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Fraktur : Was erlauben AKK!

Genug mit sich selbst zu tun: Auch als Grüner kann man zwischen die Fronten geraten. Bild: Wilhelm Busch

Gelobt sei hingegen Putin: Er und Erdogan ersparen uns einen Einsatz, der nur zu einem zweiten Stalingrad hätte werden können.

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          Gelobt sei Erdogan, der Mächtige! Gepriesen sei Putin, der Barmherzige! Dass diese beiden jetzt Arm in Arm für Ruhe und Ordnung sorgen in Nordsyrien, verpflichtet nicht nur ihren Kollegen Assad zur Huldigung. Auch wir Deutsche müssen den lupenreinen Demokraten auf Knien dafür danken, dass sie uns ersparen, in einen Friedenseinsatz zu ziehen, der nur zu einem zweiten Stalingrad hätte werden können.

          In Berlin kennt die Erleichterung darüber parteiübergreifend keine Grenzen. Denn Russen und Türken gehen ja nicht nur gemeinsam auf Patrouille, wie sich das für Verbündete gehört. Nein, sie werden auch dafür sorgen, dass jene Bevölkerungsteile, die dort Störenfriede waren, so ordnungsgemäß und human umgesiedelt werden, wie Moskau das im Potsdamer Abkommen schon im Falle der Sudetendeutschen zugesichert hatte.

          Wie hat die CDU-Vorsitzende nur auf die Idee kommen können, dass wir uns bei der Errichtung dieser Schutzzone einmischen sollten? Wir! Und wie konnte sie das tun, ohne vorher ihren Kabinettskollegen Maas um Erlaubnis zu bitten, denn der ist doch der Außenminister? Wer weiß, wie weit sein geheimer Friedensplan schon gediehen war. Den er zweifellos gehabt haben muss, weil er doch der Außenminister ist und auch noch Saarländer. Das Saarland bringt immer wieder – man erinnere sich nur an den Saar-Napoleon Lafontaine – große Staatsmänner hervor, wenn auch nicht in jeder Hinsicht.

          Es ist wirklich kein Wunder, dass Maas immer noch so aufgebracht über seine frühere Chefin ist, als hätte sie ihm sein Rennrad aus seinem Büro geklaut. Was erlauben Kramp-Karrenbauer! Nur weil AKK so ähnlich klingt wie Ankara, versteht die doch noch nichts von der Türkei! Dorthin fliegt Maas an diesem Samstag nun höchstselbst, um mit den Türken Tacheles zu reden. Aber bitte nicht zu streng sein, sonst ziehen die am Ende wirklich aus Syrien ab! Und wer, die Amis wollen ja partout nicht mehr, müsste dann ran? Genau. Obwohl wir doch nicht einmal unsere eigenen Grenzen richtig sichern können. Trump würde freilich auch noch unser Scheitern zu seinem Erfolg erklären.

          Aber zurück zu AKK und ihrer Chuzpe, einfach so den großen deutschen Konsens aufzukündigen, wonach die Weltlage so hoffnungslos kompliziert ist, dass jedenfalls wir Deutsche auf gar keinen Fall etwas tun können – außer natürlich schärfstens gegen die täglich wachsende Komplexität zu protestieren und selbst als leuchtendes Vorbild für hochmoralische Friedfertigkeit zu dienen. Wir haben doch nicht Jahrzehnte an unserer Vogel-Strauß-Doktrin gefeilt, um sie jetzt von einer fidelen Putzfrau aus der Provinz in die Tonne treten zu lassen! Die SPD hat völlig recht: Zu einer Militarisierung unserer Außenpolitik darf es nie wieder kommen. Eng geschnittene Anzüge stehen ihr viel besser als Knobelbecher und Stahlhelme.

          Und was natürlich auch gar nicht geht, ist dieser unfassbare Umgang mit dem Koalitionspartner. Informiert die CDU-Chefin den Chefdiplomaten nur mit einer SMS! Wo in der politischen Kommunikation, Trump sei Dank, doch der Tweet zum internationalen Mindeststandard geworden ist. So viel Mühe hätte schon sein müssen, um Maas den Ernst der Lage klarzumachen.

          Der ist, ausweislich der Debatte in den letzten Tagen, in der großen Koalition noch größer als in Syrien. Völker der Welt, schaut nicht nur auf Ras al Ain, sondern auch auf Berlin! Wie bleihaltig mag momentan die Luft am Kabinettstisch sein? Wir schlagen, auch wenn wir uns das Echo schon vorstellen können, die Errichtung einer Schutzzone im Grenzgebiet zwischen CDU und SPD vor, die nach Lage der Dinge nur von Grünhelmen bewacht werden kann. Habeck und Baerbock werden das, weil man da schnell zwischen die Fronten gerät, garantiert nicht ohne UN-Mandat machen wollen. Auch das hatte die CDU-Vorsitzende wohl nicht einkalkuliert, als sie diesen spektakulären Vorstoß unternahm.

          Sie hätte das Ganze eben, wie ihre Vorgängerin, vom Ende her bedenken sollen. Hat AKK ihr nicht zugehört? Oder hat Merkel das der Nachfolgerin gar nicht erst gesagt? Verfolgt die Kanzlerin in dieser Angelegenheit vielleicht einen raffinierten Plan, der jedenfalls nicht in Syrien auf einen Regimewechsel abzielt? Ist Maas dabei ihr nützliches HB-Männchen? Fragen über Fragen, die zeigen, dass die deutsche Politik wirklich genug mit sich selbst zu tun hat.

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