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Früherer NSA-Chef : Zug-Fahrgast twittert über vertrauliche Äußerungen Haydens

  • Aktualisiert am

Im Februar 2008 war er CIA-Chef: Michael Hayden Bild: AFP

Michael Hayden wollte namentlich nicht genannt werden. Aber ausgerechnet in einem Zug gab der frühere NSA-Chef Journalisten Interviews. Dabei wurde er selbst Opfer eines kleinen „Lauschangriffs“.

          Der frühere NSA-Chef Michael Hayden ist selbst Ziel eines kleinen „Lauschangriffs“ geworden. Der einstige Top-Geheimdienstler gab am Donnerstag im Hochgeschwindigkeitszug Acela mehreren Journalisten telefonisch Hintergrund-Interviews unter den Bedingung, dass er namentlich nicht genannt werden dürfe. Hayden bemerkte dabei zunächst nicht, dass ihn ein Mitreisender als ehemaligen Geheimdienstdirektor erkannte und mitgehörte Äußerungen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichte.

          „Früherer NSA-Spionage-Chef Michael Hayden plappert hinter mir im Acela im Hintergrund als früherer Regierungsvertreter“, twitterte Tom Matzzie unter dem Schlagwort #haydenacela. Ein anderer Tweet lautete: „Michael Hayden spricht zu Reportern im Acela abschätzig über die Regierung.“ Hayden habe zudem mit der Verschleppung von Terrorverdächtigen und geheimen CIA-Gefängnissen im Ausland geprahlt.

          „Er war ein Gentleman, und wir haben unterschiedliche Ansichten“

          Während der Interviews wurden Mitarbeiter Haydens auf die im Internet kursierenden Äußerungen aufmerksam und warnten ihren Chef. Daraufhin sprach der belauschte und enttarnte Ex-NSA-Direktor seinen Mitpassagier an. Der twitterte anschließend: „Ich hatte gerade eine sehr nette Unterhaltung mit Michael Hayden. Er war ein Gentleman, und wir haben unterschiedliche Ansichten.“

          In einer Erklärung an die Nachrichtenagentur Reuters wies Hayden Matzzies Darstellungen teilweise zurück. So habe er nicht die Regierung von Präsident Barack Obama kritisiert. „Ich habe in Wirklichkeit gesagt, dass dies sehr schwierige Themen sind.“ Er habe aber deutlich gemacht, dass schon in seiner Amtszeit bestimmte politische Richtlinien eingehalten werden mussten. „Nun wird diese politische Kontrolle noch stärker ausfallen müssen. Es war keine Kritik“, erklärte Hayden, der auch CIA-Chef war und heute für die Beratungsfirma Chertoff Group arbeitet.

          Anlass der Interviews waren die jüngsten Vorwürfe gegen die amerikanischen Geheimdienste, wonach auch das Mobiltelefon von Kanzlerin Angela Merkel ausspioniert wurde. Die Kanzlerin telefonierte in dieser Angelegenheit mit Obama. Außenminister Guido Westerwelle bestelle am Donnerstag den amerikanischen Botschafter ein.

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