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Friedenseinsatz : 60 deutsche Soldaten in Kabul am 22. Dezember einsatzbereit

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Vor einer heiklen Mission: Bundeswehr-Soldaten Bild: dpa

Am 22. Dezember werden zur Aufnahme der Arbeit der neuen afghanischen Regierung die ersten 50 bis 60 Soldaten der Bundeswehr in Kabul als Vorauskommando einsatzbereit sein.

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          Am 22. Dezember werden zur Aufnahme der Arbeit der neuen afghanischen Regierung die ersten 50 bis 60 Soldaten der Bundeswehr in Kabul als Vorauskommando einsatzbereit sein. Das Vorauskommando solle den Einsatz der etwa 1.500 deutschen Soldaten in der Region von Kabul vorbereiten, hieß es in Militärkreisen in Berlin. „Die 60 Soldaten stehen bereits zum Abflug bereit“, sagte ein Offizier.

          Die von der Bundesregierung zugesagte Beteiligung der Bundeswehr im Umfang von 1.500 Soldaten an der UN-Friedenstruppe besonders für den Schutz der Regierung in Kabul wird jedoch nach Aussage der Offiziere „noch ein wenig auf sich warten lassen“. Wenn das UN-Mandat offiziell erteilt ist, müssen die Verbände für die internationale Truppe noch aus einzelnen Einheiten der Bundeswehr zusammengestellt werden. Sie müssen dann gemeinsame Übungen absolvieren. Insgesamt soll die Friedenstruppe rund 8.000 Soldaten aus mehreren Ländern umfassen.

          Gebirgsjäger nicht dabei

          Wie zu erfahren war, werden sich an der Afghanistan-Truppe von deutscher Seite hauptsächlich Fernmelder, Sanitäter, Nachschub- und Instandsetzungsspezialisten sowie Pioniere und Aufklärer beteiligen. Gebirgsjäger werden nicht dabei sein. Der Schiffskonvoi der deutschen Marine soll am 2. Januar von Wilhelmshaven aus in See stechen.

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          Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat für kommenden Donnerstag eine Sondersitzung einberufen, damit das Parlament über eine deutsche Beteiligung an einer UN-Friedenstruppe entscheiden kann. Bedingung sei, dass der UN-Sicherheitsrat und das Bundeskabinett rechtzeitig vorher die UN-Mission beschließen, sagte Thierse am Freitag zum Auftakt der regulären Bundestagssitzung. Unter dieser Voraussetzung sollen die Bundestagsfraktionen am Mittwoch über die Entsendung beraten. Wann der Sicherheitsrat in New York über die Friedenstruppe entscheidet und wie groß diese beziehungsweise das deutsche Kontingent sein soll, war zunächst weiter unklar.

          Soldaten auf Abruf in Deutschland

          Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) hatte bereits am Donnerstag abgekündigt, Deutschland werde im Kampf gegen den Terror „in den ersten Januar-Tagen 2002“ Marineeinheiten in die Krisenregion verlegen - „wahrscheinlich in die Region der arabischen Halbinsel“. Dort sollen Lufttransporte geleistet und Verwundete evakuiert werden. Scharping sagte: „Auch die ABC-Abwehrtruppe ist ausgebildet und zusammengestellt. Sie kann ebenfalls in diese Region verlegt werden.“ Die meisten Soldaten würden jedoch „auf Abruf in Deutschland bleiben“. Scharping widersprach Berichten, wonach Bundeswehrsoldaten auch außerhalb Kabuls eingesetzt werden könnten. Dies treffe weder für deutsche Soldaten noch für Soldaten anderer Länder zu.

          Elitesoldaten schon unterwegs?

          Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung" sind ungefähr 100 deutsche Soldaten des im baden-württembergischen Calw stationierten Kommando Spezialkräfte (KSK) bereits am Montagmorgen zu einem geheimen Einsatz auf die arabische Halbinsel aufgebrochen, offenbar ins Sultanat Oman. Vorgesehen sei eine Einsatzdauer von vier bis sechs Monaten. Ein Sprecher des Heeresführungskommandos wollte dies „weder bestätigen noch dementieren“. Mit Blick auf die KSK-Einheiten sagte Scharping der „Bild“-Zeitung: „Spezialkräfte müssen gemeinsam mit anderen Spezialkräften trainieren und Einsätze vorbereiten. Als Mitglieder internationaler Hauptquartiere waren unsere Soldaten für kurze Zeit in Afghanistan. Ähnliches kann ich auch für die Zukunft nicht ausschließen."

          Die "Stuttgarter Nachrichten" berichteten, deutsche Spezialkräfte seien "unterwegs", um geflüchtete oder sich versteckt haltende Kämpfer des mutmaßlichen Terroristenführers Usama bin Ladin zu jagen. Das Verteidigungsministerium wollte auch diese Meldung nicht bestätigen.

          Unklarheiten zwischen Briten und Amerikanern

          In New York wurde aus diplomatischen Kreisen bekannt, dass der Sicherheitsrat nicht vor dem kommenden Wochenende beschließen werde. Grund dafür seien Unklarheiten zwischen Amerikanern und Briten über die „Abstimmung der Kommandostrukturen“. Mit dieser Lesart ist die Abstimmung zwischen dem US-Militär auf der Suche nach Terroristenführer Usama bin Ladin auf der einen Seite und der internationalen Schutztruppe unter britischer Führung auf der anderen Seite gemeint.

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