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Obama in Krün : Welcome dahoam

Wiedergutmachung mit Obama

Wen die Kunde nicht erreicht hatte, dass man dazu bis neun Uhr morgens in den gesicherten Bereich kommen musste, der wurde nämlich nicht auf den Platz gelassen. Obama nimmt darauf gewissermaßen Bezug, als er den Krünern für ihre Gastfreundschaft dankt und anfügt, er wisse, es sei stets eine Menge Arbeit für die Einheimischen, wenn er irgendwo hinkomme.

Die Bundesregierung und die Staatsregierung haben sich aber bemüht, die Bürger der Region einzubinden. Steffen Seibert, der Regierungssprecher, der ebenso wie Dobrindt Geburtstag hat, besuchte zur Vorbereitung des Gipfels zwei Bürgerversammlungen in Krün und eine in Garmisch. Das „Event“ auf dem Rathausplatz ist durchaus auch als ein Dankeschön an die Bürger zu verstehen – dafür, dass sie nicht ganz unbelastet vom Gipfel geblieben sind.

Tage wie im Krieg

Nein, das kann man wahrlich nicht sagen. Die Region befindet sich im Belagerungszustand: ausländische Delegationen, Sicherheitspersonal, Medienvertreter und Demonstranten – Zig Tausende Eindringlinge befinden sich an den Orten des Großereignisses. Wohl dem, der sich mit dem Hubschrauber von Ort zu Ort bewegen kann. Dieses Privileg haben nicht nur die Staatsgäste, sondern überraschenderweise auch die Journalisten.

Eure Welt sind die Gipfel: Die Staats-und Regierungschefs posieren für das sogenannte Familienfoto.

Da Demonstranten am frühen Morgen die Route von Garmisch, dem Ort, an dem für die Presseleute in der Eishalle ein Medienzentrum aufgebaut worden ist, nach Krün blockiert haben, müssen sie kurzerhand zum „Event“ geflogen werden. Das Ganze erinnert ein wenig an die Tage, an denen Journalisten für die Berichterstattung über die Kriege in Afghanistan und im Irak „embedded“ wurden, also quasi Teil der Truppe waren.

So wünscht es sich wohl auch Thomas Schwarzenberger, der Bürgermeister von Krün, der die Journalisten vor dem Eintreffen Obamas und Merkels freundlich begrüßt und bemerkt, er würde sich über eine positive Berichterstattung freuen.

Alles was ein Bayer hören will

Man muss das verstehen. Es ist das erste Mal in der Geschichte des 1800-Seelen-Ortes, dass an den Fahnenmasten eine ausländische Flagge vor dem Rathaus weht. Nun hängen hier die „Stars and Stripes“ neben Schwarz-Rot-Gold vor dem bemalten Rathaus: ein Townhall-Meeting der besonderen Art, ein Bilderbuchmotiv für die amerikanischen Abendnachrichten

Obama enttäuscht die Krüner nicht. Alle Schlüsselwörter, die man von einem amerikanischen Präsidenten in Bayern erwartet, fallen an diesem Vormittag: „Grüß Gott“, sagt er und dass er vergessen habe, seine Lederhose mitzubringen; dass er einerseits gehofft habe, seine Freundin Angela würde den Gipfel in den Herbst verlegen, weil er eigentlich auf ein Oktoberfest gesetzt habe; dass es aber andererseits immer einen Anlass gebe für Bier und Weißwurst. Und dass er nie schönere Alphornbläser gehört habe.

Dann wird der Gast aus Amerika politisch, jedenfalls so politisch, wie man in diesem malerischen Kontext werden kann: Er blicke in Dankbarkeit auf die gemeinsame deutsch-amerikanische Geschichte, sagt er in Bezug auf die deutsche Einwanderung nach Deutschland. So viel von Amerika – auch in seiner politischen Heimat Chicago – wäre nicht dasselbe ohne die Beiträge der Deutschen.

Chicago und Krün – untrennbar

Umgekehrt hätten unzählige amerikanische Soldaten und Studenten in Bayern eine große Gastfreundschaft erfahren. Deutschland und Amerika stünden zusammen als „untrennbare Bündnispartner in Europa und rund um die Welt“.

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