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G-20-Gipfel in Cannes : Die Angst isst mit

David Cameron, Barack Obama, Angela Merkel und Nicolas Sarkozy zu Beginn des Gipfels Bild: REUTERS

Im Kreise der G20 hoffte man darauf, in Cannes entspannt die Weltwirtschaft zu stabilisieren. Dann kam Papandreou - und die Sorgen kehrten zurück.

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          Sie hängen überall in der Stadt, die Plakate mit dem verheißungsvollen Versprechen, hier in Cannes werde Geschichte geschrieben. Seit dem späten Mittwochabend ist klar, dass diese Prophezeiung durchaus in Erfüllung gehen könnte – allerdings anders, als es sich die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ursprünglich vorgestellt hatten. Noch Anfang der Woche dachten die Europäer, dass sie entspannt an die Côte d’Azur reisen könnten, schließlich hatten sie ihrer Meinung nach eine Woche zuvor das taumelnde Griechenland gerettet und den Euro gleich mit.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Es wäre also nur der logische zweite Schritt gewesen, nun auf der größeren G-20-Bühne auch noch die gesamte Weltwirtschaft zu stabilisieren. Dann aber bereitete der griechische Ministerpräsident Giorgios Papandreou mit seinen Volksabstimmungsplänen dieser kollektiven Entspanntheit ein jähes Ende. Fassungslos fanden sich seine Euro-Kollegen vor den Trümmern ihrer Rettungspläne wieder. Plötzlich schien es nicht unrealistisch, dass Cannes Geschichte schreiben würde als der Ort, an dem der Euroraum auseinanderzubröckeln begann.

          Dann aber schreckte dieses Szenario die Griechen offenbar derart auf, dass sie am Donnerstagnachmittag zu einem Rückzieher in Sachen Referendum ansetzten. Was Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy stets kritisiert hatten – den mangelnden Konsens zwischen Opposition und Regierung in Griechenland über den Weg aus der Krise – schien auf einmal doch möglich. Eine Übergangsregierung der nationalen Einheit war im Gespräch, das Referendum dagegen zunächst vom Tisch.

          Ihren Anfang nahm diese überraschende Wende in einem Saal des Festivalpalastes, wo zum Filmfest die neuesten Streifen den Kritikern präsentiert werden. Am späten Mittwochabend dagegen ging es statt um Fiktion um die Eindämmung einer allzu realen Krise. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy traten vor die Presse und stellten Griechenland vor die Wahl: Mit uns oder ohne uns? Zuvor hatten beide Papandreou zu einem Abendessen einbestellt. Ob dieser besonders viel hinuntergebracht hat von dem exquisiten französischen Menü, ist nicht bekannt. Doch der Auftritt der Kanzlerin und des Staatspräsidenten nach dem Essen ließ keinen Zweifel daran, dass es für Papandreou ein ungemütlicher Termin gewesen sein muss. Hart sei das Gespräch gewesen, aber sachlich, hieß es danach.

          Merkel sagte, die Referendumsankündigung habe die psychologische Situation nach den Beschlüssen vom Euro-Gipfeltreffen eine Woche zuvor stark verändert. Was sie meinte: Die Angst war wieder da in Europa, die Angst vor den Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Währungsunion, vor einem griechischen Staatsbankrott. Deshalb schalteten die Europäer in eine Art Verteidigungsmodus um. „Wir sind gewappnet“, versprach Merkel. Die „Brandmauern“ zum Schutz gegen eine Ansteckung anderer Wackelstaaten sollten schneller hochgezogen werden als geplant; gemeint sind die Umbauarbeiten am Rettungsfonds EFSF. Und Staaten wie Italien sollen sich mit Reformen und Sparmaßnahmen beeilen – vor allem Rom rückte am Donnerstag wieder in den Fokus der besorgten Europäer.

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