https://www.faz.net/-gpf-6zn4r

Gauck in den Niederlanden : „Wir feiern gemeinsam die Befreiung vom nationalsozialistischen Joch“

  • Aktualisiert am

Joachim Gauck in der Grote Kerk von Breda Bild: Reuters

Es ist die bisher wichtigste Auslandsreise des Bundespräsidenten. Joachim Gauck spricht in den Niederlanden zum Jahrestag der Befreiung von der Naziherrschaft.

          2 Min.

          Bundespräsident Joachim Gauck hat den Freiheitswillen der Niederländer gegen Nazi-Deutschland gewürdigt. Als erster Deutscher feierte er in den Niederlanden den „Tag der Befreiung“ von der Nazi-Herrschaft. Gauck erinnerte bei einem Festakt in der Stadt Breda an mehr als 100.000 niederländische Juden, die der Ausrottungspolitik Hitlerdeutschlands zum Opfer fielen.

          „Gerade weil wir Deutsche uns der Last und der Schuld der Geschichte gestellt haben, gilt für uns, gilt auch für mich: Wir feiern gemeinsam mit allen die Befreiung vom nationalsozialistischen Joch“, sagte Gauck. Das Komitee für die Befreiung der Niederlande würdigte den Auftritt des Bundespräsidenten als Ereignis von „historischer Bedeutung“.

          „Von historischer Bedeutung“

          „Vor ihnen steht ein dankbarer Mann“ - mit diesen Worten begann Gauck seine Rede vor mehreren hundert Ehrengästen in der Grote Kerk (Großen Kirche) von Breda. Der Bundespräsident sprach auch als erstes ausländisches Staatsoberhaupt überhaupt bei den Feiern zum Jahrestag der Befreiung von der deutschen Besatzung 1945. Gauck gedachte der Widerstandskämpfer und Hunderttausender Niederländer, die zum Arbeitseinsatz nach Deutschland deportiert worden waren.

          Niederlande : Gauck feiert „Tag der Befreiung“

          Gauck würdigte, dass nun seit Jahrzehnten beide Länder gemeinsam am Projekt der Einheit Europas arbeiten. Grundlage dafür sei das Bekenntnis zu gemeinsamen Werten. „Durch dieses Ja zur Freiheit sind wir tiefer verbunden als durch die Verträge, die uns binden.“

          Die Chefin des Organisationskomitees für den „Befreiungstag“, Joan Leemhuis-Stout, begrüßte es, dass Gauck in seiner Rede Freiheit und Verantwortung in den Mittelpunkt stellte. „Das Komitee ist sich bewusst, dass diese Rede zum 5. Mai von historischer Bedeutung ist“, sagte sie.

          Die Einladung zum Festakt in Breda war ursprünglich an Gaucks Vorgänger Christian Wulff gegangen. Bereits am Tag der Wahl Gaucks am 18. März wurde sie für ihn persönlich erneuert.

          Gauck würdigte in seiner Ansprache auch den Kampf für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit in Nordafrika und im Nahen Osten. An die Adresse der westlichen Länder gerichtet warnte er aber auch vor einer egoistischen Interpretation des Freiheitsbegriffs. Freiheit dürfe nicht als politische oder ethische Beliebigkeit missverstanden werden. „Bei diesem Freiheitsverständnis fehlt, was besonders viele junge Menschen auf die Straße treibt - Verantwortlichkeit, Verlässlichkeit, auch Gemeinsinn und Solidarität.“

          Ministerpräsident Rutte entzündet das Freiheitsfeuer in Breda
          Ministerpräsident Rutte entzündet das Freiheitsfeuer in Breda : Bild: Reuters

          Vor dem Besuch gab es auch Kritik an der Einladung für Gauck zum „Befreiungstag“. Dabei geht es unter anderem um die Forderung nach Auslieferung des früheren Waffen-SS-Mannes und mutmaßlichen Kriegsverbrechers Klaas Carel Faber. Er wurde in den Niederlanden zunächst zum Tode und dann zu lebenslanger Haft verurteilt. Die deutsche Justiz verweigert aber die Auslieferung des inzwischen 90-Jährigen.

          Gauck begrüßte, dass die deutsche Justiz eine neue Überprüfung des Falles zugesichert habe. „Wir haben kein Interesse daran, Verbrecher zu schützen“, sagte er in Breda. Die Rechtsordnung müsse aber respektiert werden.

          Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt wurden bei den Feierlichkeiten von Kronprinz Willem-Alexander und vom geschäftsführenden Ministerpräsidenten Mark Rutte begleitet. Am Abend erwartete Königin Beatrix in Amsterdam Gauck und Frau Schadt zu einem Konzert am Ufer der Amstel und einer gemeinsamen Bootsfahrt.

          Weitere Themen

          Impfen für den Pubbesuch

          Corona in Irland : Impfen für den Pubbesuch

          Die Iren haben die höchste Impfquote der EU. Widerstand gegen die Impfungen gibt es kaum. Liegt das an ihrer Liebe zum Feiern? Ein Ortsbesuch in Dublin.

          Topmeldungen

          Polizisten am Frankfurter Mainufer.

          Was zu tun ist : Den Bürger nicht allein lassen

          Der Rechtsstaat sollte konsequent sein: ohne Sicherheit keine Freiheit. Das gilt auch bei der Einwanderungspolitik – die lange von naiven Vorstellungen geleitet wurde.

          Zukunft der Schule : „Wir sind total festgefahren“

          Dario Schramm ist die Stimme der Schüler in Deutschland. Ein Gespräch darüber, wo es an deutschen Schulen hakt und warum soziale Kompetenzen im Unterricht wieder mehr im Vordergrund stehen sollten.
          Besucher in der Temple Bar in Dublin im Juli

          Corona in Irland : Impfen für den Pubbesuch

          Die Iren haben die höchste Impfquote der EU. Widerstand gegen die Impfungen gibt es kaum. Liegt das an ihrer Liebe zum Feiern? Ein Ortsbesuch in Dublin.
          Sitzung des UN-Sicherheitsrats am 16. August 2021

          EU-Sitz im Sicherheitsrat : Ein Vorstoß in der „Logik Macrons“?

          Ungewöhnlich schnell dementiert Paris die Meldung, Frankreich sei bereit, seinen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu teilen. Einzelne glauben jedoch, die Änderung würde zum Präsidenten passen. Auch in Berlin gibt es Sympathien für die Idee

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.