https://www.faz.net/-gpf-8490k

Proteste gegen G 7 : „Das war ein ganz nettes Miteinander“

  • -Aktualisiert am

Die Demonstranten in Garmisch-Partenkirchen packen ein - sogar ihren Müll. Bild: Reuters

Ihre Abschlusskundgebung haben die Gipfelgegner in Garmisch-Partenkirchen abgesagt. Hoteldirektor Martin Ortlieb ist froh, dass wieder Ruhe im Dorf einkehrt - obwohl er auch hofft, dass der ein oder andere Demonstrant zurückkehrt.

          1 Min.

          Herr Ortlieb, nur noch ein paar Stunden, dann ist der ganze Gipfelzirkus wieder weg aus Garmisch. Sind Sie traurig oder machen Sie drei Kreuze?

          Oliver Georgi
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

          Ich bin schon froh, dass ab morgen endlich wieder Ruhe hier einkehrt. Der ganze Trubel, die monatelangen Vorbereitungen, das hat die Menschen in Garmisch schon manchmal ziemlich genervt. Aber ich bin auch begeistert, dass es beim Gipfel so friedlich geblieben ist. Das war ein ganz nettes Miteinander, auch zwischen den Demonstranten und der Polizei. Ich finde, der Gipfel bei uns in Garmisch war toll. So ein Ereignis wird es hier nie wieder geben.

          Ihr Hotel liegt gegenüber des Garmischer Bahnhofs, direkt neben der zentralen Kundgebungsstelle der Demonstranten. Gab es einen Moment, an dem Sie ein flaues Gefühl im Bauch hatten?

          Martin Ortlieb, 47, ist geschäftsführender Direktor des Hotels „Vier Jahreszeiten“ in Garmisch-Partenkirchen.
          Martin Ortlieb, 47, ist geschäftsführender Direktor des Hotels „Vier Jahreszeiten“ in Garmisch-Partenkirchen. : Bild: Oliver Georgi

          Nein, überhaupt nicht. Die Stimmung war ja total entspannt, auch bei den Demonstranten, die direkt vor dem Hotel ihre Dauerkundgebung gemacht haben. Stellen Sie sich vor: Wenn die abends fertig waren, haben die sogar ihren Müll eingesammelt! Da lag am Ende kein Schnipsel Papier mehr rum, keine Plastiktüten - das hat mich total beeindruckt.

          Viele sprechen jetzt darüber, dass der Aufwand mit den zehntausenden Polizisten angesichts der zahmen Proteste übertrieben gewesen sei - finden Sie das auch?

          Dass so viele Polizisten hier waren, war schon gut so, das hat uns hier ein großes Gefühl von Sicherheit vermittelt. Denn viele meiner Kollegen, andere Hoteliers, hatten ja schon Angst vor Randalen, manche haben ihre Scheiben vernagelt. Dass dann doch viel weniger Demonstranten kamen als erwartet, dafür kann die Polizei ja nichts. Und stellen Sie sich mal vor, wenn es umgekehrt gewesen wäre: 5000 Polizisten, aber 20.000 Demonstranten. Da hätte es doch einen großen Aufschrei der Empörung gegeben.

          Und was haben Garmisch und die Region ab morgen noch vom Gipfel?

          Wir erhoffen uns schon, dass jetzt noch ein paar Touristen mehr kommen - vor dem Gipfel waren ja kaum welche hier, weil sie unsicher waren, ob man hier überhaupt noch ein Zimmer bekommt. Aber wenn man jetzt die Bilder sieht, von Obama in Krün und den friedlichen Demonstrationen vor der Alpenkulisse, dann ist das einfach ein Traum. Besser hätte es für uns doch gar nicht laufen können. Ein Gipfelgegner ist zu mir gekommen und hat gesagt: Ich gehe schon seit 30 Jahren auf die Straße - aber so schön habe ich noch nie demonstriert. Bald mache ich mal Urlaub bei Ihnen.

          Demonstration : Hunderte G-7-Gegner protestieren vor Schloss Elmau

          Weitere Themen

          Das Tagebuch des Jonas Rutsch

          Tour de France : Das Tagebuch des Jonas Rutsch

          Debütant Jonas Rutsch ist 23 Jahre alt, stammt aus Erbach und fährt für EF Education-Nippo. An dieser Stelle berichtet er regelmäßig über die Tour de France und seine Erlebnisse dort.

          Topmeldungen

          Traute Runde (von links): Heinz Göldner, Helmut Thümmel, Elisabet Thümmel, Dieter (Dietrich) Kloss, Ursula Pischmann und Brigitta Lehmann-John.

          Serie „Besuch beim Wähler“ (5) : Hart am Wasser

          Die Senioren des Dresdner Kanusportvereins haben ihre Leidenschaft über die Zeitenwende gerettet – über Politik reden sie lieber nicht, denn da fliegen schnell die Fetzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.