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Gaza-Konflikt : Israels Militär soll „die Samthandschuhe ausziehen“

Rauch über Gaza-Stadt nach einem Luftschlag der Israelis Bild: REUTERS

Nach den Worten von Verteidigungsminister Jaalon bereitet sich Israel auf eine Operation vor, „die nicht innerhalb von Tagen enden wird“. Ministerpräsident Netanjahu sagt, die Hamas soll „einen hohen Preis zahlen“.

          Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Armee angewiesen, „die Samthandschuhe auszuziehen“. Die Hamas habe sich für eine Eskalation entschieden und werde dafür „einen hohen Preis zahlen“, sagte Netanjahu am Dienstag vor einem Treffen mit Vertretern der Sicherheitskräfte in Tel Aviv. Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte, dass der Gaza-Konflikt noch lange andauern werde. „Wir bereiten uns auf eine Operation gegen die Hamas vor, die nicht innerhalb von Tagen enden wird“, sagte Jaalon Medienberichten zufolge am Dienstag nach einem Treffen mit Armeekommandeuren. Die im Gazastreifen herrschende Hamas wolle Israel möglichst großen Schaden zufügen. Um das zu unterbinden, müsse Israel „geduldig sein“, sagte Jaalon.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Als Antwort auf andauernden Beschuss aus dem Gazastreifen hatte Israel in der Nacht zum Dienstag eine Luftoffensive begonnen und nach eigenen Angaben 50 Ziele der Hamas bombardiert. Auch ein möglicher Einsatz von Bodentruppen wird erwogen; er steht aber noch nicht unmittelbar bevor. „Alle Optionen liegen auf dem Tisch“, sagte ein Armeesprecher am Dienstag, das Militär dürfe mehr Reservisten einziehen. Nach Presseberichten handelt es sich dabei um mehrere tausend Mann. Gleichwohl ist die Zahl der bislang mobilisierten Reservisten noch immer sehr gering im Vergleich zur letzten Bodenoffensive im Gazastreifen im November 2012.

          Nach palästinensischen Angaben wurden durch die Bombardierung des Gazastreifens in der Nacht zum Dienstag 17 Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer. Berichte über Todesopfer gab es zunächst nicht. Viele Gebäude waren vor den Angriffen offensichtlich evakuiert worden.

          Militante Palästinenser setzten auch am Dienstagvormittag ihren Beschuss fort. Bis Mittag wurden auf den Süden Israels mehr als ein halbes Dutzend Raketen abgefeuert. Nach Angaben der Streitkräfte waren es im ganzen Monat Juni gut 200 Raketen gewesen. Dabei wurden zwei Israelis verletzt. Die Behörden forderten Bewohner nahe der Grenze zum Gazastreifen auf, sich in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten.

          Von den Angriffen war indirekt auch das Kreuzfahrtschiff „Aida Diva“ betroffen, das am Montagabend aus dem israelischen Hafen Aschdod auslief. Nach Angaben der Reederei landeten auf dem Deck kleine Partikel, die von Abwehrraketen stammen könnten.

          Nach dem Vorfall änderte das Auswärtige Amt in Berlin seine Sicherheitshinweise für Israel. Innerhalb eines Radius von 40 Kilometern um den Gazastreifen werde von nicht notwendigen Aufenthalten abgeraten, teilte das Ministerium am Dienstag auf seiner Website mit. Reisende sollten sich über Schutzräume und das Verhalten bei Raketenangriffen informieren.

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