https://www.faz.net/aktuell/politik/fraktur/wenn-schon-corona-dann-bei-aiwanger-anstecken-18143981.html

Fraktur : Ausgerechnet Aiwanger!

Hat Corona – und hat recht: Hubert Aiwanger Bild: Sven Simon

Ist es besser, Corona vom bayerischen Wirtschaftsminister zu bekommen als von Martin Semmelrogge? Oder ist schon die Frage ungehörig?

          2 Min.

          Welt- und Zeitgeschichte bersten vor Ironie und Sarkasmus. Anders kann man nicht erklären, warum Olaf Scholz, der im Wahlkampf „Respekt für dich“ plakatiert hatte, die Frage einer Journalistin, ob er konkretisieren könnte, welche Sicherheitsgarantien die G7 der Ukraine geben, mit einem „Ja, könnte ich“ ins Leere laufen ließ, um nun allen Ernstes an einem Format teilzunehmen, das den Titel trägt „Du fragst – Olaf Scholz antwortet!“

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Das ist ungefähr so ironisch, wie wenn es eine Partei gäbe, die immerzu „Marktwirtschaft oder Tod!“ ruft und dann einen Tankrabatt be­schließt. Oder einen grünen Klimaschutzminister, der Kohlekraftwerke wieder anfeuern lässt.

          Einen besonders perfiden Spaß scheint sich die Geschichte nun mit Hubert Aiwanger erlaubt zu haben. Das ist der bayerische Wirtschaftsminister, der vor einem Jahr auf seinem Sommerempfang für Topjournalisten vor einer „Apartheidsdiskussion“ im Zusammenhang mit Impfskeptikern ge­warnt hatte. Am Montag gab er wieder einen Empfang. Der war gut besucht. Von Apartheid konnte jedenfalls keine Rede sein, zumal Aiwanger mittlerweile ja auch selbst geimpft ist. Einen Tag später verkündete er zu­frieden, das bayerische Kabinett habe sich seiner Ansicht angeschlossen, wonach man im ÖPNV nur noch OP-Maske statt FFP-2-Maske tragen müsse. Einen weiteren Tag später kam dann die Nachricht: Aiwanger positiv auf Corona getestet.

          Bevor Sie sich nun am heimischen Frühstückstisch vor Empörung die FFP-2-Maske vom Gesicht reißen, klä­ren wir erst mal die Frage, ob man ein so ernstes Thema wie Corona überhaupt mit den Mitteln der Ironie behandeln darf. Aber ja! Die Ge­schichte ist schließlich eine Ansammlung von Herausforderungen, die Menschen nur mit viel Ironie ertragen können: Flughafen-Chaos, Kriege, Affenpocken, Trachten-Zoff. Lachen ist da die beste Medizin. Jeder Arzt weiß das. Und wenn jetzt Witze über Corona gemacht werden, kann man davon ausgehen, dass die Pandemie vorbei ist. Die FDP hat das schon vor Jahren erkannt.

          Hier vergleicht sich der Autor mit den Documenta-Machern

          Davon abgesehen lacht am besten, wer über sich selbst lacht. Heißt: Wer Aiwanger am Montag zwei Stunden im angeregten Gespräch über Gott und Söder gegenübersaß, also selbst Betroffener sein könnte, der darf nun auch eine Glosse darüber schreiben. Schließlich gilt es, aus jeder Lage das Beste zu machen, so wie die Macher der Documenta, die jedes eigene Versagen flugs zum Mahnmal für die Fehlbarkeit des Menschen umwidmen. Oder so ähnlich. Im Übrigen: Was heißt hier Be­troffener? Der Moderator Micky Beisenherz hat mal mit gewissem Stolz gemutmaßt, dass er sich Corona von Martin Semmelrogge geholt hat. Nichts gegen Semmelrogge – aber ist es nicht die noch bessere Story, wenn man „es“ von Aiwanger bekommen hat? Ausgerechnet!?

          Überhaupt dürfte der Minister bei – hoffentlich! – rascher Genesung als Gewinner aus der Nummer hervorgehen. Sollte sich tatsächlich einer der Topjournalisten mutmaßlich bei ihm angesteckt haben, kann er immer noch mit dem Finger auf die Party der Jungen Union Bayern am Dienstag zeigen (sie machte im Beisein Söders dem alten und brandneuen Parteimotto „Näher am Menschen“ alle Ehre) oder auf die der Landtags-Grünen am Mittwoch, die jeweils auch von Topjournalisten besucht wurden, die davor bei Aiwanger waren.

          Der Freie-Wähler-Chef hat öfter be­klagt, es gebe noch nicht genügend Daten über die Pandemie – nun hat er selbst einen wichtigen Beitrag geleistet. Egal wie seine „München-Studie“ ausgehen wird, sie wird ihm recht geben. Sollten sich viele der natürlich voll durchgeimpften Topjournalisten angesteckt haben, weiß man, dass das mit der Impfung doch nicht so doll ist. Eben das hatte Aiwanger vorhergesagt. Wenn sich keiner angesteckt hat, bestätigt das seine Ansicht, dass die Gastronomie nun wirklich nicht der Pandemietreiber ist.

          Bei Redaktionsschluss war übrigens noch nicht ganz klar, ob der Autor wirklich an Geschmacksverlust leidet und sein Text womöglich ein erster Hinweis darauf ist. Das mögen nun die hochgeschätzten Le­ser entscheiden.

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