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Der perfekte Hund für Trump: Pudel ohne großes Ego Bild: Wilhelm Busch

Fraktur : Als zöge auch Merkel ein

Warum kämpft Trump bis zum letzten Tweet um das Weiße Haus? Schon wegen Bidens Schäferhunden.

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          Die wichtigste Frage dieser Tage lautet zweifellos: Was tun mit dem größten Hausbesetzer aller Zeiten?

          Fürs Erste kann man Trump weiter auf Golfbälle eindreschen und Minister feuern lassen; Bälle und auch Bedienstete, die er per Twitter „terminieren“ kann, gibt es offenbar noch so viele, dass sie bis Weihnachten reichen sollten. Nur den Atomkoffer muss man unbedingt vom Präsidenten fernhalten, insbesondere dann, wenn auch Melania nicht mehr mit ihm kuscheln will, wie es nicht nur in den vielen Witzen heißt, die nun kursieren. Über Trumps hartnäckige Weigerung, das Amt abzugeben, sollte man wohl erst dann abschließend urteilen, wenn man weiß, was sein Ehevertrag für diesen Fall vorsieht.

          Schwierig wird es, wenn Trump auch im Januar nicht das Weiße Haus verlässt, sondern sich im dortigen Bunker verbarrikadiert in der Hoffnung, die Armee Wenck oder eine Truppe von Rednecks werde doch noch den Belagerungsring der Demokraten sprengen. Die Russen wüssten natürlich, wie man den letzten Widerstand bricht. Aber wer wollte ganz Washington in Schutt und Asche legen, nur um Trump aus seinem Keller zu holen wie damals Saddam Hussein aus dem Erdloch? Na ja, ein paar Millionen Amerikaner vielleicht doch.

          Als nicht weniger heikel stellt sich der langfristige Umgang mit Trump dar, also das Thema Endlagerung. Bei der Halbwertszeit seiner Racheaktivität müsste er geschätzt hundert Jahre in ein Abklingbecken. Also Umsiedlung in einen Swimmingpool auf Long Island oder in Florida? Diese Rentnerreservate wären uns zu unsicher. Selbst die Verbringung auf eine ganze Insel ohne Internet muss einen entschlossenen Rückkehrer nicht aufhalten, wie man im Fall Napoleons sah. Trump träumt bestimmt schon davon, wie er an der Spitze seiner Proud Boys nach Washington marschiert und Biden in die Flucht schlägt. Wenn man an Deportation denkt, dann bitte gleich nach St. Helena.

          Und was ist, wenn Trump sich wegen dieser Aussichten irgendwo im Weißen Haus versteckt? Bad idea. Biden ist Hundehalter. Er bringt nicht irgendeinen Kläffer mit, sondern zwei Schäferhunde. Die spüren einen Illegalen schneller auf, als Trump „Betrug“ sagen kann. DEUTSCHE Schäferhunde im Oval Office – das ist die größtmögliche Demütigung für Trump! Das muss sich für ihn anfühlen, als zöge mit Biden auch Angela Merkel ein. Wen wundert es da, dass Trump um das Weiße Haus kämpfen will bis zum letzten Tweet?

          Das Einzige, was Trump und unsere Kanzlerin gemein haben, ist ihre Hundelosigkeit. In Merkels Fall fällt das kaum auf, denn die Institution des „First Dog“ gibt es bei uns seit Mai 1945 nicht mehr. Daran konnte auch die Umerziehung durch die Amerikaner nichts ändern. Der letzte Amtsinhaber war übrigens ebenfalls eine Deutsche Schäferhündin. Bei dem Hundeführer wäre auch keine andere Rasse denkbar gewesen.

          Im Falle Trumps hätte man sich dagegen viele Vierbeiner vorstellen können, die zu ihm passen, an erster Stelle natürlich Windhunde jeder Art. Geradezu wie für ihn gezüchtet erscheint uns der Afghane mit seinem blonden, mitunter orange schimmernden Langhaar. Ein sehr geeigneter Begleiter für Trump wäre auch der Königspudel, der sich schon lange als Blindenführ- und Katastrophenspürhund bewährt. Pudel jeder Größe sind ausgesprochen kluge Tiere. Selbst noch für die Zwerge unter ihnen war es daher eine Beleidigung, als Boris Johnson zu Trumps Pudel ernannt wurde. Zum Glück ist dieser völlig verfehlte Vergleich nicht auf weitere europäische Regierungschefs und andere Hunderassen ausgedehnt worden, sonst wären jetzt vielleicht auch noch die Terrier und Rehpinscher gekränkt.

          Wo wir doch mehr denn je den Zuspruch und Trost unserer Vierbeiner brauchen! Sie sind, von den Corona-Leugnern abgesehen, die Einzigen, die sich kein bisschen vor dem Virus fürchten. Und wer würde schon gerne einen Querdenker zu seinen Füßen liegen haben und mit ihm dreimal am Tag Gassi gehen? Nein, die Hölle des Homeoffice ist nur mit einem Hund auszuhalten. Unser Rat an den scheidenden amerikanischen Präsidenten lautet daher: Mr. President, schaffen Sie sich bis zum Umzug in den Trump-Tower einen Köter an. Immerhin der würde auch weiter Ihren Befehlen folgen – wenn Sie nicht gerade einen erwischen, der ein ähnlich großes Ego hat wie Sie (oft anzutreffen bei Riesenschnauzer-Rüden).

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