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Friedensvertrag in Kolumbien : Viele Staatsgäste bei Unterzeichnung dabei

  • Aktualisiert am

Friedenstaube zum Friedensabkommen: Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos und seine Frau Maria Clemencia Rodriguez in Bogota bei der Enthüllung einer Skulptur zu Ehren des historischen Vertrags mit der Rebellengruppe Farc. Bild: dpa

Nach 52 Jahren Bürgerkrieg in Kolumbien soll an diesem Montag ein historisches Friedensabkommen zwischen der Regierung und der linken Guerillatruppe Farc unterzeichnet werden. Zu der Zeremonie in Cartagena werden prominente Gäste erwartet.

          Mit einem einstimmigen Votum haben die Farc-Rebellen in Kolumbien den Weg zur Unterzeichnung des historischen Friedensvertrags freigemacht. Mehr als 300 Delegierte der linksradikalen Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) beschlossen am Wochenende in ihrer Hochburg im Südosten des Landes die Ratifizierung des Friedensvertrags. Zur feierlichen Unterzeichnung werden am Montag in Cartagena zahlreiche hochrangige Persönlichkeiten erwartet, darunter UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

          „Der Krieg ist vorbei“, sagte Chefunterhändler Iván Márquez bei der zehnten nationalen Farc-Konferenz in Llanos del Yari im Südosten des Landes. Das Abkommen wird Anfang Oktober den Kolumbianern in einem Referendum zur Abstimmung vorgelegt.

          Die Farc-Delegierten hatten seit dem vorvergangenen Samstag über die Ratifizierung des Friedensvertrags beraten. Mit dem Abkommen sei „definitiv klargestellt, dass es in dem Konflikt weder Gewinner noch Verlierer“ gebe, hatte Farc-Kommandeur Timoleón Jiménez alias Timochenko zur Eröffnung der Konferenz gesagt. „Für die Farc und unser Volk wird es die größte Befriedigung sein, den Frieden gewonnen zu haben“, sagte Timochenko.

          Die Guerillagruppe und die kolumbianische Regierung hatten sich am 24. August nach jahrelangen Verhandlungen in Havanna auf den Friedensvertrag geeinigt. Seit dem 29. August ist ein Waffenstillstand in Kraft. Die Unterzeichnung durch Präsident Juan Manuel Santos und den Farc-Kommandeur ist für Montag in der Stadt Cartagena an der Karibik-Küste vorgesehen. Unter den Gästen sind 15 Staatschefs aus Lateinamerika, darunter der kubanische Präsident Raúl Castro. Erwartet werden auch der amerikanische Außenminister John Kerry, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, und Weltbank-Chef Jim Yong Kim.

          Die Waffen nieder: Mitglieder der linken Rebellengruppe Farc in El Diamante bei der Rede ihres Anführers Timoleon Jimenez.

          Der 297 Seiten starke Friedensvertrag besteht aus sechs Teilabkommen. Darin geht es um Wiedergutmachung für die Opfer des Konflikts, eine Landreform, die Entwaffnung der Rebellen, ihre Umwandlung in eine politische Partei, den Kampf gegen den Drogenhandel sowie die Umsetzung des Abkommens.

          260.000Tote seit 1964 in Guerillakrieg

          Die Farc kämpfte seit 1964 gegen Großgrundbesitzer und die Regierung des lateinamerikanischen Landes. In dem Konflikt, in den neben der Armee auch andere linke Guerillagruppen, rechte Paramilitärs und die Drogenmafia verwickelt waren, wurden mehr als 260.000 Menschen getötet, 45.000 Menschen gelten als vermisst. Sieben Millionen Menschen wurden in die Flucht getrieben. Wenn der Konflikt mit der Farc beigelegt ist, will die Regierung auch Friedensverhandlungen mit der kleineren Guerillagruppe ELN aufnehmen, die derzeit rund 1500 Kämpfer zählt.

          Die ehemalige kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die von 2002 bis 2008 von den Farc-Rebellen als Geisel festgehalten wurde, sagte der Deutschen Welle, sie habe sich „entschlossen“, ihren Peinigern zu vergeben. Die Kämpfer, die ihre Waffen abgäben, brauchten eine „legale Arbeit“ um zu überleben und sich „aus Armut und Elend zu befreien“, sagte Betancourt.

          Ein Farc-Kämpfer wurde am Freitag in Tumaco zu mehr als 33 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von umgerechnet 420.000 Euro verurteilt. Das Gericht sprach ihn schuldig, vor fünf Jahren drei Jugendliche der Volksgruppe der Awa erschossen zu haben, weil sie Gelände betreten hatten, das von der Farc beansprucht wurde.

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