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Obama in Krün : Welcome dahoam

Sodann umreißt Obama die Herausforderungen, denen sich die Staats- und Regierungschefs auf Schloss Elmau stellen wollen: die Lage der Weltwirtschaft, die „Aufrechterhaltung“ einer starken und wohlhabenden Europäischen Union, den Aufbau einer neuen Handelspartnerschaft über den Atlantik, die russische Aggression in der Ukraine, die Bekämpfung des gewalttätigen Extremismus und schließlich Fragen der Klimapolitik. Er sei „sehr dankbar für die Partnerschaft und die Führungsstärke eurer Bundeskanzlerin“, sagt er und erntet den Applaus der Krüner.

Merkel hatte zuvor ihrerseits die Vereinigten Staaten trotz mancher Meinungsverschiedenheiten einen „so wesentlichen Partner“ genannt, dass „wir eng kooperieren, weil wir es im gegenseitigen Interesse brauchen, weil wir es wollen und weil wir gemeinsame Werte teilen“.

Die Sache mit dem Jackett

Deutlicher wollte die Kanzlerin nicht werden, deutlicher musste sie auch nicht werden. Vor zwei Jahren hatte Obama vor dem Brandenburger Tor gesprochen, hatte in der brüllenden Mittagshitze sein Jackett ausgezogen und angefügt, unter Freunden könne es ja ein wenig informeller zugehen. Da waren die Enthüllungen Edward Snowdens noch recht frisch und der Höhepunkt der sogenannten NSA-Affäre längst noch nicht erreicht.

Der kam erst im Herbst, wenige Wochen nach der Bundestagswahl, als bekanntwurde, dass auch das Mobiltelefon der Kanzlerin abgehört worden war, was diese wiederum zu der Bemerkung verleitete: Abhören unter Freunden, das gehe gar nicht.

Auch am Sonntag in Krün legt Obama wieder das Jackett ab, wieder ist viel von Freundschaft und Partnerschaft die Rede. Doch zwei Dinge sind neu: Obama lobt Merkels Führungsstärke, was sich nicht nur auf die Euro- und insbesondere die Griechenland-Krise bezieht, sondern auch auf den Russland-Ukraine-Konflikt.

Let's talk about the wirklichen Probleme

Und Merkel spricht von Kooperation, welche Deutschland brauche und wolle – das bezieht sich auch auf die Zusammenarbeit der Nachrichtendienste. Und sie erwähnt die gemeinsamen Werte, womit sie den Blick auf denjenigen lenkt, der an diesem Tag auf Schloss Elmau fehlen wird: Wladimir Putin.

Die Botschaft der beiden ist eindeutig: Seit dem letzten Besuch des Präsidenten in Deutschland hat sich die Welt verändert. Es mag Meinungsverschiedenheiten im transatlantischen Verhältnis geben. Die wirklichen Probleme aber sind andere.

Die wirklichen Probleme sind sodann Thema eines bilaterales Treffens auf Schloss Elmau kurz vor Gipfelbeginn: der Konflikt in der Ostukraine, der derzeit wieder militärisch eskaliert, die Beziehungen zu Russland, Fragen des Nato-Bündnisses sowie natürlich TTIP. Man darf davon ausgehen, dass Obama, der in Krün von der Aufrechterhaltung einer starken EU gesprochen hat, sich nun auch über den Fall Griechenland ins Bild setzen lässt.

Gleicher als die Gleichen

Und man darf ebenfalls davon ausgehen, dass die Frage, wie die Bundesregierung die parlamentarischen Kontrolleure über die Kooperation zwischen NSA und BND informiert, eine ist, die nicht auf der höchsten Regierungsebene ausverhandelt wird.

Der Tag eins in Elmau zeigt auch: Unter den G7 sind manche gleicher als die anderen. Nach der bilateralen Unterredung mit Obama begibt sich die Kanzlerin mit ihrem Gatten vor den Eingang des Schlosses, wo sie ihre Gäste, die auf Golfcarts herangefahren werden, empfängt.

Der Kramer-Alois erzählt nach der Abreise Obamas und Merkels den Journalisten und seinen Bekannten von der Begegnung mit dem amerikanischen Präsidenten, ganz locker und ohne zu prahlen. Dann sagt er, nun sei es Zeit für eine echte Brotzeit und ein echtes Weißbier – mit Alkohol. Der Gipfel kann beginnen.

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