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G-8-Gipfel einigt sich auf Klimaschutzziele : „Zwei Grad Celsius“ als Minimalkonsens

  • -Aktualisiert am

Wirtschaftskrise und Klimaschutz: Die Staats- und Regierungschefs müssen Position beziehen Bild: AP

Im Ringen um den Klimaschutz haben sich die G8-Staaten auf ihrem Gipfel im italienischen L'Aquila darauf verständigt, dass die Erderwärmung grundsätzlich um nicht mehr als zwei Grad zunehmen darf. Die Marke soll in den abschließenden Entwurf zu dem Gipfel aufgenommen werden.

          Industrie- und Schwellenländer haben sich auf dem Weltwirtschaftsgipfel im italienischen L'Aquila auf ein gemeinsames Ziel zum Schutz des Weltklimas geeinigt. Erstmals verständigen sich beide Staatengruppen, die für den allergrößten Teil der Kohlendioxidemissionen verantwortlich sind, darauf, dass die Erderwärmung bis zum Ende dieses Jahrhunderts um nicht mehr als zwei Grad, gemessen an der vorindustriellen Zeit, ansteigen soll.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Das soll an diesem Donnerstag auch formell beschlossen werden. Teilnehmer beschrieben dies als einen wichtigen Fortschritt auf dem Weg zu einem Weltklimaabkommen, das die Staatengemeinschaft im Dezember in Kopenhagen beschließen will. Allerdings sind die Schwellenländer noch nicht bereit, konkrete Minderungsziele zu akzeptieren.

          In ihrer Erklärung zur Lage der Weltwirtschaft zeigten sich die Staats- und Regierungschefs der G8 zum Auftakt des Gipfels am Mittwoch zuversichtlich, das die weltweite Wirtschaft- und Finanzkrise bald überwundern werden könne. Zugleich warnten sie vor einer neuen Welle des Protektionismus und kündigten neue Anstrengungen an, die ins Stocken geratene Verhandlungen über Erleichterungen für den Welthandel im nächsten Jahr zu Ende zu bringen. Wege aus der Finanzkrise sollen auf der Ende September im amerikanischen Pittsburgh angesetzten G-20-Konferenz beschrieben werden, darüber wurde in L'Aqulia lediglich beraten.

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          Zur Verbesserung des Weltklimas kündigte die Gruppe der acht führenden Wirtschaftsnationen - Amerika, Kanada, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Russland und Italien - weitere konkrete Aktivitäten an. So wollen sie den weltweiten Ausstoß von Kohlendioxid bis zum Jahre 2050 halbieren. Um das zu erreichen, sollen die Emissionen der Industriestaaten um „mindestens 80 Prozent“ reduziert werden. Der Wert könnte auch höher ausfallen, je nachdem welches Basisjahr für die Rechnung angelegt wird, denn nicht alle Länder akzeptieren das im Kyoto-Klimaabkommen genannte Basisjahr 1990. Schwellen- und Industriestaaten haben sich zudem darauf verständig, den jährlichen Anstieg der Emissionen möglichst schnell zu unterbrechen, um den Anteil des Klimagases in der Erdhülle möglichst bald nicht weiter ansteigen zu lassen.

          „Bedeutsame Veränderungen“

          Die Schwellenländer waren allerdings noch nicht bereit, sich auf konkrete Abbauziele festlegen zu blassen. Im Gespräch sind hier 15 bis 30 Prozent. Die G8 appellierten an die Entwicklungsländer, ihre Anstrengungen für die Minderung des Kohlendioxidausstoßes zu vergrößern. Die Schwellenländer sicherten ihrerseits zu, „bedeutsame Veränderungen“ gegenüber der bisherigen Entwicklung beim Ausstoß des Klimagases vorzunehmen. Sie knüpfen Zusagen hier auch an weitere finanzielle Hilfen aus den Industriestaaten. In dem Dokument wird ferner darauf hingewiesen, dass die Schwellenländer erheblichen Nachholbedarf beim Wirtschaftwachstum hätten, das es zu berücksichtigen gelte, weil sie die Armut in ihren Staaten bekämpfen müssten. Fachleute erwarten, dass eine Einigung auf konkrete Abbauziele auch der Schwellenländer wie China und Indien, frühestens auf der Kopenhagener Klimakonferenz Ende des Jahres möglich sein wird.

          Mit dem Blick auf die Lage in Afrika, die auf den Weltwirtschaftsgipfeln traditionell eine große Rolle spielt, kündigten die G8 die bisher gewärhte Hilfe einer Revision zu unterziehen und die einzelnen Programme vergleichbar und transparent zu machen. Damit reagieren sie auf die Kritik vieler Nichtregierungsorganisationen, die Industriestaaten hielten sich nicht an ihre Versprechungen. Deutschland, so hieß es aus Delegationskreisen, sei inzwischen der zweitgrößte Geber von Entwicklungshilfe in der Welt, nach Amerika. Für das auf dem Gipfel in Heiligendamm 2007 vereinbarte Ziel, 60 Milliarden Dollar zusätzlich für Gesundheit und Seuchenbekämpfung in Afrika ausgeben zu wollen setzten sich die G8 in Italien nun ein Ziel: Das Geld soll bis 2012 ausgegeben sein. Um den Hunger in Afrika zu bekämpfen, soll die Förderung umgestellt werden, weg von Nahrungsmittellieferungen, hin zu Aufbauhilfen für die lokale Landwirtschaft. Auch das wird eines der Themen auf dem für den morgigen Freitag angesetzten Beratungen der G8 mit Staats- und Regierungschefs aus Afrika sein.

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