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Frankreich : Linke erobert Paris, verliert aber im Land

  • Aktualisiert am

Historische Chance (Delanoe) Bild: dpa

Historischer Sieg der Linken: Hochrechnungen zufolge dürfte sie nach Jahrzehnten erstmals wieder das Pariser Rathaus erobert haben. Landesweit aber verzeichnete die Linke herbe Niederlagen.

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          Das rotgrüne Bündnis in Paris wird nach den ersten Hochrechnungen künftig die Mehrheit im Stadtrat und den Bürgermeister in der französischen Hauptstadt stellen. Das wäre ein hisorischer Sieg.

          Dies ergaben Auswertungen der Wahlinstitute in vier Bezirken. Sie gelten als Schlüssel-Arrondissements für die Entscheidung in der zweiten Runde der Kommunalwahlen. Landesweit zeichnete sich jedoch eine schwere Niederlage der Linksparteien der Regierungskoalition von Premierminister Lionel Jospin ab, deren
          Kandidaten mehrere Hochburgen an die rechtsbürgerliche Opposition verloren.

          Erstmals übernimmt demnach die Linke unter ihrem Spitzenkandidaten Betrand Delanoe von den Neogaullisten des Präsidenten Jacques Chirac die Regierung des französischen Machtzentrums. Sie dürfte zwischen 82 und 95 der 163 Sitze im Stadtrat erhalten.

          Niederlagen der Linken in vielen Städten

          Im Gegenzug musste die „pluralistische Linke“ Jospins landesweit eine schwere Schlappe hinnehmen. In Straßburg zeichnete sich eine Niederlage der sozialistischen Bürgermeisterin Catherine Trautmann ab. Mehrere mittlere Städte wie Nimes, Aix-en-Provence, Orleans, Blois, Chartres und Rouen, die seit Jahren links regiert wurden, wurden von den Rechten erobert.

          Mehrere prominente Kabinettsmitglieder der Regierung Jospin mussten Wahlschlappen einstecken. Die amtierende Arbeitsministerin Elisabeth Guigou scheiterte mit dem Versuch, das konservative Avignon für die Sozialisten zu gewinnen. Bildungsminister Jack Lang verlor im mittelfranzösischen Blois seinen Bürgermeisterposten, den er schon zwei Legislaturperioden lang innehatte. Einen Erfolg für die Linken verzeichnete die ehemalige Arbeitsministerin Martine
          Aubry, die im nordfranzösischen Lille den Sieg errang.

          In der Hauptstadt hatte sich nach der ersten Wahlrunde die Möglichkeit aufgetan, dass erstmals seit 130 Jahren die Sozialisten wieder die Stadt regieren. Ihr Kandidat Bertrand Delanoe gewann in der ersten Runde mit rund 32 Prozent der Stimmen deutlich vor dem neo-gaullistischen Kandidaten Philippe Seguin von der RPR, der 23 Prozent der Stimmen erhielt. Der bisherige Pariser Bürgermeister Jean Tiberi hatte nur 17 Prozent erhalten. Seguin und Tiberi hatten sich heftige Kontroversen geliefert. Delanoe hatte sich am Tag nach der ersten Runde die Unterstützung der Grünen zugesichert, die 14 Prozent erzielt hatten.

          Weitere Kopf-an-Kopf-Rennen

          Auch in anderen großen französischen Städten wie Lyon und Toulouse wurden spannende Kopf-an-Kopf-Rennen um das Bürgermeisteramt erwartet. In beiden Städten hatten sich die Sozialisten gute Chancen auf den Sieg über die Konservativen ausgerechnet. Die bei der ersten Wahlrunde von Beobachtern erwartete „rote Welle“ für das Land war indes ausgeblieben.

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