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„Fuck the EU“ : Trampelwiese Ukraine

Der Spaltpilz NSA wuchert nun auch in der operativen Außenpolitik. In der Ukraine ziehen Europa und Amerika nicht mehr an einem Strang. Sie arbeiten gegeneinander.

          Deutschland könne sich keinen besseren Partner wünschen als die Vereinigten Staaten, hat die Kanzlerin vor zehn Tagen gesagt. Wirklich nicht? Durch Spionage – welch eine Ironie des Schicksals! – hat die Welt nun erfahren, wie der Partner so über Europa redet, wenn er sich unbelauscht glaubt. „Fuck the EU“, tönte die für Europa zuständige Abteilungsleiterin im State Department, Victoria Nuland, in einem Gespräch mit ihrem Botschafter in der Ukraine.

          Man muss dazu wissen, dass Nuland von europäischen Diplomaten sehr geschätzt wird; sie kennt sich bestens in Brüssel aus und bemüht sich um gute Zusammenarbeit. Wenn schon Leute wie Nuland so über die EU herziehen, möchte man nicht wissen, wie die reden, die von Europa keine Ahnung haben. Offenbar zeigt der Ärger der Europäer über die NSA-Affäre samt Drohung mit Gegenmaßnahmen auch in Washington Wirkung. Er führt dort allerdings nicht zur Besinnung, sondern zu kraftmeierischer Arroganz.

          Das allein ist schon fatal. Aber es kommt noch schlimmer: Der Spaltpilz NSA wuchert nun auch in der operativen Außenpolitik. In der Ukraine ziehen Europa und Amerika nicht mehr an einem Strang, sie arbeiten gegeneinander. Nulands Entgleisung hing damit zusammen. Sie wollte die Vereinten Nationen als Vermittler einschalten – über den Kopf der Europäer hinweg. Das Kalkül ist leicht zu durchschauen: Auf die UN kann Amerika jederzeit Einfluss nehmen und die EU an den Rand drängen. Aber was nutzt das schon? Mit den UN ist ja auch die Vetomacht Russland im Spiel, da würde dann der Bock zum Gärtner gemacht – auf seiner liebsten Trampelwiese, der Ukraine. Die EU darf sich das nicht gefallen lassen. Sie hat lange gezögert und die Verhältnisse in Kiew falsch eingeschätzt. Aber in ihrer Nachbarschaft muss sie selbst für Ordnung sorgen.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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