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UN-Organisation : Friedensnobelpreis geht an Welternährungsprogramm

  • Aktualisiert am

Ein Mann im Jemen trägt einen Sack mit Nahrung des UN-Welternährungsprogramms. Bild: AFP

Mehr als 300 Kandidaten waren in diesem Jahr für den Friedensnobelpreis nominiert. Die prestigeträchtige Auszeichnung erhält nun das Welternährungsprogramm für den Kampf gegen den Hunger in der Welt.

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          Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen. Ein Sprecher der UN-Organisation sagte, dies sei ein „stolzer Moment“.  Die Organisation mit Sitz in Rom wird für ihren Einsatz im Kampf gegen den Hunger in der Welt und für bessere Friedenschancen in Konfliktregionen ausgezeichnet, wie das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo mitteilte. Das Welternährungsprogramm sei auch eine treibende Kraft in den Bemühungen, den Einsatz von Hunger als Waffe in Kriegen und Konflikten zu verhindern, sagte die Vorsitzende des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen. Die Auszeichnung soll nach ihren Worten die Hungernden in der Welt in den Fokus rücken. Schon vor der Corona-Pandemie hungerten nach UN-Angaben 690 Millionen Menschen.

          Das Welternährungsprogramm bzeichnete die Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis als Mahnung zu verstärktem Einsatz für Frieden und gegen Hunger in der Welt bezeichnet. „Dies ist eine eindringliche Mahnung an die Welt, dass Frieden und Null-Hunger Hand in Hand gehen“, schrieb die UN-Organisation am Freitag auf Twitter. „Tiefster Dank“.

          Als größte humanitäre Organisation weltweit versorgte das Welternährungsprogramm 2019 fast 100 Millionen Menschen in 88 Ländern mit Lebensmitteln. Die Organisation sei in der Lage, auch schwer zugängliche Regionen, etwa in Syrien oder im Jemen zu erreichen, erklärte das Nobelkomitee. In der Corona-Pandemie sei die Zahl der Hungernden stark gestiegen, sagte Reiss-Andersen. „Bis zu dem Tag, an dem wir einen medizinischen Impfstoff haben, ist Nahrung der beste Impfstoff gegen Chaos“, betonte sie.

          Das Welternährungsprogramm spiele eine entscheidende Rolle dabei, Ernährungssicherheit zu einem Werkzeug des Friedens zu machen. Die Organisation sei aber auf Zuschüsse angewiesen. Internationale Solidarität und multilaterale Zusammenarbeit seien notwendiger als je zuvor, doch dies werde heute weniger geachtet. „Es geht nicht nur um Essen, es geht auch darum, nachhaltige Gemeinschaften zu schaffen“, betonte Reiss-Andersen.

          Nach der Bekanntgabem, dass der Friedensnobelpreises an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen geht, gratulierte unter anderen die Bundesregierung den Preisträgern. „Die Auszeichnung hebt die überaus verdienstvolle Arbeit der Welternährungsorganisation gerade in schwierigen Zeiten der Corona-Pandemie hervor“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin, Ulrike Demmer, am Freitag in der Bundespressekonferenz in Berlin.

          Außenminister Heiko Maas (SPD) lobte auf Twitter den „unermüdliche Einsatz“ des Programms. „Das Welternährungsprogramm steht für die Verantwortung der Weltgemeinschaft für jedes einzelne Menschenleben“, schrieb Maas am Freitag. Seine Mitarbeiter seien an den gefährlichsten Orten der Welt Vorkämpfer der Menschlichkeit.

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          Im Überblick : Nobelpreisträger von 1901 bis 2020

          Im vergangenen Jahr ging der prestigeträchtige Preis an den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed, der damit vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Eritrea geehrt worden war.

          Für Abiys Nachfolge waren mehr als 300 Kandidaten im Rennen. 211 Persönlichkeiten sowie 107 Organisationen wurden nach Angaben des norwegischen Nobelkomitees fristgerecht für den diesjährigen Preis vorgeschlagen. Das entspricht der vierthöchsten Zahl an Nominierungen jemals, liegt jedoch deutlich unter dem Spitzenwert von 376 Nominierten aus dem Jahr 2016. Für die Auswahl des Preisträgers ist eine Jury zuständig, die vom norwegischen Parlament ernannt wird.

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          F.A.Z.-Serie Schneller Schlau : Der Hunger nimmt wieder zu Bild: Johannes Thielen, dpa

          Die Namen der Kandidaten werden von den Nobel-Institutionen traditionell für 50 Jahre geheimgehalten. Manche werden jedoch schon vorab von denjenigen preisgegeben, die die Nominierung eingereicht haben – das dürfen unter anderen Politiker, Akademiker und frühere Friedensnobelpreisträger. Im Frühjahr gaben zwei schwedische Abgeordnete bekannt, ihre junge Landsfrau Thunberg und die Klimabewegung Fridays for Future aufgestellt zu haben. Abgeordnete der Linksfraktion im Bundestag schlugen Wikileaks-Gründer Julian Assange sowie die Whistleblower Edward Snowden und Chelsea Manning vor. Eine norwegische Parlamentsfraktion nominierte die Bevölkerung Hongkongs für ihren Kampf für Freiheit und Demokratie.

          Ein norwegischer Abgeordneter machte zudem bekannt, den amerikanischen Präsidenten Donald Trump für dessen Engagement für das Abkommen zwischen den Vereinten Arabischen Emiraten und Israel nominiert zu haben, allerdings für den Preis 2021. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass Trump auch für die diesjährige Auszeichnung vorgeschlagen worden ist. Experten räumen ihm keine Chancen ein.

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