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Friedensnobelpreis : „Eine Quelle der Inspiration“

  • Aktualisiert am

Glückwünsche per Handy: Maathai Bild: AP

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht überraschend an die Umweltpolitikerin Wangari Maathai aus Kenia. Die 64 Jahre alte Maathai gilt als Symbolfigur der afrikanischen Frauenbewegung.

          2 Min.

          Die kenianische Umweltschützerin Wangari Maathai erhält den diesjährigen Friedensnobelpreis. Das teilte das norwegische Nobelpreiskomitee am Freitag in Oslo mit. Das Komitee sieht in ihr „eine Quelle der Inspiration für jeden, der in Afrika für eine nachhaltige Entwicklung, Demokratie und Frieden kämpft.“

          Die 64 Jahre alte promovierte Biologin hatte 1977 mit dem „Green Belt Movement“ das größte Aufforstungsprojekt Afrikas ins Leben gerufen. Seither wurden mehr als 30 Millionen Bäume gepflanzt. Heute hat die Organisation 40 hauptamtlich beschäftigte Mitarbeiter und über 100.000 Mitstreiter in ganz Kenia. 99 Prozent von ihnen sind Frauen.

          „Sie denkt global und handelt lokal“

          Maathai setzt sich ein für eine ökologisch realisierbare soziale, ökonomische und kulturelle Entwicklung in Kenia und Afrika. Ihr Engagement für eine nachhaltige Entwicklung schließt den Kampf für die Rechte der Frauen ein. „Sie denkt global und handelt lokal“, würdigte sie das Nobelkomitee.

          Sie gilt als die berühmteste Grüne Afrikas
          Sie gilt als die berühmteste Grüne Afrikas : Bild: dpa/dpaweb

          Mit der Anerkennung von Maathais Arbeit vergab das Nobel-Komitee erstmals den renommierten Preis für den Einsatz im Umweltschutz. „Wir haben dem Frieden eine neue Dimension hinzugefügt“, sagte der Vorsitzende Ole Danbolt Mjös. Frieden auf der Welt hänge von der Bewahrung der Umwelt ab, hieß es in der Begründung für die Preisvergabe.

          Um die Ressourcen kämpfen

          Die streitbare Akademikerin war 1984 bereits mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden. Ende April erhielt sie den Petra-Kelly-Preis der Heinrich-Böll-Stiftung. Sie ist die erste afrikanische Frau, die den Friedensnobelpreis erhält, und gilt als die berühmteste Grüne Afrikas.

          Maathai sagte in ersten Reaktionen, sie habe durch den norwegischen Botschafter in Kenia von der Auszeichnung erfahren. „Ich bin absolut überwältigt, sehr glücklich, und danke Gott für alles.“ Maathai war zum Zeitpunkt der Bekanntgabe auf dem Weg zu einer Versammlung in ihrem Wahlbezirk am Mount Kenya.

          Der Schutz der Umwelt sei für den Frieden wesentlich, betonte sie. „Denn wenn wir unsere Ressourcen zerstören und sie knapp werden, fangen wir an, um sie zu kämpfen.“

          Nairobi: „ Ein großer Augenblick“

          Das Komitee würdigte auch ihren Widerstand gegen das frühere repressive Regime in Kenia. Ihre Handlungen hätten auch international auf politische Unterdrückung aufmerksam gemacht. Nach dem Regierungswechsel in Kenia Ende 2002 wurde sie ins Kabinett von Präsiden Mwai Kibaki aufgenommen.

          Die Regierung in Nairobi reagierte erfreut. Das Land fühle sich sehr geehrt. „Das ist ein großer Augenblick in der kenianischen Geschichte“, erklärte Regierungssprecher Alfred Mutua. „Dies zeigt uns, daß wahrgenommen wird, was Wangari Maathai hier geleistet hat.“

          Symbolfigur der afrikanischen Frauenbewegung

          Die 1940 geborene Maathai war die erste Frau Ostafrikas, die den Doktortitel erwarb. Sie studierte in den Vereinigten Staaten und promovierte am Mount St. Scholastica College im amerikanischen Bundesstaat Kansas in Biologie. In den Sechziger Jahren wurde sie zur Symbolfigur der kenianischen und afrikanischen Frauenbewegung.

          Sie kombiniere, so das Komitee, Wissenschaft mit sozialem Engagement und aktiver Politik. Maathai werbe „mit starker Stimme für Frieden und gute Lebensbedingungen in Afrika“, urteilte das Kommite und würdigte besonders das Aufforstungsprojekt „Green Belt Movement“, mit dem sie seit fast 30 Jahren arme Frauen motiviert, Bäume zu pflanzen. Mit dieser Bewegung setzt sie sich ein für Familienplanung, Erziehung, Ernährung und den Kampf gegen Korruption auf dem afrikanischen Kontinent.

          Auch durch ihre Inhaftierung in Aden Anfang der Neunziger Jahre ließ sich Wangari Maathai nicht von ihrem Weg für die ökologische und soziale Entwicklung Afrikas abbringen. Politische Bedrohungen und Einschüchterungsversuche hielten sie nicht davon ab, für Bürgerrechte und die Unabhängigkeit von Frauen zu kämpfen.

          Vor Maathai erhielten bereits sechs Afrikaner den Friedensnobelpreis, allesamt Männer. Dazu zählen UN-Generalsekretär Kofi Annan sowie die Südafrikaner Nelson Mandela und Frederik de Klerk. Das Nobel-Komitee mußte in diesem Jahr unter einer Rekordzahl von 194 Nominierungen entscheiden. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an die iranische Menschenrechtsaktivistin Schirin Ebadi. Der mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierte Preis wird am 10. Dezember übergeben.

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