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Gabi Burgstaller : Umgefärbt

  • -Aktualisiert am

Gabi Burgstaller (2004) Bild: AP

Nach ihrem großartigen Wahlsieg will Gabi Burgstaller im Salzburger Land einiges verändern: Die erste designierte Regierungschefin der SPÖ will nicht die Amtsbezeichnung Landeshauptmann, sondern "Landeshauptfrau" führen.

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          Daß sie der zeitgeistfrommen Geschlechtsspezifik in deren Anwendung auf die Nomenklatur gehorchen zu müssen glaubt, erweist sich bereits an einer ihrer ersten Ankündigungen nach ihrem großartigen Wahlsieg im Salzburger Land, den sie für ihre Partei errungen hat. Im Gegensatz zu Waltraud Klasnic, ihrer künftigen ÖVP-Kollegin in der Steiermark, will die designierte erste Salzburger Regierungschefin von der SPÖ nicht die Amtsbezeichnung Landeshauptmann, sondern "Landeshauptfrau" führen. Das dürfte nicht nur amtssprachliche Verwirrungen mit sich bringen und landesbehördliche Verwicklungen, sondern auch Auseinandersetzungen mit ihren künftigen Regierungskollegen, über deren Brisanz sich die Juristin und ehemalige Assistentin an den Instituten für Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie für Rechtssoziologie der Universität Salzburg im Überschwang ihres Triumphs nicht im klaren gewesen ist.

          Darüber, daß mit dem Titel Landeshauptfrau sogleich die gar nicht als Verulkung gemeinte "Landesnebenfrau" assoziiert werden dürfte. Auch darüber nicht, daß Anrede und Anschrift "Frau Landeshauptfrau" Stilempfinden und Sprachmelos entgegenstehen. Der zwangsfeminisierte Titel wirft die Frage auf, wie die Funktion ihrer beiden Stellvertreter - voraussichtlich Männer - auf nichtdiskriminierende Weise lauten muß. Ob - nach herkömmlicher amtssprachlicher Diktion - die Landeshauptmannstellvertreter künftig die beiden Herren Landeshauptfraustellvertreter zu sein haben, dürfte Gegenstand einer Absprache sein, wenn sie nicht mit den Grünen, sondern zusammen mit der ÖVP regiert, vielleicht sogar einer des Koalitionsabkommens. So subtil kleinteilig kann der Ansatz für die "neue Landespolitik" sein im ehedem fürsterzbischöflichen Salzburg, einem der kleineren, aber wegen seiner Geschichtsmächtigkeit um so selbstbewußteren österreichischen Bundesländer.

          Dort, am Sitz des "Primas Germaniae", hat Frau Burgstaller eine Umfärbung ungeahnten Ausmaßes herbeigeführt und - mitsamt gleichzeitig zur Landtagswahl stattfindenden Gemeindewahlen - die seit 1945 unangefochten schwarze Domäne tiefrot grundiert und koloriert. Ihrem "Griff nach den Sternen" ging ein steiler Aufstieg voraus. Er führte die am 23. Mai 1963 in Penetzdorf/Niederthalheim bei Schwanenstadt (Oberösterreich) in eine Schar von fünf Geschwistern hineingeborene Tochter rechtschaffener Bauersleut, die seit eh und je ÖVP-Anhänger sind, an die Spitze der SPÖ im Salzburger Land. Die seit kurzem verheiratete Juristin machte sich in der Verbraucherberatung der Arbeiterkammer einen Namen, als sie die Interessen von 25.000 geschädigten Anlegern in einem Bau- und Treuhandskandal wahrnahm. Ohne "Umweg als Hinterbänklerin" begann ihr Einstieg in die Politik 1994 gleich an der Spitze der SPÖ-Landtagsfraktion. Als sie 1999 Landesrätin (Ministerin) wurde, bedeutete dies, daß beim anstehenden Generationenwechsel der verzopften Salzburger SPÖ Salzburg kein Weg an ihr vorbeiführte.

          Mit dem Regierungswechsel in Wien, der die Bundes-SPÖ Anfang 2000 nach dreißig Jahren Kanzlerpartei in die Opposition verbannte, rückte sie in die Riege der Stellvertreter des neuen Parteivorsitzenden Gusenbauer auf. Im Jahr darauf löste sie SPÖ-Landeschef Buchleitner, ihren "Entdecker", ab und übernahm zugleich dessen Amt als Vizeregierungschef - ohne Signal-I in Landeshauptmannstellvertreterin. Da war es für derlei Fortschritt noch zu früh. Aber jetzt soll er Platz greifen.

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