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Internationale Kooperation : Fünf Nationalakademien starten Initiative gegen Luftverschmutzung

Die Hauptursache für die schlechte Luft ist die Verbrennung von fossilen Brennstoffen und Biomasse für Wärme, Strom, Transport und Nahrungsmittelerzeugung. Bild: dpa

Mindestens fünf Millionen vorzeitige Todesfälle im Jahr und schwere chronische Erkrankungen: Um die Folgen der Luftverschmutzung zu bekämpfen, fordern Wissenschaftler in einem gemeinsamen Appell zum sofortigen Handeln auf – auf allen Ebenen der Gesellschaft.

          Es kommt selten vor, dass sich gleich fünf Nationalakademien zusammenschließen, um am Hauptquartier der Vereinten Nationen (UN) in New York eine gemeinsame Initiative vorzustellen. Doch der Kampf gegen die gesundheitsschädliche Luftverschmutzung ist so dringlich, dass die Nationalakademie Leopoldina, die Nationalakademien der Wissenschaften aus Südafrika und Brasilien sowie die Nationalakademie der Wissenschaften und die der Medizin aus den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten wollen, um die Emissionen zu senken und die wichtigsten Schadstoffe besser zu überwachen.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Sie empfehlen in ihrer Stellungnahme sofortiges Handeln auf allen Ebenen der Gesellschaft. Besonderes Augenmerk soll den Feinstaubpartikeln PM2,5 gelten. Sie gehören zu den kleinsten in der Atemluft und können deshalb besonders tief in die Lunge eindringen und sie besonders schädigen.

          Mindestens fünf Millionen vorzeitige Todesfälle

          Die negativen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die menschliche Gesundheit über die gesamte Lebensdauer hinweg ist längst wissenschaftlich belegt. Zwar beeinträchtigt die schlechte Luft alle, sogar ungeborene Kinder, doch sind sehr junge, alte und geschwächte Menschen am meisten gefährdet.

          Mindestens fünf Millionen vorzeitige Todesfälle im Jahr sowie chronische Erkrankungen wie Herzkrankheiten, Asthma, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD), Diabetes, Allergien, Ekzeme und Hautalterung seien die Folgen, schreiben die Akademien. Und das vermuten sie nicht bloß, dafür gibt es Belege. Luftverschmutzung fördere Krebs und Schlaganfälle und verlangsame das Lungenwachstum bei Kindern und Jugendlichen. Es gibt inzwischen sogar Belege dafür, dass Luftverschmutzung Demenzerkrankungen bei Erwachsenen begünstigt und die Gehirnentwicklung bei Kindern beeinträchtigt.

          Die Hauptursache für die schlechte Luft ist die Verbrennung von fossilen Brennstoffen und Biomasse für Wärme, Strom, Transport und Nahrungsmittelerzeugung. Im Jahr 2015 wurden die durch die Luftverschmutzung verursachten wirtschaftlichen Einbußen in 176 Ländern auf insgesamt 3,8 Billionen US-Dollar geschätzt.

          Beitrag zum Global Climate Action Summit

          Scharf kritisieren die Akademien, dass staatliche und private Investitionen zur Verringerung der Luftverschmutzung viel zu gering sind. Sie fordern, intensiver nach Lösungen zu suchen und in die Minderung der Luftverschmutzung zu investieren. Nur so könne die globale Erwärmung vermindert und das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden.

          Mit der Stellungnahme wollen die Akademien einen wissenschaftlichen Beitrag zu dem von UN-Generalsekretär António Guterres ausgerichteten Global Climate Action Summit im September dieses Jahres leisten, bei dem Luftverschmutzung und Gesundheit im Mittelpunkt stehen werden.

          Sie appellieren deshalb an Forschungsinstitute, Wissenschaftsakademien und Wissenschaftler auf der ganzen Welt, die gemeinsame Initiative zu unterstützen und die Forschung und wissenschaftspolitischen Schritte im Bereich „Luftverschmutzung und Gesundheit“ zu verstärken.

          Margaret Hamburg, Foreign Secretary der amerikanischen Medizinischen Akademie sagte: „Wir stehen erst am Anfang dessen, was wir erreichen wollen. Unsere fünf Akademien haben diesen Aufruf gestartet, aber um das Problem anzugehen, müssen sich noch viele weitere Akteure beteiligen.“ Sie hoffe, dass auch die politischen Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit mit den Akademien zusammenarbeiteten, um die Gesundheit der Menschen und des Planeten zu verbessern.

          Der Präsident der Deutschen Nationalakademie Leopoldina Jörg Hacker sagte: „Nationalakademien sind in der einzigartigen Position, sich mit komplexen Fragestellungen wie den Wechselwirkungen zwischen Luftverschmutzung und Gesundheit befassen zu können.“

          Die Stellungnahme der Nationalakademien kann am Mittwoch ab 21 Uhr (MESZ) auf der Webseite der Leopoldina und auf www.air-pollution.health in allen offiziellen UN-Sprachen, sowie auf Deutsch und Portugiesisch abgerufen werden.

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