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Fukushima : Direktor Ono in heikler Mission

Oberhalb des Abklingbeckens, das Schauplatz der spektakulären Operation wird Bild: dpa

Tepco bereitet den Abtransport der ersten Brennstäbe aus Reaktor 4 in Fukushima vor. Kritiker warnen vor der größten atomaren Gefahr seit der Kubakrise.

          7 Min.

          Akira Ono ist ein ruhiger, fast schon bedächtiger Mann. Seit Juni leitet der 54 Jahre alte Ingenieur die Aufräumarbeiten auf dem Gelände des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Dai-ichi. Unter seiner Leitung beginnt in diesen Tagen der Abtransport der Brennstäbe aus dem zerstörten Reaktor Nummer 4 des Kraftwerks. „Nein“, sagt er und schüttelt den Kopf, „diese Aktion ist nicht besonders gefährlich.“ Im Gegenteil: Wenn die ersten Brennstäbe aus dem Abklingbecken des bei dem Erdbeben im März 2011 schwer beschädigten Gebäudes 4 abtransportiert werden, „dann ist das ein großer Schritt in Richtung Stilllegung“.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Anders als bei den benachbarten Reaktoren 1 bis 3 ist es in Nummer 4 nicht zur Kernschmelze gekommen. Der Reaktor war damals für Wartungsarbeiten gerade außer Betrieb. Trotzdem kam es zu einer Explosion, die das Gebäude schwer beschädigt hat. Die Betreibergesellschaft des Atomkraftwerks, die Elektrizitätswerke von Tokio (Tepco), erklärt das so: Wasserstoff aus Reaktor 3 sei damals vermutlich durch das gemeinsame Heiz- und Belüftungssystem in das benachbarte Gebäude geströmt und habe dort eine Explosion herbeigeführt.

          Trotz Beschwichtigungen: Die Sorge ist groß

          Während Ono erläutert, wie die Bergungsaktion ablaufen soll, nimmt eine Gruppe von Ingenieuren und Technikern im fünften Stock des Reaktors 4 Messungen vor und prüft die Einstellungen des Lastkrans. „Letzte Einstellungen bevor es losgeht“, sagt ein Tepco-Mitarbeiter, der wegen der Atemschutzmaske kaum zu verstehen ist. Wegen der hohen radioaktiven Strahlung können sich die Männer nur mit weißen Schutzanzügen, dreifachen Schutzhandschuhen und Schutzmaske auf dem Gelände bewegen. Ein weißer Behälter, in dem die Brennstäbe abtransportiert werden sollen, steht schon bereit. 1533 Behälter mit jeweils 64 bis 70 Brennstäben lagern in dem Becken im fünften Stock. Bis Ende kommenden Jahres sollen alle Brennstäbe weggebracht worden sein. Gelagert werden sie in den kommenden Jahren in einem provisorischen Auffangbecken, das wenige hundert Meter entfernt ist.

          Beschwichtigt: Akira Ono, Chef des havarierten Atomkraftwerks
          Beschwichtigt: Akira Ono, Chef des havarierten Atomkraftwerks : Bild: REUTERS

          Trotz Onos Beschwichtigungen: Die Sorge ist groß, dass es im Zuge des Abtransports zu einer neuen atomaren Katastrophe kommen könnte. Am Donnerstag, also am selben Tag, an dem Tepco erstmals eine Gruppe ausländischer Journalisten einlud, damit sie sich ein Bild von der Lage in Reaktor 4 machten, berichten japanische Medien groß über die möglichen Risiken. Der Umweltaktivist Harvey Wasserman aus dem kanadischen Montreal spricht gar vom „gefährlichsten Moment für die Menschheit seit der Kuba-Krise“. Der frühere Botschafter Japans in der Schweiz, Mitsuhei Murata, veröffentlichte einen Brief an den amerikanischen Präsidenten Obama, in dem er eindringlich vor der Aktion warnte. Die Welt solle sich einmischen, „um die Risiken der bevorstehenden ersten Entladung von abgebrannten Brennelementen aus Einheit 4 zu reduzieren“, fordert er.

          Ono dagegen sagt: „Im normalen Betrieb haben wir das immer wieder gemacht. Das sind alles erfahrene Leute hier.“ Das stimmt. Der Transport der Brennstäbe in und aus dem Abklingbecken gehörte zur Routine in Fukushima. Doch dieses ist eben kein normaler Transport. „Was neu ist, ist, dass die Arbeiter dieses Mal in Schutzanzügen arbeiten müssen“, sagt Ono. Es ist heiß, man schwitzt leicht, die Schutzmasken beschlagen schnell von innen. Und mit dreifachen Schutzhandschuhen lässt sich ein Kran auch nicht ganz so leicht von Hand steuern wie ohne. „Deswegen machen wir das sehr vorsichtig“, beruhigt Ono.

          Die Vorbereitungen für den Abtransport sind abgeschlossen. „Nach der Wasserstoffexplosion sind große Mengen von Schutt in das Becken gefallen“, sagt Takashi Hara, der für den Transport der Brennstäbe mitverantwortlich ist. Größere Betonbrocken hat Tepco mit Hilfe des Krans, der mit einem grünen Metall-Stützgerüst über den Reaktor gebaut ist, bereits abtransportiert. Mit einem Unterwasser-Staubsauger sind kleinere Teile aus dem Becken geholt wurden. Das Wasser wurde weitgehend ausgetauscht.

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