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Indien und Deutschland : Höchste Zeit für eine engere Partnerschaft

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird sich mit ihrer neuen Regierung in ihrer vierten Amtszeit zahlreichen Problemen stellen müssen, die durch Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Koalition noch einmal schwieriger zu lösen sein werden. Der neue Außenminister Heiko Maas (SPD), ehemals Justizminister, wird als äußerst geradlinig und werteorientiert angesehen. Er dürfte eine aktivere Rolle in der Europäischen Union spielen und die Beziehungen zu Paris weiter stärken. Es wird interessant sein zu verfolgen wie. Maas plant auch, sich mit populistischen Anführern zu befassen, die wichtige Hauptstädte wie Ankara, Budapest, Washington, Moskau und in gewissem Maße Neu-Delhi führen. Die transatlantischen Beziehungen mit den Vereinigten Staaten haben gelitten, und während Deutschland aus dem Schatten seines Nato-Partners über den großen Teich hinausgetreten ist, bleibt unklar, wie weit Berlin gegen seinen langjährigen Verbündeten in strittigen Punkten Position beziehen – und halten wird.

Die Autorin, Ambika Vishwanath, ist Non-Resident Fellow des Münchner Agora Strategy Institute, einer Denkfabrik für geopolitische Risikoanalysen. Sie lebt in Mumbai.

Die neue Regierung kann die wachsenden Herausforderungen nicht ignorieren, die sich aus den Unsicherheiten in der gegenwärtigen globalen Ordnung und der Forderung nach einer größeren Rolle Deutschlands ergeben. Auch Indien, obwohl traditionell ein widerspenstiger Akteur auf der internationalen Bühne, sieht die „alte Weltordnung“ bröckeln und versucht nun, eine aktivere Rolle bei der Gestaltung der Kräfte im geopolitischen Raum zu spielen. Die Ungewissheiten, die sich aus dem wachsenden chinesischen Einfluss, dem Klimawandel und dem sich wandelnden Gesicht des Terrorismus ergeben, sind einige der aktuellen globalen Störungen, die in Delhi intensiv verfolgt werden; Sorgen, die auch Berlin bewegen.

Die Bundesregierung hat 2012 mit dem Strategiepapier „Globalisierung gestalten - Partnerschaften ausbauen - Verantwortung teilen“ eine neue Vision für die deutsche Außenpolitik und die Notwendigkeit der Kooperation mit neuen Akteuren wie Indien mit steigendem wirtschaftlichen Gewicht und regionalem Einfluss beschrieben. Deutschland erkennt die Rolle der Schwellenländer bei der Gestaltung einer sich rasch verändernden Weltordnung an. Mit der wachsenden Übereinstimmung zwischen Berlin und Delhi in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik, in den demokratischen Institutionen und den offenen Gesellschaften, formuliert das Strategiepapier damit eine Vision, die bis heute gilt. Wenn Indien sein Ziel erreichen will, ein bedeutender wirtschaftlicher und politischer Akteur zu werden, wird es Deutschland auf seiner Seite brauchen. Im Jahr 2008 äußerte der ehemalige Botschafter in Indien, Bernd Mützelburg, die Bereitschaft Deutschlands, Hochtechnologie-Waffen im Rahmen einer „Partnerschaft auf Augenhöhe“ nach Indien zu liefern. Diese Partnerschaft muss über die traditionellen „sicheren“ Bereiche hinausgehen, in denen sie sich befindet, um ihr volles Potential auszuschöpfen. Eine solche politische Verbindung würde vermutlich eine beachtliche Kraft entfalten.

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