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Gauck in der Tschechischen Republik : Auf den Brücken der Verständigung

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Gemeinsam für Europa: Zeman mit seiner Frau und Gauck mit seiner Lebenspartnerin vor der Prager Burg Bild: dpa

Bei seinem Staatsbesuch in Prag erinnert Bundespräsident Gauck an die „dunklen Seiten der Vergangenheit“. Der tschechische Präsident Zeman zeigt sich EU-euphorisch - für historische Selbstkritik gibt ihm Gauck noch Zeit.

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          Als Joachim Gauck im Oktober 2012 Prag seinen Antrittsbesuch als Bundespräsident abstattete, war noch Václav Klaus der Gastgeber. Dem deutsch-tschechischen Komment entsprechend hoben beide Präsidenten damals hervor, dass die gegenseitigen Beziehungen noch nie in der Geschichte so gut gewesen seien. Seither hat sich der Wind gedreht. Der neue Burgherr Miloš Zeman ließ die unter seinem Vorgänger verpönte EU-Fahne flattern, als Gauck am Montag zu seinem zweiten Besuch eintraf, dem protokollarisch ersten Staatsbesuch eines deutschen Bundespräsidenten seit der Gründung der Tschechischen Republik.

          Zufrieden konnte der deutsche Bundespräsident feststellen, dass Zeman so durch und durch EU-euphorisch ist, wie man es sich in Berlin und Brüssel von einem neuen tschechischen Präsidenten erhofft hatte. Es gebe nicht nur überhaupt keine Probleme in den deutsch-tschechischen Beziehungen, versicherte Miloš Zeman seinem Gast, die Änderung der Haltung der Tschechischen Republik zur EU habe vielmehr ein neues Feld der Zusammenarbeit eröffnet. Wenn Deutschland der Motor der europäischen Integration sei, wolle sein Land das zu ihm passende „Getriebe“ sein. Dazu müssten die Tschechen jedoch den Euro übernehmen und Verantwortung für die gemeinsame Wirtschaftspolitik Europas tragen. Die Tschechische Republik müsse aufhören, der EU Schwierigkeiten zu bereiten. „Sie haben uns alle glücklich gemacht, mit Ihrem Bekenntnis zu Europa“, antwortete Gauck. Diese Haltung sei nicht nur ein Signal für die tschechische Bevölkerung, sondern für alle in Europa, die an der Idee der europäischen Integration zweifelten.

          Gauck wies darauf hin, dass sein Staatsbesuch auf einen tschechischen Gedenktag falle, denn am 5. Mai 1945 begann der Prager Aufstand. Damals hätten sich „Bürger in Prag erhoben gegen die nationalsozialistische Fremd- und Willkürherrschaft“, sagte der Bundespräsident. Er wolle den „dunklen Seiten der Vergangenheit“ nicht ausweichen und am Dienstag mit seinem Gastgeber das ehemalige Konzentrationslager Theresienstadt besuchen. Deutsche und Tschechen könnten heute „offen und herzlich miteinander umgehen“, weil es nun „Brücken der Verständigung“ gebe. Dies halte er nicht für selbstverständlich. Gauck sagte, er werde am Mittwoch mit tschechischen Intellektuellen zusammentreffen, die „einen speziellen Zugang zu diesem belasteten Teil der deutsch-tschechischen Beziehungen gewählt haben“. Wie in Polen bedürfe es auch in der Tschechischen Republik „einer gewissen Zeit, um selbstkritische Töne anzuschlagen“.

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