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G-20-Gipfel : Die Dschihadisten im Visier

Xi Jinping, Recep Tayyip Erdogan, Angela Merkel, Barack Obama und andere Regierungschefs beim G 20-Gipfel am Sonntag in Antalya Bild: AFP

Der G-20-Gipfel in Antalya wird bestimmt von der Terrornacht in Paris. EU-Ratspräsident Tusk bringt Bodentruppen im Kampf gegen den IS ins Gespräch.

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          Klar, der Mann macht nur seinen Job. Aber ein Textmarker? Seit wann handelt es sich dabei um ein Werkzeug des Terrors? „Man könnte damit ,Tötet die Politiker‘ an eine Wand schreiben“, sagt der gestrenge türkische Sicherheitsbeamte, und da ist ihm kaum zu widersprechen. Natürlich könnte man das.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          An der äußeren von mehreren Sicherheitskontrollen des G-20-Gipfels bei Antalya geht es unerbittlich zu: Textmarker, gleich welcher Farbe, stellen eine Bedrohung der Sicherheit dar und dürfen deshalb nicht mit auf das abgesperrte Gelände gebracht werden. Der Sicherheitsmann wirft das potentiell subversive Werkzeug in einen Mülleimer voller konfiszierter Schreibwerkzeuge. Erst nachdem die restlichen Ausrüstungsgegenstände, darunter ein Kugelschreiber, als unbedenklich eingestuft worden sind, darf der Gast passieren.

          Dass die höchste Sicherheitsstufe gilt, wenn die mächtigsten Menschen der Welt sich treffen, ist selbstverständlich, doch treibt die Gefahrenabwehr in dem türkischen Badeort Belek bei Antalya bisweilen unberechenbare Blüten. Immerhin überlassen die türkischen Gastgeber nichts dem Zufall. Mehrere Sperrkreise umgeben den Tagungsort.

          Berichterstatter, die sich nicht eines der für Journalisten reservierten Hotels mit Zimmerpreisen von 615 Euro aufwärts leisten können oder wollen, müssen außerhalb dieser Sperrkreise übernachten und entsprechend viel Zeit zur Überwindung der Kontrollen einplanen.

          Die Türkei lebt seit Jahrzehnten mit dem Terror

          Das ist freilich nichts Besonderes in der Türkei, die seit Jahrzehnten mit dem Terror lebt. Für Türken ist es selbstverständlich, dass sie Flughäfen oder Einkaufszentren nicht ohne vorherige Sicherheitskontrolle betreten dürfen und dass auch in Metrostationen stets ein Sicherheitsbeamter wacht. Ein Vorgeschmack auf europäische Verhältnisse?

          In einem der großen Säle des Pressezentrums gibt es derweil Schwierigkeiten mit der korrekten Beflaggung. In einer Stunde werden EU-Ratspräsident Donald Tusk und Kommissionschef Jean-Claude Juncker zur Pressekonferenz erwartet, natürlich wird es um die Anschläge von Paris gehen, und deshalb sollen die beiden EU-Flaggen auf der Bühne auf halbmast hängen.

          Doch die Fahnenständer sind nur für Standardbeflaggung geeignet, Trauer ist technisch nicht vorgesehen. So beauftragt eine Mitarbeitern der EU-Delegation einige Hotelmitarbeiter damit, die Fahnen mit einer improvisierten Konstruktion aus Bindfäden tiefer zu hängen, was nach einigen erfolglosen Versuchen auch gelingt.

          Klimawandel, Wachstumsagenda, Jugendarbeitslosigkeit, Handelsbarrieren, Steuervermeidung durch Großunternehmen: Die Liste der Gipfelthemen ist lang, und doch steht nach Europas „9/11“ in Paris alles im Schatten des Terrors. Die Gipfelpolitiker geben sich Mühe, Diskussionen über die Bekämpfung des Terrorismus nicht mit der Debatte über den Umgang mit der Flüchtlingskrise zu vermischen – vor allem, seit die Meldung die Runde machte, dass an einem der Pariser Tatorte ein syrischer Pass gefunden wurde, dessen Inhaber offenbar von der Türkei über die griechische Insel Leros und die Balkanroute nach Westeuropa gereist ist.

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