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Andreas Ross (anr.)

Brexit-Kommentar : Die EU schützt sich selbst

  • -Aktualisiert am

Die Flaggen Großbritanniens und der EU Bild: dpa

Dass die EU-Kommission den 27 verbleibenden Staaten empfiehlt, „großzügig“ mit den in ihren Ländern lebenden Briten umzugehen, ist angesichts der Gefahr eines ungeordneten Brexits klug. Dass Brüssel in anderen Fragen keinen Großmut zeigt, ebenso.

          Hundert Tage vor dem Brexit befinden sich die Europäer in einer grotesken Lage. Mühsam hat die EU-Kommission für die 27 verbleibenden Mitgliedstaaten mit den Briten ein Abkommen ausgehandelt, das deren Austritt, den „auf dem Kontinent“ niemand will, vernünftig regelt.

          Weil es dafür in Westminster bisher keine Mehrheit gibt, müssen sich beide Seiten auch auf einen ungeordneten Brexit vorbereiten. Selbst wenn ein solcher die Briten wohl viel härter träfe als das restliche Europa, läge die Abmilderung des Schocks auch in dessen Interesse.

          Dafür freilich wären rechtzeitige Absprachen mit London nötig. Derlei Verhandlungen liefen aber darauf hinaus, das bestehende Abkommen zu unterminieren.

          In dieser Not ist es klug, dass die Kommission den 27 Regierungen empfiehlt, „großzügig“ mit den in ihren Ländern lebenden Briten umzugehen: Was hässlich werden dürfte, sollte nicht auch persönlich werden.

          Es ist aber ebenso vernünftig, dass Brüssel bei anderen Fragen vom Flug- bis zum Finanzverkehr keinen Großmut zeigt, sondern klarmacht, worum es geht: Selbstschutz durch Schadensbegrenzung.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

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