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Frankreichwahl : Die Favoriten schwächeln

  • Aktualisiert am

In Umfragen vorn: Chirac, Jospin, Chevenement, Le Pen Bild: AP

Am Sonntag ist die erste Runde der französischen Präsidentenwahl. Der Ausgang des Rennens so ist ungewiss wie seit 20 Jahren nicht mehr.

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          Die Favoriten schwächeln auf der Zielgeraden. Der französische Staatschef Jacques Chirac und Premierminister Lionel Jospin dürften zwar allen Umfragen zufolge die erste Runde der Präsidentschaftswahl am Sonntag gewinnen und sich für die Stichwahl zwei Wochen später qualifizieren. Doch fast 60 Prozent der Wähler können sich für keinen der beiden Kandidaten erwärmen.

          Die meisten Wähler wollen für einen der anderen 14 Kandidaten stimmen, auch wenn dieser bei der Entscheidung im zweiten Wahlgang nicht mehr dabei ist. Zudem dürfte die Wahlbeteiligung so niedrig sein wie nie zuvor bei einer Präsidentschaftswahl.

          Jospin fällt zurück

          Im Zweikampf um die „Pole-Position“ für den 5. Mai hat der Neogaullist Chirac die Nase vorn. Dabei kann der 69-Jährige laut Umfragen schon froh sein, wenn er am Sonntag 22 Prozent erreicht. Sein Vorgänger François Mitterrand profitierte bei seiner Wiederwahl 1988 kräftig vom Amtsbonus des Präsidenten und erzielte im ersten Wahlgang 34 Prozent.

          Noch düsterer sieht es derzeit für den fünf Jahre jüngeren Sozialisten Jospin aus. Der Regierungschef ist in allen Umfragen unter die psychologisch wichtige 20-Prozent-Marke gerutscht. Das wäre ein deutlich schlechteres Ergebnis als das seiner Partei bei der Parlamentswahl 1997 (25,5 Prozent) und sein eigenes bei der Präsidentschaftswahl vor sieben Jahren (23,3 Prozent). Jospin hat deshalb seine Strategie geändert. Zielte er zunächst direkt auf den zweiten Wahlgang und auf die Wähler der Mitte (“Mein Projekt ist kein sozialistisches“), schlägt er nun wieder verstärkt linke Töne an.

          Gleiche Fernsehzeit für „kleine“ Kandidaten

          Hinter den beiden Platzhirschen sind die so genannten kleinen Kandidaten im Kommen. Sie hätten besonders davon profitiert, dass ihnen nun in Fernsehen und im Radio die gleiche Sendezeit eingeräumt werden muss, erklärt Jean-Luc Parodi vom Meinungsforschungsinstitut IFOP. Die Franzosen haben einige Kandidaten erst jetzt entdeckt. Der junge Trotzkist Olivier Besancenot oder der Vertreter der Jagdlobby, Jean-Saint Josse, heben sich mit ihrer einfachen Sprache und einem ungekünstelten Auftreten für viele wohltuend von den altgedienten Politprofis Chirac und Jospin ab.

          Auch der Zentrumsdemokrat François Bayrou ist im Aufwind: Er verpasste vor laufenden Fernsehkameras in der Straßburger Vorstadt Meinau einem Jungen eine Ohrfeige, der ihn im Gedränge bestehlen wollte. Die Tätlichkeit wurde im sonst langweiligen Wahlkampf viel diskutiert und brachte Bayrou mehr Zustimmung als Kritik.

          Rechtsexremist Le Pen dritter?

          Die Umfrageergebnisse für die Kandidaten aus der zweiten Reihe variieren stark. Auf dem dritten Platz scheint sich der Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen festzusetzen, dem zwischen 9,5 und 13 Prozent der Stimmen vorhergesagt werden. Dahinter dürften sich die Trotzkistin Arlette Laguiller und der Linksnationalist Jean-Pierre Chevènement platzieren.

          Bei dieser bunten Vielfalt - noch nie bewarben sich so viele Kandidaten - sei es nahezu unmöglich, Vorhersagen für das Wählerverhalten bei der entscheidenden Stichwahl am 5. Mai zu machen, notierte die Tageszeitung „Libération“. „Was machen dann Protestwähler, die für die Trotzkistin Laguiller oder Le Pen gestimmt haben?“, fragt der stellvertretende Direktor des Deutsch-Französischen Instituts, Henrik Uterwedde. „Und wer bleibt bei der zweiten Runde einfach zu Hause?“

          Chirac wieder leichter Favorit

          Die Meinungsforschungsinstitute sehen derzeit wieder Chirac als leichten Favoriten für die Stichwahl. Allgemein wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet. „Es ist so spannend wie seit 1981 nicht mehr“, sagt Uterwedde. Damals schaffte Mitterrand den historischen Triumph über Valéry Giscard d'Estaing und wurde als erster Sozialist Staatspräsident der Fünften Republik.

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