https://www.faz.net/-gpf-7krkm
 

Gaucks Weihnachtsansprache : Frieden auf Erden?

  • -Aktualisiert am

In seiner Weihnachtsansprache hat Bundespräsident Gauck an das Elend vieler Flüchtlinge erinnert, das wir lindern sollten. Dabei sind wir meist auch nicht in der Lage, die Quellen des Übels zu verstopfen.

          1 Min.

          Bundespräsident Gauck hat den Deutschen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest gewünscht, darüber aber – wie es gute Tradition ist – nicht vergessen, sie auch an das Elend in der Welt zu erinnern, das wir zwar nicht beenden können, aber – im Rahmen unserer Kräfte – lindern sollten. Das gilt für Flüchtlinge, die vor Kriegswirren wie in Syrien oder vor politischer Verfolgung fliehen und Jahre, manchmal Jahrzehnte in Elendslagern außerhalb ihres Heimatlandes zubringen müssen. Gauck, der Politiker, der Pastor war, weiß (und sagt es), „dass wir nicht jeden, der kommt, in unserem Land aufnehmen können“. Wir sind meist auch nicht in der Lage, die Quellen des Übels zu verstopfen, die Kriege, das Morden, den Terror und die Vertreibungen zu verhindern.

          Es sind ja nicht Hartherzigkeit oder Wegschauen, die es verhindert hätten, dass westliche Mächte beispielsweise in Syrien intervenieren. Es sind Erfahrungen, die anderswo gemacht wurden – im Irak, in Afghanistan oder in Libyen –, die zu der Einsicht führen, dass von außen kein Frieden gestiftet werden kann, wo die inneren Voraussetzungen dafür nicht vorhanden sind. Zum Jahresende gibt es neue Beispiele für diese Wahrheit, in Zentralafrika, wo französische Soldaten zusammen mit afrikanischen versuchen, einen Bürgerkrieg einzudämmen, oder im jüngsten Staat der Welt, in Südsudan, der an Stammesrivalitäten zu scheitern scheint, noch bevor er eine Organisationsform gefunden hat.

          Zu leicht macht es sich, wer das mit den Nachwirkungen des Kolonialismus erklärt (obwohl es diese gibt) oder den globalisierten Kapitalismus als Fortsetzung des Imperialismus mit anderen Mitteln denunziert (obwohl es auch diesen Aspekt der Globalisierung als Wettkampf um Rohstoffe oder Absatzmärkte gibt). Wahr ist dagegen, dass in vielen Staaten der Welt die postkolonialen Eliten nicht viel besser sind als die ehemaligen Kolonialherren und dass Revolutionen, die im Namen der Freiheit begonnen wurden, zu neuer Zwangsherrschaft führen. Immer bedarf es aber auch der Bereitschaft von Massen, oft der Ärmsten der Armen, sich dafür einspannen zu lassen. Im Vergleich dazu wirken die Aufwallungen, die in den westlichen Demokratien immer wieder vorkommen, wie Luxusrevolten. Wahr ist: Auch wir leben nicht in der besten aller Welten; für friedliche Festtage sollten wir dennoch dankbar sein.

          Topmeldungen

          Nach den britischen Wahlen : Mehr Blair fürs Volk

          Boris Johnson ist mit voller Wucht gegen die „rote Mauer“ des Labour-Herzlands gefahren und hat große Teile davon zum Einsturz gebracht. Warum fühlt man sich jetzt dennoch an einen früheren Labour-Premier erinnert?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.