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G-8-Gipfel : Tiefstapeln, Willen zeigen, überraschen

  • -Aktualisiert am

Gruppenbild im Strandkorb: die Staatslenker in Heiligendamm Bild: dpa

Einzelgespräche vorab, Wetterfühligkeit und Detailplanung bis ins Konzertprogramm: Wie der G-8-Gipfel zur persönlichen Erfolgsveranstaltung Bundeskanzlerin Merkels wurde.

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          Sie wollten eigentlich draußen speisen, doch sie dürfen nicht. Die Terrasse der Burg Hohenzollern ist eingedeckt, alles in Weiß wie die Gebäude ringsum. Nur zwei Rosengestecke stehen auf der Tafel. Roséfarben, passend zu den Schindeln der Dächer des Seebads Heiligendamm, des ältesten und teuersten in Deutschland.

          Aber die Bundeskanzlerin und ihr Mittagsgast bleiben fern, ihre Gläser leer. Zu kalt, befindet Angela Merkel. Es muss doch warm sein, ohne düstere Wolken und kühle Brisen gerade zum Auftaktgespräch mit ihm, mit George Bush. Das Mittagessen wird deshalb drinnen serviert, wo sie dieser Tage wohnt. Es geht um viel: das Gelingen des Gipfeltreffens der acht wichtigsten Staatslenker der Welt. Frau Merkel geht es um noch mehr - um ihren Erfolg.

          Alles schön der Reihe nach

          „Fast hundertprozentig“, flüstert sie Bush nach ihrer ersten gemeinsamen Erklärung draußen vor der Presse zu, „almost one hundred percent“ zufrieden sei sie mit dem Verkündeten. „Nur?“, scherzt der amerikanische Präsident zurück und zwinkert. Er zwinkert viel dieser Tage, als wolle er zeigen: Ich bin nicht der harte Hund, für den ihr mich haltet. Klimaschutz, Raketenabwehr - Washington sucht eigene Wege. Auch bei den Hedge-Fonds lehnt Amerika Kontrolle durch andere weitgehend ab. Bush blockiert, das fürchten nicht nur die abertausend Blockierer weit vor dem langen Zaun.

          Demonstranten bei Redderich und Bad Doveran auf dem Weg zum Zaun
          Demonstranten bei Redderich und Bad Doveran auf dem Weg zum Zaun : Bild: Kai Nedden

          Selbst sieben der G-8-Teilnehmer haben an diesem Mittwochmittag noch solche Befürchtungen. Der Bundeskanzlerin ist die Sorge als Erste genommen. Doch sie will ihr Glück noch nicht zeigen - gleich am ersten Tag des dreitägigen Gipfels. Große Erfolge inszenieren Profis wie sie so niedrige Erwartung schüren, dann Kampfesmut wie steigende Hoffnung zeigen und zum Schluss mit Durchbrüchen überraschen. Aber alles schön der Reihe nach.

          Bush als Vorreiter bei der Hilfe für Afrika

          Anderthalb Stunden hat Frau Merkel mit Bush alle Themen dieses 33. G-8-Gipfels besprochen, besonders die zwei populären, die ihr am Herzen liegen: das Klima und Afrika. Bei beiden waren sich die Hausherrin und der Weltherr bei Kalb zu Spargel erstaunlich geschwind einig, obgleich es „gar nicht einfach gewesen“ sein soll.

          Er kam ihr beim Klima entgegen, sie folgte ihm bei der Hilfe für Afrika. Denn das ist es, was Bush als Erfolg der Welt verkünden will. Hier möchte er als Vorreiter gelten, was er tatsächlich ist: 15 Milliarden Dollar hat der amerikanische Kongress schon 2004 bewilligt für den Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria, all jene Seuchen, die den ohnehin ärmsten Kontinent noch weiter schwächen.

          Die Summe für Afrika verdoppeln

          Bush will die Summe von 2009 an verdoppeln und verlangt von den G-8-Kollegen ebenfalls mehr Geld. Die deutsche Regierung stimmte in seine Forderungen ein. Andere jedoch wollen nicht so recht wegen ihrer klammen Haushalte daheim. Besonders Ministerpräsident Romano Prodi aus Italien hat Bedenken, Premierminister Stephen Harper aus Kanada ebenso.

          Das Elend Afrikas scheint auch nicht die brennendste Sorge des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu sein. Frau Merkel verspricht Bush, zu vermitteln. Prodi wartet schon brav, eine Aktenmappe unterm Arm, mit seiner Entourage auf dem Kiesweg vor ihrer Tür. Neben ihm auf dem Rasen wirft der Zeiger einer Sonnenuhr den Schatten weit hinter die Zwei.

          Merkels Ziel: Mit einer Stimme sprechen

          Drinnen lässt Bush die Sonne scheinen. Für diesen Moment hat die Kanzlerin tagelang gekämpft, gefeilscht und so die anderen Teilnehmer des Gipfels in Vorgesprächen auf ihr Ziel hin geeicht. Das ist ein Dreifaches: Der Anstieg der Temperatur darf nicht zwei Grad übersteigen, weil mehr Erwärmung das Ökosystem der Erde nach den wissenschaftlichen Prognosen nicht aushält. Bis 2050 solle der Ausstoß von Kohlendioxid auf der Erde gegenüber 1990 um fünfzig Prozent reduziert werden.

          Das Frau Merkel wichtigste Ziel ist jedoch: Die Welt muss hier mit einer Stimme sprechen. Am Samstag telefonierte sie deshalb mit Englands Premierminister Tony Blair, am Montag empfing sie dazu in Berlin ihren Kollegen Harper aus Kanada, und am Dienstag folgte Japans Regierungschef Shinzo Abe. Sie hatte Putin schon vor Wochen in Samara auf ihre Seite gebracht. Was immer zum Klima beschlossen wird, so der feste Wille Frau Merkels, muss im Rahmen der Vereinten Nationen geschehen.

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