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G-8-Einsatz : Polizei am Ende ihrer Kräfte

  • Aktualisiert am

Verstärkung ist unterwegs Bild: AP

Mit ihrem Großeinsatz zum Schutz des G-8-Gipfels ist die Polizei „am Limit“ angekommen, Verstärkung ist unterwegs. Praktisch ungehindert können Demonstranten zum Zaun gelangen. Zwei Greenpeace-Boote wurden auf der Ostsee abgefangen, als sie in die Schutzzone eindrangen.

          Die Polizei ist nach ihren zahlreichen Einsätzen rund um den G-8-Gipfel in Heiligendamm am Ende ihrer Kräfte. Man sei mit dem Großeinsatz „am Limit“ angekommen, sagte ein Sprecher der Sondereinheit Kavala am Donnerstag in Rostock. Eine in Warnemünde geplante Großveranstaltung habe abgesagt werden müssen, weil sich die Polizei nicht dazu in der Lage sah, sie zu sichern.

          Wie der Sprecher weiter sagte, sind einige Einheiten der 16.000 Polizisten durch frische Kräfte ausgetauscht worden. Das Land Sachsen-Anhalt kündigte an, kurzfristig 230 zusätzliche Beamte zu entsenden.

          Ungehinderter Zugang zum Zaun

          Die Polizei rechnet laut eigenen Angaben mit weiteren Ausschreitungen. Es gebe Hinweise, dass Demonstranten sich mit mit Nägeln gespickten Kartoffeln und Rauchbomben ausgestattet hätten. Der „Block G-8“ habe dazu aufgerufen, dass nun jeder Aktionen machen könne, „wie er will“. Man werde die Strategie der Deeskalation fortsetzen, die sich bewährt habe.

          Erschöpft

          Einen Tag nach dem erfolgreichen Eindringen Tausender Demonstranten in die Sicherheitszone II um den Tagungsort hat die Polizei den Zugang zum Sicherheitszaun praktisch freigegeben. Am Kontrollpunkt Galopprennbahn etwa konnten Demonstranten ungehindert bis an die Sperre vorrücken; nur etwa 50 Polizisten waren zu sehen.

          Wenige hundert Meter entfernt hatten etwa tausend G-8-Gegner die Nacht verbracht. Östlich von Heiligendamm bei Börgerende hatten weitere 500 Demonstranten übernachtet. Sie wurden inzwischen mit Lebensmitteln und mobilen Toiletten versorgt.

          Boote dringen in Schutzzone ein

          Am Donnerstag kam es zu weiteren Protestaktionen am Tagungsort. Schon am Morgen wurden vier Straßen um Heiligendamm blockiert. Drei Schlauchboote der Umweltschutzorganisation Greenpeace drangen auf der Ostsee in das Sperrgebiet vor Heiligendamm ein. Sie wollten laut eigenen Angaben eine Petition übergeben, wurden jedoch von Schnellbooten der Polizei abgedrängt, bevor sie den Strand erreichen konnten. Ein Polizeiboot rammte dabei ein Schlauchboot der Demonstranten, wobei vier Personen über Bord gingen.

          Das globalisierungskritische Bündnis Attac zeigte sich zufrieden über die bisherigen Protestaktionen und will die Blockade von Zufahrtswegen bis zur Abreise der Staats- und Regierungschefs aufrechterhalten. Das sagte Attac-Mitbegründer Peter Wahl am Donnerstag im ZDF. Das Verbot des geplanten Sternmarsches zum Schutzzaun um Heiligendamm durch das Bundesverfassungsgericht vom Mittwoch werde man respektieren, sagte Wahl. „Wir werden zum Rechtsstaat stehen.“ Die Blockaden würden aber weitergehen.

          Auch ein Sprecher von „Block G-8“, Christoph Kleine, wertete die Blockaden vom Mittwoch als politischen Erfolg. Allerdings sollen die Aktionen nicht endlos ausgedehnt werden: „Wir machen weiter, so lange die Kraft reicht.“ Am Mittwoch war es Demonstranten gelungen, bis zum Zaun vorzudringen. Es war zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Die Polizei hatte Wasserwerfer eingesetzt, um die Blockaden zu räumen.

          „Zivilpolizisten haben Krawalle provoziert“

          Gipfelgegner werfen der Polizei vor, durch den Einsatz von Zivilbeamten Krawalle gezielt provoziert zu haben. Sie berichteten am Donnerstag von einer Gruppe von fünf schwarz gekleideten Männern in Kapuzenpullovern, die ihnen auffällig erschien. Als man sie zur Rede stellen wollte, seien vier von ihnen geflüchtet, einer sei durch die Polizeikette verschwunden. Ein anderer, der am Mittwoch Blockierer zu Straftaten habe anstacheln wollen, sei von Demonstranten aus Bremen als Bremer Polizist identifiziert worden, sagte ein Sprecher der Gruppe „Block G-8“. Man werde Fotos von dem Mann veröffentlichen, falls die Polizei den Vorfall nicht bestätige. Die Polizei wollte sich auf Nachfrage nicht zu den Vorwürfen äußern.

          Unterdessen berichtete die Deutsche Presse-Agentur, dass amerikanische Sicherheitskräfte die Kontrollen rund um den G-8-Gipfel verdeckt getestet haben. Man habe versucht, in einem Koffer versteckten Plastiksprengstoff durch eine Polizeikontrolle zu schmuggeln. Das Vorhaben sei aber von deutschen Polizisten entdeckt und vereitelt worden, obwohl es sich um eine „sehr kleine Menge“ gehandelt habe. Die Kavala wollte den Vorfall vom Dienstag auf Anfrage nicht bestätigen.

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