https://www.faz.net/-gpf-92y72

NGO kritisiert : Friedensnobelpreis-Stiftung investiert in Atomwaffen

  • Aktualisiert am

Ein französisches Atom-U-Boot in einer Werft in Cherbourg (Archivbild). Airbus ist am Programm für die „force de frappe“ beteiligt. Bild: AFP

Die Organisation „Facing Finance“ empfiehlt dem Anti-Atomwaffenbündnis Ican, das Preisgeld des Friedensnobelpreises nicht anzunehmen. Die Nobelpreis-Stiftung reagiert.

          Die Berliner Nichtregierungsorganisation „Facing Finance“ hat dem Anti-Atomwaffenbündnis Ican empfohlen, das Preisgeld für den diesjährigen Friedensnobelpreis nicht anzunehmen. Hintergrund sind Recherchen von „Facing Finance“, der norwegischen Partnerorganisation Framtiden sowie des ZDF-Heute-Journals, demzufolge das Preisgeld unter anderem aus Investitionen in große Rüstungsfirmen stammt, die an laufenden Atomwaffenprogrammen beteiligt seien. Ein Friedensnobelpreis dürfe nicht mit Geldern honoriert werden, die aus Waffengeschäften stammten, betonte „Facing Finance“, die der Ican-Kampagne selbst angehört.

          Dass die Nobel-Stiftung in Rüstungsfirmen investiert, ist seit langer Zeit bekannt. Framtiden wirft ihr vor, bis heute über keine klaren Richtlinien für Investitionen zu verfügen, die nachhaltig und menschenrechtskonform seien.

          Dem jüngsten Jahresbericht aus dem Jahr 2016 zufolge profitiert die Nobel-Stiftung über Fonds von den Rüstungsfirmen. Zu ihnen zählen der „RAFI US Index“ und der „RAFI Europe Index“. Laut „Facing Finance“ umfassen beide eine ganze Reihe von Konzernen mit umfangreichen Rüstungssparten, aus Amerika etwa Boeing, Lockheed, Martin und Raytheon, aus Europa BAE Systems und Airbus. All diese Unternehmen seien an Atomwaffenprojekten bzw. -programmen beteiligt. Ein Sprecher des europäischen Airbus-Konzerns lehnte gegenüber FAZ.NET eine Stellungnahme ab.

          Darüber hinaus habe die Stiftung über den „T Rowe Mid Cap Fonds“ auch in den amerikanischen Waffenhersteller Textron investiert. Textron liefere nicht nur dem amerikanischen Nuklearwaffenprogramm zu, sondern produziere auch Streumunition, die inzwischen von 119 Staaten geächtet worden ist.

          Eine Sprecherin der Nobelpreis-Stiftung in Stockholm teilte auf Anfrage von FAZ.NET am Donnerstagabend mit, man habe seit der Veröffentlichung des von „Facing Finance“ zitierten Jahresberichts damit begonnen, nachhaltigere Alternativen zu den von der NGO kritisierten Fonds zu finden. Heute verfüge die Stiftung über klare Richtlinien hinsichtlich Ethik und Nachhaltigkeit. Es würden keine neuen Investitionen mehr getätigt, die gegen internationale Konventionen wie etwa gegen Streubomben verstießen oder im Zusammenhang mit Nuklearwaffen stünden.

          Weitere Themen

          Wahl-O-Mat darf wieder genutzt werden

          Nach Rechtsstreit : Wahl-O-Mat darf wieder genutzt werden

          Am Montag musste die Bundeszentrale den Wahl-O-Mat zur Europawahl abschalten – wegen eines Rechtsstreits mit der Kleinpartei Volt. Jetzt ist der Wahl-O-Mat wieder erreichbar – der Streit ist beigelegt.

          Ziemiak äußert sich zu Rezo-Video Video-Seite öffnen

          „Er hat einen Punkt getroffen“ : Ziemiak äußert sich zu Rezo-Video

          Nach dem millionenfach angeklickten Youtube-Video mit harschen Attacken auf die CDU lädt die Partei Urheber Rezo zum Gespräch. Im Dialog mit dem Youtuber sei ihm wichtig, wie junge Menschen für Politik begeistert werden könnten, sagte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak in Berlin.

          Briten und Niederländer wählen schon Video-Seite öffnen

          Europawahl-Marathon beginnt : Briten und Niederländer wählen schon

          Drei Tage vor den meisten anderen EU-Bürgern gehen Briten und Niederländer an die Urnen, um ihre künftigen Abgeordneten im Europaparlament zu wählen. In beiden Ländern dürften rechtspopulistische Parteien stark zulegen.

          Topmeldungen

          Kritik an Kramp-Karrenbauer : Wirtschaftsflügel der Union fordert Härte gegen SPD

          Die Amtsführung der CDU-Vorsitzenden sorgt in der Union zunehmend für Unruhe. Der Chef der Mittelstandsvereinigung Linnemann fordert, die CDU müsse programmatisch wieder erkennbarer sein. Im Gespräch ist etwa die Einführung eines Dienstpflichtjahres.

          Auf Youtube : CDU benutzte ungefragt Videomaterial von ARD und ZDF

          Auf ihren Youtube-Kanal warb die CDU mit Videos ihrer Politiker aus Talkshow-Auftritten in den öffentlichen Kanälen. Abgesprochen hatte sie das nicht – und damit offenbar gegen Urheberrecht verstoßen. Aufgefallen ist das einem Satiriker und Politiker.

          „Die Zerstörung der CDU“ : Das Rezo-Video im Faktencheck

          Klima, Wohlstand, Krieg und Protestkultur: Eine zornige Abrechnung wird zum Internethit. Was hält einer genaueren Betrachtung stand? Eine kritische Perspektive auf die vier zentralen Themen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.