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François Hollande : Der Herausforderer

  • -Aktualisiert am

Der Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten Hollande wirkt versöhnlich und weich - er wird nun zeigen müssen, dass er die Härte besitzt, den politischen Marathonlauf bis zur Wahl in einem halben Jahr durchzuhalten.

          Vor einem Jahr hätte niemand auch nur einen Centime darauf gewettet, dass François Hollande Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten würde. In seinen elf Jahren als "Erster Sekretär" der Partei hatte er als wandelnder Vermittlungsausschuss die Kluft zwischen den Flügeln der Partei mit papierenen Kompromissen überbrückt und zwischen ihren persönlich verfeindeten, rivalisierenden Führungsfiguren ("Elefanten") vermittelt. Hollande übergab die Partei seiner Nachfolgerin Martine Aubry dennoch in einem trostlosen Zustand und verschwand in der Versenkung.

          Sein Wiederaufstieg hat deshalb etwas Mysteriöses, auch wenn ihm zugute kam, dass der haushohe Favorit Strauss-Kahn durch seine New Yorker Affäre außer Gefecht gesetzt war und die jetzt in der Stichwahl unterlegene Parteivorsitzende Aubry lange den Eindruck machte, als ob sie zum Jagen - sprich: zur Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur - getragen werden müsse. Ob die Partei nun geschlossen hinter Hollande steht, werden die kommenden Wochen zeigen.

          Das Vorwahlspektakel mit hoher Mobilisierung hat die Schlagzeilen wochenlang beherrscht und den Sozialisten Aufmerksamkeit und Auftrieb verschafft. Doch die eigentliche Wahl findet erst in einem guten halben Jahr statt. Über einen so langen Zeitraum den Schwung zu bewahren, ist keine einfache Aufgabe, zumal Sarkozys Truppen jetzt ein Ziel vor Augen haben, auf das sie sich einschießen können. Der versöhnliche, weich wirkende Hollande wird nun zeigen müssen, dass er die Härte besitzt, diesen politischen Marathonlauf durchzuhalten.

          Seine nächste Aufgabe wird sein, um die zerfaserte Linke jenseits der Sozialisten zu werben. Hollande wird eine grüne Gegenkandidatin haben, und die Linkspartei hat sich mit den Kommunisten auf einen gemeinsamen Bewerber geeinigt. So wird es im ersten Wahlgang zu einer Zersplitterung der linken Stimmen kommen. Ob Hollande, eher Sozialdemokrat als Sozialist, diese Wähler in einer Stichwahl auf seine Seite ziehen kann, ist nicht gewiss. Allerdings ist er der Kandidat, der die meisten Chancen hat, auch Stimmen in der Mitte zu gewinnen. Der größte Pluspunkt für den Herausforderer bleibt jedoch die Unpopularität des derzeitigen Präsidenten. Aber auch Sarkozy hat noch sechs Monate Zeit - um das Blatt zu wenden.

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