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Fraktur : Baerbock gegen Bismarck

Reichsbürger auf dem Marsch zum Reichstag? Es könnten auch Diplomaten darunter sein. Bild: Wilhelm Busch

Warum zögert die Außenministerin noch damit, das ganze Auswärtige Amt umzubenennen? Sind auch Diplomaten „Reichsbürger“?

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          Als am Donnerstag der Handyalarm losging, dachten wir zuerst, einen Termin beim Zahnarzt verdrängt zu haben. Oder das unangenehme Tuten sei eine Erinnerung daran, die Serie über die Sussexes nicht zu verpassen, die im Buckingham-Palast in den Abgrund des Rassismus geblickt hatten und vor ihm in die einstigen Kolonien flüchten mussten. Aber dann fiel uns wieder ein, dass Warntag war und die Alarmierung somit nur eine Übung, mit der Vater Staat uns Bürgern beweisen wollte, dass er uns warnen kann, wenn er glaubt, Schreckliches dräue.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

          Unsere Regierung denkt dabei natürlich nicht an politische Katastrophen, denn dann würde das Handy ja dauernd schellen. Sondern an Naturgewalten, Raketen aus Russland und, deswegen musste das jetzt schnell noch getestet werden, den Stromausfall. Die Liste, was einem alles blühen könnte, wenn der „Cell Broadcast“ losbrüllt, müsste angesichts der schlimmen Nachrichten in dieser Woche aber noch um eine Gefahr verlängert werden.

          Der Wolf hätte sich nicht mit Ursula von der Leyen anlegen sollen

          Wir meinen nicht das Risiko, im Magen eines Wolfs zu landen, das gar nicht mehr so gering zu sein schien, wenn Isegrim nicht einmal davor zurückschreckt, mitten in Deutschland das Lieblingspony der EU-Kommissionspräsidentin zu reißen. Doch der schon einschlägig bekannte und mittels DNS-Analyse überführte Problemwolf GW950m hat sich mit der Falschen angelegt. Ursula von der Leyen sorgt nun dafür, dass wenigstens ein Ponyhof ein Ponyhof bleiben kann, wenn schon das Leben keiner ist. Die Wolfsgefahr in Deutschland wird auf eine Weise gebannt werden, die GW950m, seinen Artgenossen und vielen Wolfsverklärern nicht gefallen wird. Rache nicht nur für Wanda, sondern auch für Dolly!

          Aber zurück zur Erweiterung der Gefahrenliste: Auf die muss nun auch der Putschversuch gesetzt werden. Denn erstens ist es möglich, dass die Einsatzkräfte wegen der miserablen Geheimhaltung nur die Verschwörer erwischten, die so schlecht zu Fuß waren wie Heinrich XIII. Und zweitens könnte es in der „Reichsbürger“-Szene noch unentdeckte Zellen geben, die professioneller als die nun aufgeflogenen Putschisten auf den Umsturz hinarbeiten. Als am Donnerstag auf unserem Handy die angekündigte Entwarnung ausblieb, dachten wir schon: Na, vielleicht doch nicht bloß eine Übung?

          Warum Baerbock auch den Bismarck abhängen ließ

          Da war es beruhigend zu wissen, dass nicht allein unsere Sicherheitsbehörden wachsam sind, sondern dass in jedem Amt den Anfängen gewehrt wird, sogar im Auswärtigen. Dort verfügte die Hausherrin, dass das „Bismarck-Zimmer“ in „Saal der deutschen Einheit“ umbenannt wurde. Das geschah zwar so begründungslos wie die Entfernung des Kreuzes vor dem G-7-Treffen in Münster. Doch natürlich versteht auch so jeder, warum Baerbock auch den Bismarck abhängen ließ.

          Der hat schließlich das Reich des Bösen geschmiedet (Unverbesserliche nennen ihn deshalb den ersten Kanzler der deutschen Einheit), das die „Reichsbürger“ wiedererstehen lassen wollen. Einige dieser armen Irren nennen sich daher tatsächlich „Bismarcks Erben“. Was natürlich eine Anmaßung sondergleichen ist. Denn wenn neben den Nachkommen des Fürsten eine Gruppe diesen Titel verdient, dann sind das, so leid uns das für Frau Baerbock tut, unsere Diplomaten: Bismarck war auch der Gründer des AA.

          Ministerium für feministische Außenpolitik?

          Wenn dessen gegenwärtige Führung meint, sich vom Fürsten distanzieren zu müssen, reicht es freilich nicht, still und leise ein Zimmer umzubenennen. Dann braucht schon das ganze Haus einen unbelasteten Namen. Wo bleibt er? Kann Baerbock sich nicht gegen die alten Kader durchsetzen, die nicht in einem Ministerium für feministische Außenpolitik arbeiten wollen? Ist das AA mit seiner hohen Adelsdichte vielleicht sogar eine Hochburg der Monarchisten, die notgedrungen sogar mit „Reichsbürgern“ paktieren? Da dieser Szene selbst Prinzen, Offiziere und Richter angehören, wäre es doch keine Überraschung, sollten sich in ihren Reihen auch Diplomaten tummeln. Wenn das Handy das nächste Mal tutet, wissen wir, dass sie vom Werderschen Markt zum Reichstag marschieren.

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