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Fukushima : Temperatur in Reaktor 5 stark angestiegen

  • -Aktualisiert am

Die Arbeiter in Fukushima stehen immer wieder vor neuen Problemen Bild: dpa

Im Kernkraftwerk Fukushima sind am Wochenende die Kühlpumpen ausgefallen. Die Temperatur in Reaktor 5 stieg stak an. Nach Angaben der Betreiberfirma Tepco konnte das Problem aber behoben werden. Unterdessen wächst die Furcht vor einem Tropensturm.

          Der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, Tepco, hat am Sonntag mit einem Tag Verspätung gemeldet, dass am Samstag im Reaktor 5 des Kernkraftwerks und in dessen Abklingbecken nach dem Ausfall von Kühlpumpen die Temperatur stark angestiegen ist. Reaktor 5, der am 20. März abgeschaltet worden war, galt bisher als stabil. Nach Angaben von Tepco wurde eine neue Pumpe erst am Sonntag in Betrieb genommen.

          Eine neue Gefahr der Ausbreitung radioaktiven Materials droht durch einen tropischen Sturm, der am Sonntag Japan erreichte und zu starken Regenfälle auch in der Region um das Kraftwerk Fukushima führte. Tepco gestand am Samstag ein, dass die Vorsichtsmaßnahmen gegen Wind und Regen am Kernkraftwerk ungenügend seien. Es sei nicht gelungen, die beschädigten Reaktoren abzudecken. Schwere Regenfälle erhöhen die Gefahr, dass radioaktives Wasser aus den Reaktorgebäuden tritt, in denen der Wasserstand schon hoch ist. Radioaktive Teilchen können auch durch Wind und Regen verteilt werden. (Siehe auch: Starker Taifun bedroht Atomanlage in Fukushima)

          Wie sehr sind Fische und Muscheln kontaminiert?

          Am Wochenende wurde auch bekannt, dass die Kontaminierung des Meerwassers in der Umgebung weiter fortgeschritten ist, als die japanische Regierung dies bisher zugegeben hat. Auf dem Meeresboden der japanischen Küste nördlich und südlich von Fukushima Daiichi in der Umgebung des beschädigten Kernkraftwerks sind hohe Konzentrationen von radioaktivem Caesium festgestellt worden. Ausländische Fachleute hatten die Kontaminierung des Meeresbodens schon seit einiger Zeit befürchtet, nachdem hochradioaktives Wasser aus dem Kernkraftwerk in das Meer ausgetreten und leicht radioaktives Wasser gezielt abgeleitet worden war. Das Wissenschaftsministerium, das Messungen an zwölf Punkten entlang eines 300 Kilometer langen Küstenabschnittes in der Zeit vom 9. bis zum 14. Mai vorgenommen hatte, forderte nun weitere Untersuchungen. Es müsse geklärt werden, wie sehr Fische und Muscheln von der Kontaminierung betroffen sind. Bisher war Meerwasser nur an der Wasseroberfläche und vornehmlich innerhalb der Dreißig-Kilometer- Zone gemessen worden.

          30 Kilometer vor der Stadt Sendai wurde in einer Tiefe von 45 Metern Caesium 137 in einer Konzentration gefunden, die 100-mal über dem Normalen liegt. Nach Meinung japanischer Fachleute hat das Plankton die radioaktiven Substanzen absorbiert. Der Meeresbiologe Takashi Ishimaru sagte dem Staatsfernsehen NHK, dass die Messungen auf eine weitere Umgebung ausgedehnt werden müssten, weil sich radioaktive Materialien auf dem Meeresboden nicht schnell verteilten und sich in größeren Fischen ansammelten, die Meerestiere vom Meeresboden fressen. Die japanische Regierung hatte vor zwei Wochen die Fischerei außerhalb der 30-Kilometer-Zone rund um das Kernkraftwerk wieder zugelassen. Das Landwirtschaftsministerium begann am Wochenende in dem stark von Strahlung belasteten Ort Iitate mit dem Anpflanzen von Sonnenblumen, um zu testen, ob sich damit radioaktiv verseuchter Erdboden dekontaminieren lässt.

          Misstrauensvotum gegen Ministerpräsident Kan

          Als Erfolg vermeldete Tepco am Wochenende, dass die Kühlsysteme für die Abklingbecken der Reaktoren 1, 2, 3 und 4 wieder hergestellt seien. Der Betreiber der Atomruine Fukushima zweifelt aber anscheinend langsam daran, die Lage in dem zerstörten Kernkraftwerk bis Jahresende stabilisieren zu können. Mancher Vertreter des Energiekonzerns Tepco sei der Ansicht, dass die teilweise Kernschmelze in den Reaktoren 1 bis 3 die Reparaturarbeiten verzögern dürften, wie die Nachrichtenagentur Kyodo erfuhr. Tepco hatte am 17. April erklärt, die Atomanlage in sechs bis neun Monaten stabilisieren zu wollen.

          Die japanischen Oppositionsparteien wollen wahrscheinlich noch in dieser Woche ein Misstrauensvotum gegen Ministerpräsident Kan wegen seines Krisenmanagements anstrengen, das von ihnen als ungenügend kritisiert wird.

          Eine große Mehrheit der Japaner misstraut einer Umfrage zufolge den Informationen ihrer Regierung über die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima. In einer am Montag veröffentlichten Erhebung des Fernsehsenders Fuji erklärten 81 Prozent der Befragten, sie hätten kein Vertrauen in die Regierungsangaben zu der nuklearen Krise. Fast 85 Prozent bescheinigten dem Kraftwerksbetreiber Tepco ein schlechtes Krisenmanagement. Für die Umfrage wurden am Wochenende 1.000 Erwachsene befragt. Eine Fehlerquote wurde nicht angegeben. Sie liegt bei solchen Erhebungen in der Regel bei vier Prozentpunkten.

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