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Führungswechsel bei der Telekom : Erfreute Anleger, skeptische Börsianer

  • Aktualisiert am

René Obermann steht für Kontinuität Bild: AP

Die T-Aktie ist im Höhenflug, seitdem bekannt ist, daß Kai Uwe Ricke seinen Hut nimmt. Börsenexperten sehen den Wechsel aber nicht ganz so euphorisch: Viele glauben, daß René Obermann die Strategie nicht großartig verändern wird.

          Auf die Nachricht vom Führungswechsel bei der Deutschen Telekom haben Anleger am Montag mit Zukäufen reagiert. Die T-Aktie legte bis zum Vormittag um drei Prozent auf knapp 13,60 Euro zu. Börsianer äußerten sich jedoch skeptisch, ob sich durch den Rücktritt von Kai-Uwe Ricke und die wahrscheinliche Berufung des bisherigen Chefs der Mobilfunksparte T-Mobile, Rene Obermann, auf den Chefsessel die Strategie des Konzerns verändert.

          „Die Potentiale, die man mit dem Wechsel verbindet, sind doch sehr eingeschränkt. Das spiegelt sich auch in der Reaktion des Aktienmarktes wieder, wo Chefwechsel in der Krise normalerweise viel kräftigere Kursausschläge nach oben zur Folge haben“, sagte ein Frankfurter Aktienhändler.

          „Neue Besen kehren gut“

          Ein anderer Händler sagte: „Mit einem neuen Mann an der Spitze kommt die Hoffnung auf, daß sich bei der Telekom einiges zum Besseren wendet. Neue Besen kehren gut.“ Allerdings habe Obermann die bisherige Strategie der Telekom mitgetragen. Er könne sich daher sogar vorstellen, daß dieser lediglich als Interims-Vorstandschef eingesetzt werde, sagte der Börsianer.

          Das Vertrauen verloren: Kai-Uwe Ricke

          Telekomexperte Theo Kitz vom Münchner Bankhaus Merck Finck erklärte, es wäre verwunderlich, wenn Obermann die strategische Ausrichtung des Konzerns nachhaltig verändern würde. Kitz hätte lieber einen externen Kandidaten als Nachrücker an die Spitze des Unternehmens gesehen. „Was die Telekom jetzt braucht ist eine aggressivere Wachstumsstrategie“, sagte er. „Ob es die mit Obermann geben wird bleibt abzuwarten.“

          Vertrauen verloren

          Nach vier Jahren an der Spitze der Deutschen Telekom hat Kai-Uwe Ricke das Vertrauen der Anteilseigner verloren. Dabei hatte der Konzern sich unter seiner Führung zunächst gut entwickelt. Die enorme Verschuldung wurde halbiert, der Gewinn stieg, und die vom Kursverfall gebeutelten T-Aktionäre konnten sich wenigstens wieder über eine attraktive Dividende freuen.

          Doch der Erfolg war von kurzer Dauer. Zu spät reagierte der Telekom-Chef auf den scharfen Wettbewerb in Deutschland. Während die Konkurrenz die Kunden mit attraktiven Bündelangeboten für Telefon und Internet köderte und zum Preiskrieg auf dem Mobilfunkmarkt blies, verlor sich die Telekom in den Machtkämpfen ihrer Sparten.

          Zwei Argumente für Obermann

          René Obermann, der neue Mann an der Spitze des größten europäischen Telekommunikationskonzerns, tritt ein schweres Erbe an. Als Chef der Mobilfunksparte hat Obermann bewiesen, daß er die richtigen Qualitäten mitbringt. Der Aufsichtsrat wird sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit für ihn und gegen den vom Finanzinvestor Blackstone und anderen Anteilseignern geforderten Sanierer von außen entscheiden. Für diese Lösung sprechen zwei Argumente.

          Sie sichert zum einen die notwendige Kontinuität in der Unternehmensführung. Obermann kann ohne weitere Verzögerungen den Kurswechsel beschleunigen. Zum anderen steht sein Name für eine deutsche Lösung in einem Unternehmen, das noch immer zu fast einem Drittel in Bundesbesitz ist und das mehr als die Hälfte seines Umsatzes in Deutschland erzielt.

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