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Fraktur : Mit Wumms gegen die Antifa

Spezieller Weihrauch: Mit Wumms gegen die Antifa. Oder gegen die Neue Rechte? Bild: Wilhelm Busch

Auch Donald Trump ist kein ausgebildeter Politiker. Trotzdem gelang es ihm, eine deutsche Debatte anzustoßen.

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          Nach zehn Wochen Shutdown hat es vor den Toren Frankfurts wieder einen Flohmarkt gegeben. Ein bisschen erinnerte er an Guantánamo. Wer das mit hohen Zäunen abgesperrte und rundum bewachte Areal betreten wollte, musste zwei Kontrollpunkte passieren und sich am zweiten, dem „Check-in“, registrieren lassen. Registrieren! Auf dem Flohmarkt! Als nächstes kommt wohl auch noch die Bon-Pflicht. Trotzdem war die Reihe der Wartenden so lang wie in der Frühphase der Pandemie vor den Corona-Teststationen. Und Symptome zeigten die Flohmarkt-Junkies nach Wochen des kalten Entzugs auch. Das Jagdfieber stieg mit jedem Meter, den die Schlange den wenigen Ständen zukroch: Endlich wieder in Kisten mit Omas Nachttöpfen und in Haufen von mottenzerfressenen Pelzen stöbern!

          Der Flohmarkt ist freilich nicht nur ein Ort, an dem räudige Schnäppchen warten. Dort lässt sich auch aufschnappen, was das Volk gerade so denkt. Derzeit denkt es demnach intensiv über die Krise und ihre Manager nach. Ein Werkzeugverkäufer aus Koblenz kam dabei zu diesem Ergebnis: Politik ist kein Ausbildungsberuf. Deswegen haben die Politiker auch von nichts eine Ahnung.

          Der Radikalität der Schlussfolgerung wollen wir uns nicht vorbehaltlos anschließen, obwohl sie durchaus populär ist. Doch eine von der Industrie- und Handelskammer anerkannte Ausbildung zum Politiker existiert in der Tat nicht – so nötig sie wäre, nicht nur in unseren Landen. Auch der jetzt so scharf kritisierte Trump hat nirgends lernen können, wie man einen Volksaufstand fachgerecht niederschlägt. Hätte er vielleicht bei seinem nordkoreanischen Freund in die Lehre gehen sollen? Wo doch selbst deutsche Universitäten als Kaderschmieden auf ganzer Linie versagen. Wer bei uns Politikwissenschaft studiert, fährt in der Regel später lieber Taxi, als die Mühsal einer politischen Laufbahn auf sich zu nehmen.

          Doch welcher große Geist hat diese deutsche Debatte angestoßen?

          Die SPD-Vorsitzende Esken brach ihr Studium aber wohl zu früh ab. Dem Sog der Politik, der sie bis an die Spitze ihrer Partei spülte, konnte sie sich danach ganz offensichtlich nicht mehr entziehen. Und ehe man sich’s versieht, ist frau 58 und Antifa und kriegt Haue von rechts bis links, also von der AfD bis zur CDU. Natürlich nicht wegen des Alters, sondern wegen des „undifferenzierten“ Bekenntnisses zur Antifa. Die ist für die einen und ausdrücklich auch für Esken „wie der Duden sagt ein Kurzwort für Antifaschismus“. Die geistige Mitgliedschaft in der Antifa stellt somit eine Pflicht für jeden aufrechten Demokraten dar. Für die Freunde von der anderen Feldpostnummer ist die Antifa aber eine „Terrorgruppe, die auch vor brutalster, potentiell tödlicher Gewalt nicht mehr zurückschreckt“ (AfD-Chef Jörg Meuthen).

          Dieses „Reframing durch die Neue Rechte“ will wiederum Esken nicht akzeptieren. Doch welcher große Geist hat diese deutsche Debatte über den Antifaschismus und seine willigen Helfer angestoßen? Kein Geringerer als „the real Donald“! Der „Präsident für Recht und Ordnung“ (so nennt Trump sich allen Ernstes selbst) neigt in Sachen Antifa eindeutig der AfD-Definition zu und will den amerikanischen Ableger verbieten lassen. Da konnte die SPD schon aus Solidarität nicht schweigen, obwohl sie dann eine Philosophin geblieben wäre. Aber die SPD will eben „mit Wumms aus der Krise kommen“, wie Olaf Scholz sagte.

          Wo aber hat Trump sein Wissen über die Antifa her? Wie Esken wird er kaum im Standardwerk für Antifaschismus, dem Duden, nachgeschlagen haben. In der Bibel, die er hochhielt, nachdem die Polizei ihm den Weg zur Kirche mit speziellem Weihrauch freigeräuchert hatte, steht noch nicht einmal etwas über den Faschismus. Unser „Kleines Politisches Wörterbuch“, 1984 in Weimar erworben, kann dagegen gleich mit sieben Einträgen dienen, die mit „Antifa...“ beginnen. Der schönste davon ist immer noch das Lob auf den antifaschistischen Schutzwall, dessen Errichtung, so wird Erich Honecker zitiert, „für den Schutz der sozialistischen Errungenschaften unserer Arbeiter-und-Bauern-Macht“ gesorgt habe. Angesichts solcher lobenswerten Absichten kann es doch nicht verwundern, dass Esken sich zur Antifa bekennt. Möglicherweise verliert sogar Trump seine Berührungsängste, wenn ihm einer erklärt, dass der Antifaschismus einmal eine nahezu unüberwindbare Mauer hervorgebracht hat. Allerdings landete Amerika dann vielleicht mit Wumms in der nächsten Krise.

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