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Mein schönes Fräulein: Das hat sich vielleicht Goethe noch erlauben können! Bild: Wilhelm Busch

Fraktur : Der Schlumpf kann gehen

Kein Grund zum Grinsen bei der SPD: Thierses Schicksal sollte Scholz eine Warnung sein.

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          Die SPD, obwohl so alt und schwach, ist immer noch für Überraschungen gut. Das sieht man nicht nur daran, dass sie sich aktuell auch noch für Wolfgang Thierse schämt, obwohl der ja schon seit Jahrzehnten eine Frisur hat, als sei der Friseurbesuch bereits in der DDR verboten gewesen.

          Noch verblüffender als Saskia Eskens und Kevin Kühnerts Fremdschämen für den alten weißen Mann in den Reihen der Roten finden wir, dass die Partei der Steuererhöhung plötzlich Steuerhinterziehung nicht mehr als ein Verbrechen ansieht.

          Ja, das ist sogar noch schwerer zu glauben als das parteiinterne Thierse-Bashing. Letzteres passt immerhin perfekt ins Bild einer sich derart um die Minderheiten jeder Art sorgenden SPD, dass sie wohl aus Identitätsgründen selbst zu einer verschwindend kleinen Gruppe werden will.

          Aber zurück zur Steuerhinterziehung, die uns zunächst zu einer anderen sozialen Kraft führt, zur CSU. Ihrem Abgeordneten Nüßlein wird vorgeworfen, ein Maskengeschäft eingefädelt, dafür erhebliche Provisionen kassiert und diese nicht versteuert zu haben. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Wiese sagte dazu: Wenn sich das erhärten sollte, dann „wäre dies alles andere als ein Kavaliersdelikt“.

          Kavaliersdelikte als Kapitalverbrechen

          Das hätte man vielleicht noch im vergangenen Jahrhundert so ausdrücken können, als man mit Kavaliersdelikten lässliche Sünden meinte. Heutzutage aber werden in den progressiven Kreisen, bei denen die SPD sich einzuschleimen versucht, die Delikte von Kavalieren als Kapitalverbrechen eingestuft. Daher riskiert es ja auch kein Mann mehr, so er noch nicht dement ist, eine junge Frau zu fragen: „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, Arm und Geleit Ihr anzutragen?“

          Das hat sich vielleicht Goethe noch erlauben können! Heutzutage würde allein die Nutzung des F-Wortes dem Kavalier drei Tage am Internet-Pranger einbringen, ganz zu schweigen von der Strafe für den Armantrag.

          Mario Draghi hat sich an unseren Zinsen vergriffen

          Es ist also nur zu verständlich, dass seit Silvio Berlusconi auch kein Politiker mehr ein Kavalier sein will, nicht einmal Mario Draghi. Dem geschieht es übrigens recht, dass er nun Italien regieren muss, nachdem er sich an unseren Zinsen vergriffen hatte.

          An dieser Stelle sollte jedenfalls Olaf Scholz nicht so schlumpfig grinsen! Dem Kanzlerkandidaten der SPD dräut, zumindest theoretisch, noch Schlimmeres als Draghi: Deutschland regieren zu müssen an der Spitze einer Koalition aus seinem eigenen Sauhaufen, den Grünen und der Linkspartei. Über diese Truppe würden sie selbst noch in Italien lachen.

          Allein wegen der entfernten Möglichkeit, dass dieses Trio Infernale in Berlin an die Macht kommt, muss nun wirklich alles dafür getan werden, dass bis zur Bundestagswahl Herdenimmunität herrscht. Uns allen reicht doch schon das derzeitige Corona-Chaos, das man sich eigentlich nicht mehr schlimmer vorstellen kann – es sei denn, man denkt daran, wie es unter Rot-Rot-Grün ausfiele.

          Die Linke würde den Impfstoff nur in Moskau bestellen wollen. Die Grünen würden ihn ausschließlich in Mehrfamilienhäusern verabreichen. Und von der SPD dürfte man doch wohl den Vorschlag erwarten, dass erst einmal alle Minderheiten samt sämtlicher Varianten geimpft werden, bevor die rückwärtsgerichtete Mehrheit (einschließlich Thierse) drankommt.

          Darüber nun Klarheit zu haben ist doch etwas wert. Aber auch die wird schon wieder milchig. Wohl irritiert von zwei Solidaritätserklärungen in der SPD für Thierse, äußerte die Parteivorsitzende Esken, nichts liege ihr ferner, als sich von diesem „verdienstvollen Sozialdemokraten“ zu distanzieren. Nichts und niemand? Das schauen wir uns noch mal an, wenn Scholz – dann natürlich nur er – die Wahl verliert. Dann wird es heißen: Der Schlumpf hat seine Arbeit getan, der Schlumpf kann gehen.

          Wenn man das noch so sagen darf. Ganz genau genommen ist ja auch Söders Schelte für Scholz, „nicht so schlumpfig herumzugrinsen“, rassistisch. Denn auf was sollte das denn anspielen, wenn nicht auf die Hautfarbe der Schlümpfe? Ein schweres Kavaliersdelikt! Die Kanzlerin soll trotzdem nicht eingegriffen haben. Sie hielt sich wohl an die Regel: Der/die/das Kavalier*in genießt und schweigt.

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