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Frauen in Indien und Pakistan : Die unterdrückten Dienerinnen

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Über alle ethnischen, religiösen und kulturellen Grenzen hinweg wird Frauen die Rolle von unmündig Dienenden zugewiesen und als gesellschaftsfähig anerkannt. Ohne ihre aufopfernde Arbeit würde eine überwältigende Mehrheit der Männer in Indien und Pakistan hilflos wie kleine Kinder dastehen und allmählich verwahrlosen. Ihre Ohnmacht diesbezüglich ist offensichtlich, und dennoch strahlen sie ein Bewusstsein von Überlegenheit aus.

Eine Bekannte von mir in Pakistan hat minutiös all die Arbeiten aufgezählt, die Ehefrauen in Indien und Pakistan von Sonnenaufgang bis spät in die Nacht verrichten. Sie ist mit der Wirklichkeit beider Länder vertraut, weil sie sich auch wissenschaftlich damit beschäftigt. Ihre Schlussfolgerung: Alles würde zusammenbrechen, wenn die Frauen – nicht nur des Subkontinents – für die Dauer von mehreren Stunden, beginnend mit dem Sonnenaufgang, unauffindbar verschwinden würden. Die Infrastruktur in allen Lebensbereichen würde spontan kollabieren. Nur die ganz Reichen mit ihrer Dienerschaft könnten davonkommen.

Die Bekannte ist der Überzeugung, dass nur so die männlichen Herrschaften leibhaftig erfahren würden, welche verschwindende Rolle sie tatsächlich bei dem Aufrechthalten der obwaltenden Alltagswirklichkeit spielen. Gewiss, sie finanzieren ihre Familien, doch Frauen können dies genauso gut, wenn sie die Chance dazu bekommen. In zahlreichen Berufen sind Frauen auch in Indien und Pakistan erfolgreich tätig. Eine Minderheit zwar, doch genauso effizient wie die männlichen Berufsgenossen.

Die Mehrheit der Männer hat es nicht gerne, soziale Verantwortung zu übernehmen. Ihren Infantilismus können sie jedoch blitzschnell abstreifen und zu Barbaren mutieren. Meint meine Bekannte.

In der Tat vergeht kein Tag in Indien oder Pakistan ohne die brutale Ausübung männlicher Gewalt gegenüber Frauen. Sie manifestiert sich nicht nur in der Beschämung, Versklavung und Erniedrigung der Frauen. Während die Kühe vom hinduistischen Gebot der Gewaltlosigkeit profitieren, werden Frauen vergewaltigt, ermordet, mit Benzin begossen und angezündet. Die pakistanischen Männer wollen nicht tatenlos daneben stehen und erweisen sich der männlichen Gattung Indiens ebenbürtig. Selbst in Deutschland werden jährlich Hunderttausende Frauen Opfer von männlicher Gewalt, auch mit tödlichem Ausgang.

Anmaßende Würde der Frau

Wie Frauen vor den Augen ihrer eigenen Kinder geschlagen, getreten und bespuckt werden, habe ich als Kind selbst erlebt. Unsere Nachbarn konnten ihren Frauen den Samen spenden, sie jedoch nicht respektieren. Offensichtlich entglitt ihnen jegliche Kontrolle über sich selbst, weil sie die Würde ihrer Frauen als anmaßend empfanden.

Tatsächlich strahlten ihre Frauen Güte und Sanftmut aus. Während die Männer sie schlugen, heulten ihre Kinder, meine Spielfreunde, ohnmächtig auf. Weinend stand ich da und verspürte das heftige Zittern meiner Beine.

In Pakistan gibt es Frauengefängnisse. Vor den Toren dieser Gefängnisse stehen oft unschuldige Frauen und betteln darum, aufgenommen zu werden. Denn Frauenhäuser gibt es im Land der Reinen – das bedeutet das Wort „Pakistan“ – nicht. Im Gefängnis, so stellen sich diese Frauen vor, könnten sie nicht so leicht Opfer männlicher Willkür werden.

Trotzdem sind es überwiegend Frauen, die auf die Straße gehen, um gegen den Terror der Islamisten zu protestieren. Die Mehrheit der Männer dagegen zieht es vor, ihr Mitleid vor den Toren der Moscheen abzugeben. Unerschüttert vom allgegenwärtigen Terror, unterwerfen sie sich fünfmal am Tag dem barmherzigen Allah.

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