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Gaza-Konflikt : Israel droht ein Dreifrontenkrieg

Schon in den vergangenen Wochen hat die Hamas versucht, das israelische Abwehrsystem mit Raktensalven zu überfordern Bild: AFP

Der Beschuss Israels aus Syrien und dem Libanon zeigt eine Gefahr, die dem Land in Zukunft drohen könnte: Die Hamas im Gazastreifen könnte sich mit der Hizbullah im Libanon und Islamisten in Syrien verbünden.

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          Es war nur sieben Raketen. Doch dieses Mal gingen sie im Norden Israels nieder. Fünf Geschosse wurden in der Nacht zum Sonntag von der syrischen Seite der Golanhöhen abgefeuert, zwei aus dem Südlibanon. In Israel wurden nur eine Stromleitung und ein Haus in Galiläa beschädigt. Aber der Beschuss illustrierte eine Gefahr, die in künftigen Konflikten wachsen könnte: Israel droht ein Dreifrontenkrieg, sollten sich eines Tages die schiitische Hizbullah-Miliz im Libanon, bewaffnete Islamisten auf den Golan-Höhen und die Hamas mit ihren Verbündeten in Gaza zusammentun.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In der Nacht zum Sonntag wurde Israel nicht zum ersten Mal von mehreren Seiten angegriffen. Seit der jüngste Gaza-Krieg am 8. Juli begann, gab es vereinzelt immer wieder Angriffe an den Nordgrenzen. Im Südlibanon wurden kleinere palästinensische Terrorgruppen bezichtigt, während sich die schiitische Hizbullah-Miliz begnügte sich im Gaza-Konflikt mit rhetorischer Unterstützung für Hamas und Islamischen Dschihad. Die Miliz kann sich derzeit keine zusätzliche Front leisten. Ihre Kämpfer unterstützen im syrischen Bürgerkrieg den Präsidenten Baschar al Assad und mussten dort schmerzhafte Verluste hinnehmen. Im Irak verlangen die Schiiten angesichts des Vormarsches der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) Beistand.

          Für einen neuen Krieg gegen Israel wäre die Hizbullah gut gerüstet. Nach Schätzungen israelischer Geheimdienste verfügt die Miliz über mehr als 60.000 Raketen. Sie sind angeblich wesentlich präziser, als die Geschosse, die aus Gaza abgefeuert werden. Einige sollen mit der Hilfe des GPS-Navigationssystems ihr Ziel finden. Im jüngsten Krieg hat sich das israelische Abwehrsystem „Eiserne Kuppel“ bewährt. Doch könnten die Feinde Israels versuchen, die Abwehr durch eine große Anzahl gleichzeitig abgefeuerter Raketen zu überfordern; das hatte die Hamas mit Raketensalven in den vergangenen Wochen mehrfach vergeblich probiert. In Israel befürchtet man zudem, dass die Hizbullah damit begonnen haben könnte, Tunnel unter der Grenze zu Israel zu graben, wie es die Hamas in Gaza tat.

          Die Golanhöhen sind gut zu verteidigen

          In israelischen Sicherheitskreisen ist man seit einiger Zeit besorgt, dass die Hizbullah auch auf der syrischen Seite der Golanhöhen aktiv wird. Von dort aus wurden allein seit Jahresbeginn rund ein halbes Dutzend Mal israelische Armeepatrouillen und -posten angegriffen. Im Juni war ein israelischer Junge ums Leben gekommen, als das Auto seines Vaters auf dem von Israel annektierten Teil der Golanhöhen gezielt aus Syrien beschossen worden war. Dabei wurde offenbar eine Rakete vom Typ „Cornet“ eingesetzt, wie sie auch die Hizbullah im Libanon-Krieg im Sommer 2006 gegen Israel verwendet hatte.

          Wie bei ähnlichen Vorfällen in der Vergangenheit beschoss die israelische Armee daraufhin syrische Militärstellungen; es soll mehrere Tote gegeben haben. Damit macht Israel gewöhnlich deutlich, dass sie die Regierung in Damaskus für alles verantwortlich macht, was auf syrischem Gebiete vor sich geht. Zugleich hat die Armee aber auch den Grenzzaun technologisch aufgerüstet und die Truppen verstärkt. Die gut 60 Kilometer lange frühere Waffenstillstandslinie lässt sich leichter verteidigen, als zum Beispiel die ägyptische Grenze auf der unwegsamen Sinai-Halbinsel. Die israelischen Soldaten können von mehreren Anhöhen aus die syrische Seite des Höhenplateaus gut überblicken und im Visier behalten.

          Das ist wichtiger geworden, weil Assads Truppen schon vor einiger Zeit die Kontrolle über die Golanhöhen und die benachbarten Gebieten entglitten ist. Nach israelischen Erkenntnissen hat dort vor allem die islamistische Al-Nusra-Front Fuß gefasst und nicht die Terrorgruppe Isis und ihre Nachfolgeorganisation IS. Nach Ansicht des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu kämpft Israel jedoch längst an einer einzigen Front, was nun auch westliche Regierungen begriffen. „Hamas ist der Islamische Staat und der Islamische Staat ist Hamas. Sie verhalten sich auf die gleiche Weise“, sagte er am Sonntag.

          Iran schießt angeblich israelische Drohne ab

          Die iranischen Revolutionsgarden haben derweil nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Isna eine israelische Spionagedrohne abgeschossen. Das Fluggerät sei auf dem Weg in die Sperrzone um die Atomanlage Natans gewesen und von einer Luft-Boden-Rakete abgeschossen worden, hieß es am Sonntag unter Berufung auf eine Erklärung der Revolutionsgarden. Demnach handelte es sich um eine Tarnkappen-Drohne, die vom gegnerischen Radar eigentlich nicht erkannt wird.

          Die israelischen Streitkräfte lehnten eine Stellungnahme ab. Israel und der Westen verdächtigen den Iran schon lange, Atomwaffen zu entwickeln. Die Regierung in Teheran hat dies zurückgewiesen und erklärt, das Nuklearprogramm diene nur friedlichen Zwecken.

          Israel teilte seinerseits mit, den Finanzleiter der Hamas in Gazastreifen gezielt getötet zu haben. Mohammed al-Ghul sei für die Überweisung von Geldern für Terrorzwecke zuständig gewesen. Das Gesundheitsministerium in Gaza bestätigte, dass Al-Ghul bei einem Luftangriff ums Leben kam. Bei einem weiteren Angriff in Dschabalija seien eine Mutter und drei Kinder getötet worden.

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