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In eins nun die Hände: Markus Söder und Friedrich Merz Bild: dpa

Fraktur : In eins nun die Hände

CDU und CSU scheuen nicht vor einem Symbol zurück, das an die SED erinnert. Doch warum fiel Merz der Schal aus der Hand?

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          Ist Händeschütteln schon wieder zeitgemäß? Oder müsste man angesichts der Weltlage nicht permanent die Hände über dem Kopf zusammenschlagen? Das könnte in Zeiten wie diesen ein neues, unverwechselbares Begrüßungsritual werden. CDU und CSU dagegen haben sich neulich auf dem Parteitag in Augsburg entschieden, diesbezüglich nichts zu überstürzen, sondern zur Tra­dition des Sich-die-Hand-Ge­bens zurückzukehren.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Immerhin. Schließlich ist es noch nicht so lange her, dass beide Seiten sich allerhöchstens noch gegenseitig ihre Allerwertesten zuwandten. Unter Primaten gilt das übrigens als untrügliches gegenseitiges Erkennungszeichen. Hier würden wir gerne abschweifen, müssen aber zum Thema zurückkehren.

          Hat Merz den Schal gezielt losgelassen?

          Das Franz-Josef-Strauß-Haus jedenfalls ließ vor lauter Freude über den neuen Frieden spontan einen symbolischen Händedruck auf einen Fan-Schal zwischen die Logos beider Parteien sticken. Doch damit ging der Ärger schon wieder los. Oder wie ist es zu interpretieren, dass dem CDU-Vorsitzenden Merz der Schal ausgerechnet in dem Moment aus der Hand rutschte, als der CSU-Vorsitzende Söder rief „Lasst uns zusammenhalten!“? Hatte Merz gar gezielt losgelassen? Das ist doch mal ein lohnendes Diplom-, Verzeihung, Masterarbeitsthema für angehende Psychologen und Politikwissenschaftler: „Der Haftkoeffizient von Parteivorsitzenden-Händen im Spannungsfeld zwischen öffentlicher Formwahrung und innerem Widerwillen.“

          Im Osten der Republik hatten die Leute angesichts des Logo-Schals der Union auch eine Art Déjà-vu, war doch der Händedruck jahrzehntelang das Symbol der SED, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, zu der sich KPD und SPD 1946 völlig freiwillig zusammengeschlossen hatten. „In eins nun die Hände!“, lautete damals die Parole, die für Mitglieder, die sich weigerten, früher oder später „Hände hoch!“ bedeutete.

          Aber das alles kann die Unionsführung selbst 32 Jahre nach der Wiedervereinigung nicht wissen. Die CDU glaubt ja auch bis heute, dass ihre ostdeutsche Schwester, mit der sie 1990 bedingungslos eine Einheit bildete, in der DDR handfesten Widerstand geleistet habe. Geschichtsunterricht wird einfach überbewertet.

          Schon wieder alles wie früher?

          Die Erfahrung jedenfalls lehrt, dass sich öffentlich demonstrierte Einigkeit oft umgekehrt proportional zum tatsächlichen Zustand verhält. Weshalb wiederum diejenigen im Osten, die jetzt immer wieder montags auf die Straße gehen und sich dort mit Handschlag begrüßen, den symbolischen Unions-Händedruck sofort als Bestätigung ihrer Behauptung empfinden, es sei schon wieder alles wie früher.

          Abgesehen davon, dass sich einige Demonstranten explizit eine Rückkehr in die Vergangenheit wünschen – manche nur zu Wilhelm Pieck, andere zu Kaiser Wilhelm –, stimmt der Vorwurf, bezogen auf eine Vereinigung von CDU und CSU, so natürlich nicht. Denn es gibt Nuancen, zum Beispiel beim möglichen Namen.

          So könnte die vereinigte Partei „Christsozialdemokratische Union“ oder auch „Einheitspartei“ (CSDE) heißen. Doch braucht man gerade in diesen Zeiten etwas Handfestes, weshalb „Einheizpartei“ bestimmt auch gut ankäme. Dieser Name unterstriche einerseits, als Opposition der Regierung Feuer unterm Hintern zu machen, und andererseits, die Sorgen und Nöte der Menschen da draußen (nur echt mit imagi­niertem tiefen Seufzer) ernst zu nehmen. Man könnte auch dem Alliterationsaffen Zucker geben und der neuen Großpartei den doppelt wummernden Slogan „Warme Wohnung statt Wutwinter“ aufs Panier schreiben. Gemeinsam mit dem Händedruck-Symbol wäre die Partei darüber hinaus auch für weitere Krisen, etwa Pandemien, bestens präpariert. Nur an den dazu gedachten Spruch „Eine Hand wäscht die andere“ müsste man wohl noch mal ran.

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