Nach Le Pens Triumph : Sieg des Front National ist kein Betriebsunfall
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Anhänger des Front National feiern den Sieg der Partei nach dem ersten Wahlgang der Regionalwahlen. Viele von denen, die andere Parteien oder gar nicht gewählt haben, sind resigniert. Bild: dpa
Mit dem Sieg des Front National bei den Regionalwahlen ist Frankreich nach rechts gerückt. Weil die etablierten Parteien in der Dauerkrise versagen, reagieren viele Franzosen darauf mit Resignation. Eine Analyse.
Frankreich wählt Front National – und schämt sich nicht. Am Tag nach dem triumphalen Ergebnis von 27,96 Prozent der Wählerstimmen (laut Innenministerium) regt sich kaum Widerstand gegen den angekündigten Sieg der Partei Marine Le Pens in mehreren Regionen. Anders als 2002, als Jean-Marie Le Pen überraschend in die entscheidende zweite Runde der Präsidentenwahl gelangte, ist der Erfolg des FN kein Betriebsunfall mehr.
Eine Mehrheit der Franzosen hat angesichts des schier unaufhaltsamen Aufstiegs des FN resigniert. Das ist vor allem auf das Versagen der etablierten Parteien zurückzuführen, das Land zu reformieren, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, soziale Aufstiegschancen zu schaffen und den Abwärtstrend der französischen Industrie zu beenden.
Der FN, der Abschottung und nationale Rückbesinnung fordert, ist inzwischen tief in der Wählerschaft verwurzelt. Schon vor den Terroranschlägen lag er im Aufwind. Nach den entsetzlichen Ereignissen des 13. November sahen viele Franzosen Marine Le Pens düstere Prophezeiungen bestätigt. In sechs von 13 Regionen liegt der FN nun vorn, teils mit einem Vorsprung von mehr als zehn Prozentpunkten vor den etablierten Parteien wie in der Mittelmeerregion und im Norden.
Das „Aufbäumen“ der Demokraten gegen die extreme Rechte ist am Montag ausgeblieben. Der sozialistische Parteivorsitzende Jean-Christophe Cambadélis hat nach dem Ergebnis von 23,3 Prozent landesweit den Rückzug der sozialistischen Kandidaten in gleich drei wichtigen Regionen – im Norden, am Mittelmeer und im Osten – angeordnet. Mit diesem Befehl aus der Parteizentrale in Paris können die meisten Wähler jedoch nichts anfangen. In der Mittelmeerregion Paca etwa sollen Linkswähler im zweiten Wahlgang am nächsten Sonntag für den Republikaner Christian Estrosi stimmen.
Gezerre um den zweiten Wahlgang kommt FN-Kandidaten zugute
Der Bürgermeister von Nizza ist für sein rechtslastiges Vokabular bekannt, das die FN-Kandidatin Marion Maréchal-Le Pen wie eine Klosterschülerin aussehen lässt. In der Ostregion „Elsass-Champagne-Ardenne-Lothringen“ sträubt sich der sozialistische Spitzenkandidat Jean-Pierre Masseret noch gegen die Order aus Paris. Das Gezerre um den zweiten Wahlgang kann eigentlich nur dem FN-Kandidaten Florian Philippot zugutekommen.
Aber auch der frühere Präsident und Vorsitzende der Republikaner, Nicolas Sarkozy, steht in der Kritik. Sarkozy hat noch am Wahlabend den Eindruck erweckt, als gebe es zwischen Front National und Sozialisten keinen Unterschied. Er ermahnte die Kandidaten seiner Partei, sich nicht zurückzuziehen oder Wahlbündnisse zu schließen, um einen Sieg des FN im zweiten Wahlgang zu verhindern. Doch mit einem Stimmanteil von 26,89 Prozent geht die bürgerliche Rechte geschwächt ins Rennen. Als „Bollwerk“ gegen den FN hat Sarkozy ausgedient.
Dennoch behandelt der frühere Präsident die FN-Wähler wie verirrte Kinder, die durch gutes Zureden zurück zu Vater Sarkozy kommen. Damit entzieht sich der Parteichef der Verantwortung, die er auf sich geladen hat, als er sein Reformmandat zwischen 2007 und 2012 verfehlte. Es sieht ganz danach aus, als solle Frankreich dauerhaft nach rechts rücken. Der Vormarsch des FN in die Regionen könnte erst die erste Etappe darstellen.