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Fußball-Bundesliga : Die Polizei ist nicht der Prügelknabe

Schalker Fans tun ihre Meinung über die Polizei kund Bild: dpa

Man kann über das Hick-Hack um die Polizeipräsenz „auf Schalke“ streiten. Aber die Fußballvereine müssen zu ihrer Verantwortung stehen. Fanblöcke sind keine rechtsfreien Räume.

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          „Das hat mit Fußball nichts zu tun.“ So lautet ein gängiger Spruch von Fußball-Kommentatoren, wenn Fans im Stadion einander beschimpfen und sich prügeln. Doch, das hat mit Fußball viel zu tun. Denn die so wichtige Stimmung entsteht kaum in den Business-Logen mit Vollverpflegung, sondern in den Kurven, wo man noch Mensch (Mann) sein darf: also Uniform und Fahnen tragen und die eigene Mannschaft zum Sieg brüllen.

          Dass die Schwelle zur Gewalt hier oft schnell erreicht ist, dass es in Deutschland wohl einige Tausend gibt, die gezielt die Gewalt (auch gegen Polizisten) suchen, lässt sich fast jeden Samstag beobachten – und das ist der Grund für die massive Polizeipräsenz an den Bahnhöfen, auf den Straßen und vor allem in den Stadien.

          Die Vereine sind in der Pflicht

          Schon lange beschäftigen sich die Innenminister der Länder mit den Kosten für diese Großeinsätze. In der Tat: Fußball mag ein nationales Kulturgut sein, eine öffentliche Angelegenheit, für welche die öffentlich-rechtlichen Sender auch viele Gebühren-Millionen ausgeben. Aber zunächst ist es Aufgabe der Vereine, für die Sicherheit bei den von ihnen veranstalteten Spielen zu sorgen.

          Man kann mit Fug und Recht über den jüngsten Einsatz der Polizei im Schalker Stadion streiten: War es unverhältnismäßig, gegen Fans vorzugehen, die im Spiel gegen Saloniki eine (nicht verbotene) mazedonische Flagge zeigten? Immerhin setzte die Polizei die Schalker Hausordnung durch, nach der es untersagt ist, gegnerische Fans zu provozieren. Und die Beamten wurden offenbar, was in jedem Fall nicht hinnehmbar ist, von Schalker Fans angegriffen, als sie in deren Block eindrangen.

          Übung in Mainz: Polizisten gehen in Mainz gegen als Hooligans verkleidete Kollegen vor

          Nun dürfen auch Innenminister und Polizeiführung nicht immun gegen Kritik sein. Die Polizei darf sich natürlich nicht aus dem öffentlichen Raum zurückziehen; sie muss auch weiterhin an den Spieltagen rund um die Spiele zur Verfügung stehen, um Straftaten zu ahnden. Aber Vereine und Verbände müssen zu ihrer Verantwortung stehen. Fanblöcke sind keine rechtsfreien Räume, die Polizei ist nicht der Prügelknabe des Fußballzirkus.

          Gewiss, auch die Beamten reagieren zuweilen falsch. Aber die Vereine müssen sich fragen lassen, warum Bilder von Bundesliga-Spielen ohne martialisch anmutende Polizei-Einheiten kaum mehr denkbar sind? Das Sommermärchen 2006 hat doch gezeigt, dass es auch anders geht.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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