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Merkels Marionetten? Jedenfalls heben alle die Hand. Bild: Zeichnung Wilhelm Busch

Fraktur : Ein Millionär hat’s schwer

Doch den Friedrich Merz in seinem Lauf hält auch das Establishment nicht auf.

          2 Min.

          Soziologen und auch engagierte Historiker könnten bestimmt diese ganze Spalte mit verharmlosenden Definitionen füllen, was das Establishment sei. Wir aber wollen uns auf die politisch wirkmächtigste Erklärung konzentrieren, nach der man mit diesem Begriff eine Gruppe bezeichnet, die nicht zur Promiskuität neigt. Mit der Formel „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“ hat sich eine ganze Generation, die Achtundsechziger, von einem vermufften Bürgertum abgegrenzt, das verheiratet war, die Ehefrauen in der Küche knechtete und alle Jahre wieder CDU wählte. Nach dem langen Marsch durch die Institutionen und zu sich selbst sind die damaligen Revoluzzer in den meisten Fällen aber von verkrachten zu staatstragenden Existenzen geworden – die klammheimlich froh sind, das aufregende, aber auch anstrengende Leben ihrer Jugend nicht mehr führen zu müssen, das ja durchaus noch nach Jahrzehnten seinen Tribut fordern kann, wie man nun am tragischen Fall einer Hippie-Ikone sieht.

          Um nicht (wieder) falsch verstanden zu werden: Wir meinen damit wirklich nicht Friedrich Merz, obwohl der früher ja auch fast ein Rainer Langhans war. Das glauben Sie nicht? Merz selbst sagte einmal dem „Tagesspiegel“: „Ich hatte lange schulterlange Haare, bin mit dem Motorrad durch die Stadt gerast, ... ich habe angefangen zu rauchen und Bier zu trinken.“ Seinen detaillierten Erzählungen nach hat Merz schon als Jugendlicher das Establishment ziemlich aufgemischt, zwar noch nicht in Berlin, aber schon in Brilon. Auch bei ihm trat dann jedoch – ebenfalls nach eigenen Angaben – die „Verbürgerlichung“ ein. Sie hielt, jedenfalls dem äußeren Anschein nach, bis vergangenes Wochenende an.

          An ihm wurde Merz schlagartig wieder zum Kämpfer wider das Establishment, das sich in seiner Abwesenheit – er war jahrelang für einen alternativen New Yorker Vermögensverwalter tätig, den allenfalls Donald Trump zum Sumpf des Establishments zählen würde – derart an der Spitze der CDU breitgemacht hat, dass man sich wirklich Sorgen um Sitte und Moral bei den Christlichen Demokraten machen müsste. Zum Glück gilt jetzt aber nicht mehr die Achtundsechziger-Definition, sondern die Begriffsbestimmung nach Merz. Entscheidend ist demnach nicht mehr der Sex, sondern das Crime: Zum Establishment gehört, wer Merz als CDU-Vorsitzenden verhindern will.

          Und wer will das? Na, doch wohl alle, die im Bundesvorstand der Verschiebung des Parteitags zustimmten, einstimmig. Diese Spalte würde nicht ausreichen, um ihre Namen zu nennen. Wir reden hier vom Who’s who der CDU, bis hin zur JU! Natürlich werden, wie Merz-Getreue vermuteten, nicht nur erbitterte Merz-Feinde die Hand gehoben haben, sondern auch Quislinge und willenlose Merkel-Marionetten. Und jede Menge Neider. Ein Millionär hat’s im Establishment einfach schwer.

          Und nicht nur dort. Die Anti-Merz-Verschwörung zieht ja immer weitere Kreise. Nun hat in dem verzweifelten Bemühen, Merz als CDU-Vorsitzenden zu verhindern, sogar noch die Linkspartei ihren Parteitag verschoben. Aber auch das wird vergeblich sein. Den Friedrich Merz in seinem Lauf, das sehen wir wie er, halten weder Spahn noch Laschet auf. Schon gar nicht, wo jetzt sogar noch die „Die Zeit“ Merz gegen den in der CDU ersonnenen Spott verteidigte, er sei ein „Sauerland-Trump“. Wir müssen nicht erst the real Friedrich fragen, wessen Hirn dieser schon seit Wochen kursierende Begriff entsprungen sein könnte. Da kommt doch nur der übliche Verdächtige in Frage.

          Dass „Die Zeit“ Partei für Merz ergreift, während die CDU sich gegen ihn verschwört, unterstreicht: Endlich muss einer wie er kommen, um in dieser verkehrten Welt mit eiserner Faust wieder für klare Verhältnisse zu sorgen. Das tut auch in Hinblick auf die Vergangenheit not. In der besagten Wochenzeitung erschien vor zwanzig Jahren ein Leserbrief, in dem ein Schulfreund behauptete, Merz habe damals gar keine schulterlangen Haare gehabt und auch kein Moped. Alternative Fakten, wohin man auch schaut, sogar noch im Sauerland!

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