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Frühstück bei der Kanzlerin: Leider kein Platz für Merz. Bild: Wilhelm Busch

Fraktur : Leider vollzählig

Platz am Frühstückstisch für AKK, aber nicht für Merz: ein Kabinettstückchen zum Jahresende.

          Bei der jahresendzeitlichen Beschäftigung mit der Frage, wer das Kabinettstückchen der vergangenen zwölf Monate ablieferte, fallen einem natürlich auch einige deutsche Kabinettstückchenlieferanten ein, an erster Stelle die Fußball-Nationalmannschaft. Aber auch in dieser Disziplin kommt man einfach nicht am GröKaZ vorbei. Der amerikanische Präsident zerstückelt sein Kabinett schließlich mit solcher Freude und Geschwindigkeit, dass selbst seinem guten Freund in Saudi-Arabien, dem sogenannten Blut-Scheich, die Spucke wegbleiben muss.

          In die Geschichte eingehen wird Donald Trump aber nicht nur, weil er seine Minister fast so oft wechselt wie seine Hemden, sondern weil er – solange nicht Erdogan oder Putin anrufen – unbeirrbar an seinem Ziel festhält, die Mauer zu Mexiko zu bauen, komme aus diesen südlichen Shithole-Countries, wer da wolle. Haben seit den chinesischen Kaisern nicht schon viele Anführer mit großen Ambitionen einen Schutzwall für ihr jeweiliges Reich errichtet?

          Auch bei uns in Europa gab es Wälle ohne Ende, vom Atlantik bis an die Elbe. Die meisten davon hielten zwar nicht lange, was ihre Erbauer sich von ihnen versprachen. Das galt selbst für die historisch-moralisch einwandfreie Maginot-Linie. Aber jedenfalls die Chinesische Mauer steht noch heute. Und Trump muss in seinem Alter ja auch so langsam an seine Zukunft denken. Wer wollte schon in der Hölle auch noch Walter Ulbrichts meckerndes Lachen darüber ertragen müssen, zwar öffentlich die Absicht bekundet zu haben, eine Mauer zu errichten, bei der Verwirklichung aber an einigen Demokraten (!) gescheitert zu sein?

          Um einer solch höllischen Blamage zu entgehen, kann man schon mal das eigene Land lahmlegen. Den Russen demonstriert Trump damit nebenbei auch noch die amerikanische Überlegenheit. Während Moskau ganze Divisionen von Cyberkriegern mit Putinorgeln zum Abfeuern großkalibriger Trojaner einsetzen müsste, um Amerika zurück in die Steinzeit zu befördern, schafft Trump das mit einem einzigen analogen Federstrich (auch wenn seine Unterschrift langsam die Größe der Freiheitsstatue erreicht).

          Da kommen die Kabinettstückchen unserer Politiker doch deutlich kleinformatiger daher, man denke nur an die Weihnachtskarte der Staatsministerin Widmann-Mauz (CDU) ohne Weihnachten („egal woran Sie glauben“). Aber auch feiner, wenn wir uns den Wettbewerbsbeitrag der neuen CDU-Vorsitzenden anschauen.

          Annegret Kramp-Karrenbauer wollte nach eigenem Bekunden ihren knapp unterlegenen Konkurrenten Friedrich Merz unbedingt bei der Stange halten, um diesen zurückgekehrten Jedi-Ritter nicht endgültig an die dunkle Seite der Macht (Wirtschaftsliberale, Wertkonservative) zu verlieren. Merz hätte sich, wie er dieser Zeitung anvertraute, zu Weihnachten auch nichts sehnlicher gewünscht als einen kleinen Posten in Merkels Kabinett. Doch es ist wie verhext: Das Kabinett der Kanzlerin ist „vollzählig“, wie Kramp-Karrenbauer beim letzten Durchzählen vor dem „Kabinettsfrühstück“ feststellte, mutmaßlich zu ihrem größten Bedauern.

          Das ist wohlgemerkt nicht eine Runde, bei der in launiger Stimmung und einem Qualitätswein mit Prädikat immer noch der historische Sieg über den Anden-Pakt gefeiert wird, sondern eine Zusammenkunft jener Minister aus den Reihen der Union, die von jetzt an bis zum Ende der Kanzlerschaft Merkels im Amt bleiben müssen.

          Trump würde darüber natürlich nur lachen – es sei denn, man spräche von einer menschlichen Mauer um das Kanzleramt, die keine Lücke bekommen darf. Gerüchten aus Berlin zufolge wurde Wirtschaftsminister Altmaier deshalb schon auf eine strenge Diät gesetzt, jedenfalls beim Frühstücken. Und der Bendlerblock soll nach externem Rat suchen, wie Frau von der Leyen doch noch zu retten sei.

          Denn beim ersten Tagesordnungspunkt des Kabinettsfrühstücks, dem Durchzählen, muss die Meldung des Kanzleramtsministers von nun an immer lauten: Kabinett vollzählig angetreten, Frau Bundeskanzlerin! Dann kann die CDU-Vorsitzende – das einzige Mitglied der Kabinettsfrühstücksrunde ohne Kabinettsrang; ja, das ist tatsächlich möglich – weiterhin sagen: „Es gibt da also für die Kanzlerin keinen Handlungsbedarf.“ Wenn das kein Kabinettstückchen ist, was dann?

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