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Friedensnobelpreis-Kommentar : Eine gute Wahl

Mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet: Nadia Murad und Denis Mukwege. Bild: dpa / epd

Die Vergewaltigung wehrloser Frauen war lange ein bestenfalls am Rande beachtetes Kriegsverbrechen. Die Auszeichnung für Nadia Murad und Denis Mukwege ist deshalb eine Chance.

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          Der Friedensnobelpreis wird nicht für ein Lebenswerk vergeben. Er ist vielmehr eine hohe Anerkennung für einen Einsatz in jüngster Zeit, der dem Ziel dient, eine bessere, eine friedlichere Welt zu schaffen. Frühere Entscheidungen des Komitees für die Vergabe des Preises waren umstritten, diese ist es gewiss nicht.

          Denn die beiden Preisträger haben den Kampf gegen ein weitverbreitetes Kriegsverbrechen aufgenommen, das lange bestenfalls am Rande beachtet worden war, obwohl es seit Jahrhunderten zum Markenzeichen marodierender Krieger gehört: die Vergewaltigung schutzloser und wehrloser Frauen. Bei Berichten über Kriege werden stets die gefallenen Soldaten und die getöteten Zivilisten gezählt. Das Leid der vergewaltigten und traumatisierten Frauen wird statistisch aber nicht erfasst.

          Das begann sich zu ändern, als der „Islamische Staat“ 2014 im Nordirak Tausende Jesidinnen zu Sexsklavinnen machte und sie ihrer Würde beraubte. Nadia Murad war eine von ihnen. Ein Programm des Bundeslandes Baden-Württemberg nahm sich ihrer und tausend anderer versklavter Jesidinnen an. In Afrika behandelt der Arzt Denis Mukwege solche Opfer von Vergewaltigungen.

          Die Ehrung der beiden erfolgt zehn Jahre nachdem der UN-Sicherheitsrat in der Resolution 1820 sexuelle Gewalt als ein Kriegsverbrechen verurteilt hat. Einen Einfluss auf die Kriege hatte dies nicht. Unverändert sind Vergewaltigungen als ein Folterinstrument und Plünderungen wirksame Waffen, um den Feind einzuschüchtern. Die Auszeichnung der beiden Preisträger ist nun eine Chance, die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren. Sie ist zudem ein Aufruf, diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die sich dieser Kriegsverbrechen schuldig machen.

          In einem größeren Rahmen steht der diesjährige Friedensnobelpreis – jenseits des Kampfes gegen den sexuellen Missbrauch in bewaffneten Konflikten – auch für den weltweiten Protest gegen sexuellen Missbrauch im Alltag, wie er etwa in der MeToo-Debatte geführt wird. Ein anschauliches Beispiel dafür, in welcher aufgeladenen Auseinandersetzung diese Debatte geführt wird, ist in diesen Tagen der Streit über die Berufung von Brett Kavanaugh zum Richter am Obersten Gericht der Vereinigten Staaten. Der diesjährige Friedensnobelpreis hat wohl beides im Blick: Vergewaltigungen im Krieg, aber auch den sexuellen Missbrauch im Alltag.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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