft nicht viel übrig geblieben ist. Auch aus anderen Orten des Gazastreifens wurde berichtet, dass sich israelische Soldaten mit ihren Panzern in Richtung der Sperranlage bewegten. Die Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Militäroperation zerschlugen sich jedoch schon am Abend: Die Armee werde auch dann weiterkämpfen, wenn die Gefahr aus den Tunneln gebannt sei, kündigte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an. Man werde nicht aufhören, „bis die Menschen im Süden Israels wieder dauerhaft in Frieden leben können“. Netanjahu drohte der Hamas, sie werde einen „unerträglich hohen Preis“ zahlen, sollte sie Israel weiter mit Raketen beschießen. „Es ist noch nicht vorbei“, schrieb Wirtschaftsminister Naftali Bennett am Sonntag auf seiner Facebook-Seite.

          Am Sonntag sollte im Gazastreifen der letzte der insgesamt 31 entdeckten Tunnel gesprengt werden, die die Hamas gegraben hatte, um den Süden Israels anzugreifen. Die israelische Regierung hatte die Zerstörung der unterirdischen Gänge zur Bedingung für ihren Rückzug gemacht. Zudem wurde nach israelischer Einschätzung das Raketenarsenal von Hamas und Islamischem Dschihad auf ein Drittel reduziert. In den vergangenen Tagen fiel auf, dass sie viel seltener die Großstädte in der Mitte Israels und im Norden angriffen. Die Hamas muss offenbar sparsamer mit den Raketen mit größerer Reichweite umgehen. Die Soldaten konnten deshalb damit beginnen, sich aus den Wohnvierteln in Gaza zurückzuziehen, in denen sich Tunneleingänge und ein Teil der Abschussvorrichtungen für die Raketen befanden, und wo sie leichter angreifbar waren. In Gaza wurde beobachtet, wie sich ein Großteil der Soldaten an den Grenzzaun oder schon auf israelisches Gebiet zurückzog. Ein Armeesprecher bestätigte Truppenverlegungen.

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